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Chrysostomus († 407) - Vom jungfräulichen Stande (De virginitate)

6. Die Jungfrauen auf Seiten der Ketzer beflecken nicht nur die Seelen, sondern auch die Leiber.

Wenn auch ihr Leib unversehrt bleibt, so ist dennoch das Beste verdorben, die Gesinnung der Seele. Was nützt es aber, daß die Umzäumung noch steht, nachdem der Tempel zerstört ist? Oder was frommt es, wenn die Stelle des Thrones rein, der Thron selbst aber mit Schmutz bedeckt ist? Aber auch so gibt es noch etwas zu sühnen; denn die Lästerung und die gottlosen Reden werden zwar im Innern erzeugt, bleiben aber nicht im Innern der Seele, sondern verunreinigen, durch den Mund gesprochen, die Zunge, beschmutzen das Ohr, das sie aufnimmt, und zerfressen, wie ein tödtliches Gift, das in die Seele gefallen, ärger noch als jegliche Motte die Wurzel, und verderben mit ihr zugleich den ganzen übrigen Körper. Wenn nun die Jungfrauschaft darin besteht, daß man sowohl dem Leibe, als der Seele nach rein sei; wie kann jene eine Jungfrau sein, die nach beiden Seiten hin unrein und fluchbelastet ist? — „Aber sie zeigt mir doch ein bleiches Gesicht, abgemagerte Glieder, eine elende Kleidung und einen sanften Blick.“ Was nützt aber das, wenn das innere Auge schamlos ist? Denn was ist schamloser, als dieser Blick, welcher die äußern Augen verleitet, die von Gott geschaffenen Dinge als schlecht zu betrachten? „Die ganze Schönheit der Königstochter ist von innen“;1 diese aber verkehrt die Reihenfolge der Worte indem sie äußerlich in Schönheit erprangt, innerlich aber voll Schmutz ist. Denn das ist eben die Schandthat, daß diejenige, welche die größte Bescheidenheit gegen die Menschen zur Schau trägt, gegen Gott, ihren Schöpfer, die höchste [S. 164] Wuth äußert, und daß diejenige, welche einen Mann sich nicht einmal anzusehen getraut, — wenn es etwa einige solche unter ihnen gibt, — den Beherrscher der Menschen mit unverschämten Augen anblickt und gegen den Allerhöchsten Schändliches redet; sie hat ein buxfarbiges und todtenähnliches Antlitz. Sie verdienen deßhalb viele Thränen und Klagen, weil sie nicht umsonst, sondern auch zum Verderben ihres eigenen Hauptes sich solche Qualen aufluden.

1: Ps. 44, 14.

 

 

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Einleitung: Vom jungfräulichen Stande

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger