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Gerontius (geschrieben um 440) - Das Leben der heiligen Melania (Vita Melaniae)

49.

Während unsere heilige Mutter Melania damit beschäftigt war, ging ihr seligster Bruder - acht Jahre vor ihrem eigenen Tode1 - nachdem er den Lauf des leiblichen Lebens vollendet und den guten Kampf [S. 479] gekämpft2 hatte, freudig zu Gott, dem Herrn des Weltalls, und wurde gekrönt zum Lohne, weil er arm geworden war aus eigener Wahl und die Gebote Gottes treu befolgte. Gott selber fügte das, denn er kam ihrem guten Vorsatz entgegen, da sie noch härtere Kämpfe bestehen und ihren Wandel im Herrn noch glänzender gestalten sollte. Nachdem nun ihr Bruder im Herrn entschlafen war, blieb sie bei der Apostelkirche, die sie kurze Zeit zuvor gebaut und worin sie den Leichnam des Seligen beigesetzt hatte. Da rieb sie den Rest ihrer Kräfte gänzlich auf in nahezu vierjährigem masslosen Fasten und beständiger Trauer. Dann wurde sie vom Eifer um Gottes Ehre getrieben, für heilige Männer ein Kloster zu bauen, damit bei Tag und Nacht unablässig Psalmengesang ertöne, wo der Herr in den Himmel erhoben ward, und in der Höhle, wo der Heiland mit seinen heiligen Jüngern vom Ende der Welt gesprochen hatte. Doch einige widersetzten sich dem schönen Plan, indem sie sagten, sie könne ganz unmöglich ein so gewaltiges Werk vollenden, sie sei ja bettelarm; aber Gott, der unendlich reich ist, erfüllte den Wunsch ihrer heiligen Seele und bewog einen frommen Mann, ihr zweihundert Geldstücke zu geben. Hocherfreut nahm sie die Summe, rief den Priester, der bei ihr war und den sie Gott aus der Welt zum Opfer dargebracht hatte (das bin ich Armseliger) und sprach: "Im festen Vertrauen, dass du den Lohn für deine Mühe vom Herrn bekommen wirst in der künftigen Welt, nimm das wenige Geld und kauf' uns Steine! Dann wollen wir anfangen im Namen unseres Herrn Jesu Christi, das Männerkloster zu bauen, damit ich selber noch im Fleische den immerwährenden Gottesdienst in der Kirche schauen mag und meiner Mutter und meines Herrn Gebein Erquickung finde durch den Psalmengesang." Kaum hatte sie mit Gottes Gnade die Hand gelegt an das grosse Werk, da ward es unter Gottes Beistand, den sie stets in jeder Hinsicht erfuhr, in einem Jahre vollendet und staunend erkannten alle, wie das Werk auf himmlischen Antrieb gewachsen war. Dann führte sie heilige, gottgeliebte Männer [S. 480] hinein, die den Gottesdienst prächtig vollzogen in der Kirche der Auferstehung Christi und in der Apostelkirche, wo die Seligen bestattet sind.

1: Also 431.
2: 2Tim 4,7.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung zur Vita der Melania

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger