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Chrysostomus († 407) - Vom jungfräulichen Stande (De virginitate)

24. Momentane Straflosigkeit darf Sündern nicht zur Beruhigung dienen, sondern bietet vielmehr Grund zur Beunruhigung.

Beruhigen wir uns also nicht, wenn wir bei zahllosen Sünden keine Strafe erleiden, wir sollen uns vielmehr deßwegen fürchten. Denn wenn wir auch hier von Gott nicht gestraft werden, so werden wir doch dort mit der Welt gezüchtiget werden. Und das ist wieder nicht meine Meinung, sondern des aus Paulus redenden Christus; denn zu denjenigen redend, welche das Heilige unwürdig genießen, spricht er: „Darum sind unter euch viele Schwache und Kranke, und entschlafen Viele. Denn wenn wir uns selbst richteten, so würden wir nicht gerichtet werden. Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir vom Herrn gezüchtigt, damit wir nicht mit dieser Welt verdammt werden.“1 Es gibt nämlich solche, welche nur hier gezüchtigt zu werden bedürfen, weil ihre Fehler gering sind, damit sie bestraft nicht wieder in ihren frühern Zustand verfallen, den Hund nachahmend, der zum Ausgespieenen wieder zurückkehrt. Es gibt sodann Andere, welche wegen des Uebermaßes ihrer Gottlosigkeit sowohl hier als dort gezüchtiget werden; Andere aber werden nur dort Strafen erdulden, weil sie [S. 189] allergrößten Frevel verübt haben und nicht werth sind, mit Menschen gezüchtigt zu werden; denn es heißt: „Und sie werden nicht mit Menschen gezüchtiget werden,“2 solche nämlich, welche aufbewahrt werden, um mit den Dämonen bestraft zu werden: denn: „Hinweg von mir“, heißt es, „in die äußerste Finsterniß, welche dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist.“3 Viele haben das Priesterthum durch Geld an sich gerissen, und sie hatten Niemand, der sie tadelte, noch hörten sie, was einst Simon Magus von Petrus gehört hat;4 aber darum sind sie der Strafe nicht entflohen, sondern sie werden eine weit schwerere, als die ihnen hier gebührende, zu leiden haben, weil sie sich nicht einmal durch das Beispiel bessern ließen. Viele haben das Nämliche, was Kore,5 gewagt, jedoch nicht dasselbe, was Kore, gelitten; später aber werden sie eine größere Strafe erleiden. Viele haben die Gottlosigkeit des Pharao nachgeahmt und sind nicht, wie jener, in’s Meer versenkt worden, aber ihrer harret das höllische Meer. Auch sind solche, welche ihre Brüder Narren nennen, noch nicht gestraft worden, denn für sie ist die Strafe dort aufbewahrt. Glaubet daher nicht, daß die Aussprüche Gottes nur Worte seien; denn deßhalb hat er auch einige zur That werden lassen, wie an Saphira,6 Charmi,7 Aaron8 und vielen Andern, damit diejenigen, welche seinen Worten den Glauben versagen, durch das Zeugniß der Thatsachen beschämt, aufhören, sich selber zu bereden, als würden sie keine Strafe zu büßen haben, und lernen, daß die Güte Gottes so weit gehe, um den Freveln Zeit zu gönnen, nicht aber, daß er jene nicht strafen werde, welche in ihren Sünden verharren.

Ich hätte noch mehr Beweise anführen können, welch’ gewaltiges Feuer sich jene bereiten, welche die Schönheit [S. 190] des jungfräulichen Standes verachten: doch den Vernünftigen genügt das Gesagte, die Widerspenstigen aber und Wahnsinnigen würde noch weit mehr als dieses nicht von ihrem Wahnsinn zu heilen vermögen. Richten wir darum von dieser Darstellung ablassend, unsere Rede nur an die Vernünftigen und kehren wir wieder zum heiligen Paulus zurück: „Was aber das betrifft“, sagt er, „worüber ihr mir geschrieben habt, so ist es dem Menschen gut, kein Weib zu berühren.“9 Es mögen sich nun Beide schämen, sowohl jene, welche die Ehe verwerfen, als auch jene, welche sie mehr als billig erheben; den Beiden legt der heilige Paulus, sowohl mit diesen, als mit den folgenden Worten Stillschweigen auf.

1: I. Kor. 11, 30—32.
2: Ps. 72, 5.
3: Matth. 25, 41.
4: Apostelgesch. 8, 20.
5: Num. 16.
6: Apostelgesch. 5, 9.
7: Jos. 7, 8 ff.
8: Num. 3.
9: Kor. 7, 1.

 

 

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Einleitung: Vom jungfräulichen Stande

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger