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Chrysostomus († 407) - Vom jungfräulichen Stande (De virginitate)

45. Diejenigen, welche sich überflüssigen Beschwerlichkeiten unterziehen, haben dafür keinen Lohn zu gewärtigen.

Welches ist aber die kluge Antwort der Menge, wenn wir ihr das Alles erzählen? „Demnach wird,“ heißt es, „der einer größern Belohnung werth sein, welcher ungeachtet einer solchen Noth das Rechte thut?“ Wie so, mein Theuerster, und warum? „Weil er sich,“ sagt man, „wegen der Ehe einer großen Arbeit unterzieht.“ Und wer hat ihn gezwungen, eine so große Arbeit zu übernehmen? Denn wenn er durch Heirathen ein Gebot erfüllte und durch die Unterlassung desselben gegen ein Gesetz verstieße, so wäre diese Rede vernünftig. Falls er aber, da es ihm doch frei stand, dem Joche der Ehe sich nicht zu unterziehen, freiwillig, ohne allen Zwang sich in solche Schwierigkeiten stürzen wollte, durch die ihm der Kampf der Tugend viel beschwerlicher wurde, so kümmert das den Kampfrichter nicht; denn er hat nur Eines zu erzielen geboten, den Krieg gegen den Teufel zu führen und den Sieg über das Laster zu gewinnen. Ob aber Jemand verheirathet ist und der sinnlichen Lust fröhnt und um viele Dinge sich kümmert, oder ob er abgetödtet und geplagt und um nichts Anderes besorgt ist, das ist ihm gleichgiltig. Als die Siegesweise und den Weg, der zum Siege führt, erklärt er zwar den, der von allen weltlichen Dingen frei ist. Weil aber du mit Weib und Kindern und den diese begleitenden Geschäften Krieg führen und kämpfen willst, um Gleiches, wie jene, zu leisten, die von all diesen Dingen frei sind, und um deßhalb noch größere Bewunderung zu [S. 225] genießen, so wirst du uns vielleicht eines großen Stolzes anklagen, wenn wir behaupten, daß du nicht denselben Gipfel, wie jene, zu ersteigen vermagst. Indessen wird dich schon die Zeit der Belohnungen genugsam belehren, daß die Sicherheit weit ersprießlicher sei als eitle Prahlerei, und rathsamer, Christo zu glauben als der Thorheit seiner eigenen Gedanken. Denn Christus stellt es in Abrede, daß es zur Tugend genüge. Allem, was uns gehört, zu entsagen, soferne wir uns nicht auch selber hassen: du aber, der du mit all diesen Dingen vermischt bist, glaubst siegen zu können. Allein du wirst, wie ich sagte, dann deutlich einsehen, welch’ ein großes Hinderniß für die Tugend ein Weib und die Sorgen für ein Weib seien.

 

 

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Einleitung: Vom jungfräulichen Stande

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger