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Chrysostomus († 407) - Vom jungfräulichen Stande (De virginitate)

39. Welcher Wittwe und welcher Jungfrau Paulus zu heirathen erlaubt.

Wenn aber Paulus sagt: „Den Unverheirateten und den Wittwen sage ich: Es ist ihnen gut, wenn sie so bleiben, wie ich. Wenn sie aber nicht enthaltsam sind, so sollen sie heirathen;“ und wiederum: „Entschläft ihr Mann, so ist sie [S. 213] frei; sie Heirathe, wenn sie will; nur im Herrn,“1 warum tadelt er jene wieder, die er für frei erklärt, und verdammt dieselbe Ehe als ungesetzlich, von der er sagt, daß sie im Herrn sei? Habe keine Sorge; er tadelt nicht dieselbe, sondern eine andere. Denn wie er in den Worten: „Wenn die Jungfrau heirathet, so sündigt sie nicht“2 nicht von derjenigen redet, welche der Ehe entsagt hat, — denn es ist Allen klar, daß eine solche eine Sünde und zwar eine unerträgliche begangen hätte, — sondern von jener, die noch unverheirathet ist und noch keine Wahl weder für das Eine noch für das Andere getroffen hat, sondern von jener, die noch unverbeirathet ist und noch keine Wahl weder für das Eine noch für das Andere getroffen hat, sondern gleichsam in Mitte dieser Erwägungen steht: Ebenso hat er auch hier eine Wittwe im Auge, die einfach keinen Mann, noch auch sich schon durch ihre Wahl verpflichtet hat, sondern noch die Freiheit genießt, das Eine oder Andere zu wählen; dort aber eine solche, der es nicht mehr erlaubt ist, mit einem andern Bräutigam einen Bund zu schließen, sondern die in den Kampfplatz der Enthaltsamkeit eingetreten ist. Denn sie kann Wittwe sein, ohne an der Wittwenwürde Antheil zu haben, weil sie diese noch nicht übernommen. Daher sagt auch Paulus: „Als Wittwe werde eingeschrieben, die nicht unter sechzig Jahren ist, nur Eines Mannes Weib;“3 denn derjenigen, die einfach Wittwe ist, gestattet er, wenn sie es will, zu heirathen; jene dagegen, die Gott gelobt hat, immer Wittwe zu bleiben, dann aber heirathet, verurtheilt er streng, weil sie den mit Gott geschlossenen Vertrag mit Füßen tritt. Nicht also zu diesen, sondern zu jenen sagt er: „Wenn sie nicht enthaltsam sind, so sollen sie heirathen; denn heirathen ist besser, als Brunst leiden.“4 Siehst du, daß die Ehe nirgends um ihrer selbst willen geachtet werde, sondern wegen der Hurerei, der Versuchungen und der Unenthaltsamkeit? Denn oben erwähnt er dieses Alles; hier dagegen bespricht er, nachdem er die Betreffenden heftig getadelt, die nämliche Sache [S. 214] wieder in mildern Ausdrücken, indem er sie Brand und Hitze benennt, wenngleich er auch hier nicht unterläßt, den Zuhörer zu verwunden. Denn er sagt nicht: „Wenn ihnen die Wollust heftig zusetzt, wenn sie umhergeworfen werden, wenn sie nicht können,“ nichts von dem, was auf Leidende und solche deutet, die Nachsicht verdienen. Sondern was? „Wenn sie nicht enthaltsam sind,“ was von denjenigen gilt, die sich aus Schlaffheit nicht anstrengen wollen. Denn erzeigt, daß sie, da sie es könnten, die Sache darum nicht zu Stande bringen, weil sie die Anstrengung scheuen. Aber auch nicht einmal so bestraft er sie, noch erklärt er sie für strafwürdig, sondern er beraubt sie bloß des Lobes und läßt nur in Worten die Stärke des Tadels hindurchblicken, indem er nirgends die Kindererzeugung, diese schöne und ehrwürdige Ursache der Ehe, erwähnt, sondern die Brunst, die Unenthaltsamkeit, die Hurerei und die satanische Versuchung, zu deren Verhütung er sie gestattet. Und warum dieß? sagt man; denn so lange er dieß Vergehen von der Strafe freispricht, werden wir jeden Tadel und alle Vorwürfe leichtlich ertragen, wenn es nur erlaubt ist, uns zu vergnügen und fortwährend der Wollust zu fröhnen? Wie aber, mein Bester, wenn es nicht erlaubt ist, uns zu vergnügen, werden wir bloß Tadel ernten? „Wie aber,“ heißt es, „ist es nicht erlaubt, uns zu vergnügen, da Paulus spricht: „Wenn sie nicht enthaltsam sind, so sollen sie heirathen.“ Vernimm aber auch, was darauf folgt. Du hast gehört, daß es besser sei zu heirathen, als Brunst zu leiden. Das Angenehme nennst du willkommen, die Erlaubniß lobst du und bewunderst den Apostel ob seiner Nachsicht; bleibe aber nicht dabei stehen, sondern beachte auch das Folgende; denn beide Vorschriften kommen von Ehen demselben. Was fügt er nun Obigem bei? „Denen, welche durch die Ehe verbunden sind, gebiete nicht ich, sondern der Herr, daß das Weib sich nicht vom Manne scheide; wenn sie aber geschieden ist, so bleibe sie ehelos oder versöhne sich mit dem Manne. Auch der Mann entlasse sein Weib nicht.“5

[S. 215]

1: I. Kor. 7, 8. 9. 39.
2: Ebendas. V. 27.
3: I. Tim. 5, 9.
4: I. Kor. 7, 9.
5: I. Kor. 7, 10. 11.

 

 

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Einleitung: Vom jungfräulichen Stande

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger