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Chrysostomus († 407) - Vom jungfräulichen Stande (De virginitate)

16. Die Ehe ist nur ein Zugeständniß.

„Du aber“, sagt man, „machst etwas Schlechtes daraus.“ [S. 179] Ich mache durchaus nichts Schlechtes daraus; denn Gott hat es zugestanden, und es war seiner Zeit nützlich; aber ich nenne es gering, und eher für Kinder, als für Männer angemessen. Daher hat auch Christus, der uns vollkommen zu machen gedachte, diese gleichsam knabenhaften Gewänder, welche weder den erwachsenen Mann zu verhüllen, noch den zum Vollalter Christi1 Gelangten zu schmücken vermögen, auf die Seite zu legen, und glänzendere und vollkommnere als jene anzuziehen befohlen, wobei er mit sich nicht in Widerspruch kommt, sondern in bestem Einklange steht. Denn sind diese Vorschriften auch größer als jene, so hat doch der Gesetzgeber die nämliche Absicht. Nun was ist das für eine? Die Schlechtigkeit unserer Seele zu beschneiden und diese zur vollendeten Tugend zu führen. Hätte er also nicht Größeres als das Frühere auferlegt, sondern Alles in gleichem Stande gelassen, ohne uns je von jener Armseligkeit zu befreien: dann fürwahr befände er sich mit sich selber im Widerspruche. Gleichwie wir nämlich, hätte er im Anfang, als das Menschengeschlecht noch mehr kindisch gesinnt war, diese strenge Einrichtung getroffen, nie die mildere empfangen, sondern Ehen ob dieser Strenge unser Heil gänzlich eingebüßt haben würden: so würden wir auch, hätte er uns nach diesem langen Zeitraum und der Erziehung durch das Gesetz, obgleich die Zeit uns zu dieser himmlischen Philosophie rief, an der Erde kleben lassen, wohl keinen großen Vortheil aus dieser Nachsicht geschöpft haben, da die Vollkommenheit, um derentwillen die Nachsicht geübt ward, uns nicht zu Theil geworden wäre.

1: Ephes. 4, 13.

 

 

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Einleitung: Vom jungfräulichen Stande

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger