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Gerontius (geschrieben um 440) - Das Leben der heiligen Melania (Vita Melaniae)

54.

Eben um jene Zeit hatte der Teufel die Geister unerfahrener Leute verwirrt durch des Nestorius1 gottlose Lehre. Deshalb suchten viele Gattinnen von Senatoren und andere Leute unsere heilige Mutter auf und stritten mit ihr um den wahren Glauben. Da sie den Heiligen Geist im Herzen hatte, lehrte sie vom frühen Morgen bis zum späten Abend unermüdlich die göttlichen Dinge, führte viele vom Irrtum zum wahren Glauben, bestärkte die Zweifler und nützte den Besuchern insgesamt durch den gottbegeisterten Unterricht. Doch Satan, der Feind der Wahrheit, wütend, dass soviele sich an ihren Gesprächen erbauten, und voll Angst, ihr Onkel [S. 484] möchte zum Heile gelangen, verwandelte sich in einen schwarzen jungen Mann und kam zu ihr und sagte: "Wie lange noch willst du mit deinen Reden meine Hoffnung zerstören? Wisse, dass ich alles aufbiete, das Herz des Lausos und die Herzen der kaiserlichen Familie zu verhärten! Gelingt es mir aber nicht, so will ich deinen Leib mit furchtbaren Schmerzen plagen, so dass du in Lebensgefahr kommen und gerne schweigen sollst." Sie trieb ihn von dannen durch Anrufung des Namens unseres Herrn Jesu Christi. Hierauf liess sie mich holen und erzählte mir die Drohungen des Schwarzen. Noch hatte sie nicht ausgeredet, da befielen sie Schmerzen in der Hüfte; diese wuchsen sofort in einer Weise, dass sie drei Stunden der Sprache beraubt war. Nachdem wir für sie das Opfer gefeiert hatten, kam sie wieder ein wenig zu sich. Von der Stunde, da sie den Schwarzen erblickte, litt sie sechs Tage den unbeschreiblichen, immer wachsenden Schmerz. Am siebenten Tage, da man befürchten musste, sie verlasse das zeitliche Leben, kam ein Bote von ihrem Onkel mit der Meldung, er befinde sich in Gefahr, noch während der Vorbereitung auf die Taufe zu sterben.

1: Die Lehre des Nestorius von zwei Personen (nicht nur zwei Naturen) in Christus war zu Ephesus (431) verworfen worden.

 

 

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Einleitung zur Vita der Melania

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger