Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Chrysostomus († 407) - Vom jungfräulichen Stande (De virginitate)

15. Nicht die Ehe vermehret unser Geschlecht.

Aber auch jetzt hält nicht die Kraft der Ehe unser Geschlecht zusammen, sondern das Wort des Herrn, das er [S. 178] schon im Anfang gesprochen: „Wachset und mehret euch, und erfüllet die Erde.“1 Denn sage mir, was nützte sie wohl dem Abraham, um Kinder zu erhalten? Brach er nicht endlich, nachdem er sich ihrer so viele Jahre bedient, in die Worte aus: „Herr, was wirst du mir geben? Ich gehe dahin ohne Kinder.“2 Wie also Gott damals so vielen Tausenden aus erstorbenen Körpern Entstehung und Ursprung gegeben, so hätte er auch im Anfang, wenn Adam dessen Befehlen gehorchend die Lust am Baume bezähmt, wohl keine Ursache gehabt, über den Weg verlegen zu sein, um das Menschengeschlecht zu vermehren. Denn weder die Ehe vermag, wenn Gott es nicht will, die Menschen zu mehren, noch die Jungfräulichkeit, wenn Gott will, daß sie sich mehren, die Menge zu mindern. — „Aber er wollte es so,“ heißt es, „unsert- und unseres Ungehorsames wegen.“ Warum kam denn die Ehe nicht vor der Verführung zum Vorschein? Warum gab es im Paradiese keinen Beischlaf? Warum vor dem Fluch keine Geburtswehen? Weil diese Dinge überflüssig waren; später hingegen wurden wegen unserer Schwachheit sowohl sie, wie auch alles Uebrige, Städte, Gewerbe, Bekleidung und der ganze übrige Haufe unentbehrlicher Dinge nothwendig. Denn das Alles führte der Tod in seinem Gefolge herbei. Was daher deiner Schwäche verliehen worden, das ziehe dem jungfräulichen Stande nicht vor, ja setze es ihm nicht einmal gleich. Denn aus diesem Grunde könntest du am Ende auch sagen, es sei besser, zwei Weiber zu haben, als sich nur mit Einem zu begnügen, weil das durch das Gesetz Mosis erlaubt war; und so könntest du auch den Reichthum für besser halten, als die freiwillige Armuth, die Schwelgerei für besser, als die Genügsamkeit, die Beleidigung rächen für besser, als sie edelmüthig ertragen.

1: Gen. 1, 28.
2: Gen. 15, 2.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Vom jungfräulichen Stande

Navigation
. . Mehr
. . 7. Bei der Jungfrau ...
. . 8. Die Verachtung gege...
. . 9. Demjenigen, welcher ...
. . 10. Wer die Ehe verdammt, ...
. . 11. Die wahre Jungfrä...
. . 12. Der Rath des heiligen ...
. . 13. Warum die Korinther ...
. . 14. Einwürfe gegen ...
. . 15. Nicht die Ehe verm...
. . 16. Die Ehe ist nur ...
. . 17. Von der Nachsicht ...
. . 18. Nicht der jungfrä...
. . 19. Es gab für die ...
. . 20. Es ist nicht recht, ...
. . 21. Den Verächtern ...
. . 22. Die Strafe der ...
. . 23. Warum diejenigen, ...
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger