Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Chrysostomus († 407) - Vom jungfräulichen Stande (De virginitate)

22. Die Strafe der Knaben, welche den Elisäus verspotteten, ist ein warnendes Beispiel.

Doch wozu nenne ich Maria, da jene bei Bethlehem spielenden Knaben, die zu Elisäus das Einzige sagten: „Steige herauf, Kahlkopf,“1 Gott so sehr erzürnten, daß er sogleich Bären auf diese Schaar — denn es waren ihrer zweiundvierzig — entsendete? Und Alle ohne Ausnahme wurden dann von den Thieren zerrissen, und es nützte weder das Alter, noch die Menge, noch die bloße Scherzrede etwas, und zwar mit vollem Rechte. Denn wenn diejenigen, welche so große Anstrengungen übernehmen, sowohl Knaben als Männern zum Gespötte dienen, wer von den Schwächern wird Anstrengungen übernehmen wollen, wofür er Spott und Hohn zu gewärtigen hat? Wer aus dem Volke wird sich für die Tugend ereifern, wenn er sie so verlacht werden sieht? Denn wenn jetzt, wo sie Alle aller Orten bewundern, nicht blos diejenigen, welche sie üben, sondern selbst jene, die davon abgefallen sind, die Menge vor diesen Anstrengungen Furcht empfindet und zurückweicht; wer möchte sich ihrer Uebung gerne hingeben, wenn er sieht, daß sie nicht bloß nicht bewundert, sondern obendrein von Allen geschmäht wird? Allerdings verlangen die vorzüglich Starken und jene, welche sich schon dem Himmel zugewandt haben, den Trost der Menge nicht, sondern es genügt ihnen als größter Trost das Lob, das sie von Gott erhalten. Die Schwächern aber und jene, die erst vor Kurzem zu ihr hingeführt worden, schöpfen eine nicht geringe Kraft aus dem Beifall der Menge, bis sie von allen Seiten ge- [S. 187] rüstet allmälig dahin gelangen, daß sie dieser stützenden Führung nicht mehr bedürfen. Das geschieht aber nicht nur ihretwegen, sondern auch ob des Heiles der Spötter selbst, damit sie, weil sie für ihre frühere Kühnheit ungestraft bleiben, in der Bosheit nicht weiter gehen möchten. Während ich aber dieses erwähne, fällt mir ein, was zur Zeit des Elias geschah. Denn was die Knaben wegen Elisäus von den Bären, das haben zweimal fünfzig Männer vom Feuer gelitten, das vom Himmel fiel und sie verzehrte.2 Weil sie nämlich mit vieler Verstellung zu dem Gerechten kamen und ihm befahlen, zu ihnen herabzusteigen, so fiel an Seiner Statt Feuer vom Himmel und verzehrte sie alle, wie jene die wilden Thiere. Erwäget das nun, ihr sämmtlichen Gegner des jungfräulichen Standes, und verschließt und verriegelt doch einmal euren Mund, damit nicht auch ihr zur Zeit des Geistes beim Anblick derjenigen, die durch ihre Jungfräulichkeit glänzen, zu sprechen beginnet: „Diese sind es, die wir einst verlachten und mit schimpflichen Reden verhöhnten. Wir Thoren hielten ihr Leben für Unsinn und ihr Ende für schimpflich. Siehe, wie sie unter die Kinder Gottes gezählt sind, und ihr Loos unter den Heiligen ist. So haben wir uns also verirrt vom Wege der Wahrheit, und das Licht der Gerechtigkeit leuchtete uns nicht.“3 Doch was frommen diese Worte, da zu jener Zeit die Reue ihren Werth verloren hat?

1: IV. Kön. 2, 23—25.
2: IV. Kön. 1, 9 ff.
3: Weish. 5, 3—6.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Vom jungfräulichen Stande

Navigation
. . Mehr
. . 14. Einwürfe gegen ...
. . 15. Nicht die Ehe verm...
. . 16. Die Ehe ist nur ...
. . 17. Von der Nachsicht ...
. . 18. Nicht der jungfrä...
. . 19. Es gab für die ...
. . 20. Es ist nicht recht, ...
. . 21. Den Verächtern ...
. . 22. Die Strafe der ...
. . 23. Warum diejenigen, ...
. . 24. Momentane Straflos...
. . 25. Den Schwachen ist ...
. . 26. Derjenige, welcher ...
. . 27. Die Jungfräulichkeit ...
. . 28. Dasjenige, was ...
. . 29. Auch in den Worten ...
. . 30. Warum Paulus, wenn...
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger