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Chrysostomus († 407) - Vom jungfräulichen Stande (De virginitate)

4. Die Jungfrauen der Ketzer sind sogar elender, als die der Heiden.

O ja, ihr seid noch schlimmer daran, als die Heiden! Denn obgleich die Strafen der Hölle die Heiden erwarten, so genießen sie doch wenigstens hier ein Vergnügen, dadurch, daß sie Ehen eingehen, und daß sie Geld besitzen, und die übrigen Freuden des Lebens; ihr aber habt auf beiden Seiten Qualen und Trübsal, hier freiwillig, dort gegen euren Willen zu tragen. Den Heiden wird Niemand für [S. 161] ihr Fasten und den jungfräulichen Stand weder Belohnung noch Strafe ertheilen; ihr aber werdet für das, wofür ihr unermeßliches Lob hofft, die härtesten Strafen erleiden und mit den Uebrigen hören müssen: „Weg von mir in’s ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist“1 — mit diesem euren Fasten, mit dieser eurer Jungfräulichkeit! Denn weder das Fasten, noch die Jungfräulichkeit sind an sich gut oder böse, sondern sie werden das Eine und das Andere erst durch die Absicht derjenigen, welche sie üben. Den Heiden bringt diese Tugend keinen Gewinn; denn sie gehen des Lohnes verlustig, weil sie sich ihr nicht aus Gottesfurcht unterzogen; ihr aber, die ihr dieselbe geübt, nachdem ihr mit Gott Krieg geführt, und sien Werk verdammt habt, werdet nicht nur eures Lohnes verlustig, sondern auch noch gestraft werden. Und was die Lehren betrifft, so werdet ihr mit ihnen auf gleicher Linie stehen, weil ihr ebenso, wie die Heiden, den wahren Gott verworfen und eine Vielgötterei eingeführt habt. Was aber euer Leben betrifft, so werden jene besser durchkommen, als ihr; denn jenen gereicht blos dieses zum Nachtheil, daß sie nichts Gutes erlangen, euch aber, daß ihr Strafe erduldet: und jenen war es gestattet, in diesem Leben Alles zu genießen, ihr aber entbehret der beiderseitigen Vortheile. Kann es wohl eine härtere Züchtigung geben als die, statt der Belohnung für Anstrengung und Mühe Strafen zu erhalten? Der Ehebrecher, der Betrüger, wer im fremden Eigenthum schwelgt und seinen Nächsten beraubt, hat doch einigen Trost — er ist zwar kurz, aber sie haben ihn doch, — weil sie für das bestraft werden, was sie hier genossen; wer sich aber freiwillig der Armuth unterzieht, um jenseits bereichert zu werden: wer sich den Mühen der Jungfräulichkeit unterzieht und jenseits mit den Engeln Reigen aufzuführen; welch’ unsäglichen Schmerz muß er aus einem so unerwarteten Ereignisse schöpfen, wenn er plötzlich und [S. 162] gegen alle Erwartung dafür gestraft wird, wofür er eine herrliche Belohnung gehofft hat! Denn ich glaube, daß ein solcher nicht minder durch sein Gewissen als durch das Feuer werde gepeiniget werden, wenn er sich erinnert, daß diejenigen, welche mit ihm die gleichen Werke vollbracht, bei Christus verweilen, er hingegen für das, wofür jene unaussprechlichen Freuden genießen, die äußersten Strafen erleide und, nachdem er ein strenges Leben geführt, härter als Schwelger und Lüstlinge gezüchtiget werde.

1: Matth. 25, 41.

 

 

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Einleitung: Vom jungfräulichen Stande

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Gregor Emmenegger