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Chrysostomus († 407) - Vom jungfräulichen Stande (De virginitate)

44. Die Jungfrau kann das Himmelreich leichter gewinnen, als der Verheirathete.

Ehemals war uns nämlich nicht ein solches Maß der Tugend vorgeschrieben, sondern es war erlaubt, sowohl das Unrecht zu rächen, als auch Schimpfworte zu erwidern und [S. 223] Geld zu erwerben und rechtmäßig zu schwören und Auge für Auge auszureissen; und es war nicht verboten, sich der Sinnenlust hinzugeben oder zu zürnen oder die Frau zu verstoßen und eine andere zu nehmen. Ja nicht das allein; das Gesetz erlaubte sogar, zwei Weiber gleichzeitig zu haben, und es herrschte theils hierin, theils in allen andern Dingen eine bedeutende Nachsicht. Nachdem aber Christus erschienen, wurde der Weg weit schmäler, nicht bloß weil jene unvergleichbare und große Willkür in Betreff alles Erwähnten unserer Macht entzogen ist, sondern auch, weil wir das Weib, wenn es uns auch wider Willen oft zu vielen Sünden veranlaßt und nöthigt, stets im Hause behalten, oder, will man dasselbe verstoßen, der Schuld des Ehebruches sich gefangen gibt. Aber nicht bloß darum ist die Tugend für uns schwer, sondern weil, mag auch das Weib einen erträglichen Charakter besitzen, doch der Haufe von Sorgen, welcher ihret- und ihrer Kinder willen auf uns lastet, uns durchaus nicht zum Himmel aufblicken läßt, indem er unsere Seele gleichsam wie ein Strudel nach allen Seiten hin dreht und versenkt. Denn siehe, der Mann will ein ruhiges und geschäftloses Privatleben führen; wenn er aber die umstehenden Kinder und die Ehegattin, die einen großen Aufwand verlangt, ansieht, so stürzt er sich wider Willen in den Strudel der weltlichen Geschäfte. Ist er aber in diesen gerathen, so kann man nicht sagen, zu wie vielen Sünden er genöthiget wird: zum Zorne, zum Schwören, zum Schimpfen, zur Rache, zur Verstellung, indem er Vieles aus Schmeichelei, Vieles aus Haß thut. Denn wie ist es möglich, daß derjenige, welcher in einem solchen Sturm herumgepeischt wird und in demselben nach Ruhm jagt, sich nicht mit vielem Sündenschmutze beflecke. Und sollte Jemand auch nur die Hausangelegenheiten besorgen, so wird er wegen des Weibes auf dieselben und noch größere Schwierigkeiten stoßen; denn er muß sich um viele Dinge bekümmern, deren ein für sich lebender Mann nicht bedarf; und dieses schon, wenn die Frau brav uud nachgiebig ist. Ist sie aber boshaft, bitter und schwierig, so wird man [S. 224] dieß nicht mehr bloß Zwang, sondern Strafe und Pein nennen müssen. Wie wird also der den Weg zum Himmel zurücklegen können, welcher freier und leichter Füße, einer wohlgegürteten und rüstigen Seele bedarf, wenn er mit einer solchen Wucht von Geschäften beladen, mit so vielen Fesseln gebunden, von dieser Kette, ich meine die Bosheit des Weibes stets nach unten gezogen wird?

 

 

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Einleitung: Vom jungfräulichen Stande

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger