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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (In Matthaeum homiliae I-XC)

Achtundfünftigste Homilie. Kap. XVII, V.22 - Kap XVIII.

1.

V.22: "Während sie aber in Galiläa umherwanderten, sprach Jesus zu ihnen: Der Sohn des Menschen wird in die Hände der Menschen überliefert werden,

V.23: und sie werden ihn töten, und am, dritten Tage wird er auferstehen. Und sie wurden sehr betrübt."

Die Jünger hätten leicht sagen können: Weshalb bleiben wir dann immerfort hier? Deshalb spricht der Herr wieder von seinen Leiden. Sobald sie davon hörten, mochten sie Jerusalem nicht einmal mehr sehen. Bedenke nur, was alles vorhergegangen war: Petrus hatte einen Verweis erhalten, Moses und Elias hatten über sein Leiden gesprochen und hatten es als Verherrlichung bezeichnet, der Vater hatte vom Himmel herab geredet, große Wunder waren gewirkt worden, und die Auferstehung sollte in kürzester Zeit eintreffen1 . Allein trotz alledem konnten sie die Rede vom Leiden nicht ertragen; sie wurden betrübt, ja sogar tief betrübt. Das kam aber daher, weil sie die Tragweite seiner Worte noch nicht begriffen. Das deuten auch Markus und Lukas an, jener durch die Worte: "Sie verstanden das Gesagte nicht und fürchteten sich, ihn zu fragen"2 , dieser, indem er schreibt: "Die Rede war vor ihnen verhüllt, so dass sie dieselbe nicht verstanden; und sie scheuten sich, ihn über diese Rede zu befragen"3 . Wie konnten sie aber traurig werden, wenn sie ihn nicht verstanden? Weil sie die Rede nur teilweise nicht verstanden; denn dass er sterben werde, wußten sie; sie hatten es immer wieder von ihm gehört; was für ein Tod es aber sein werde, dass seine Dauer nur kurz sein, und dass er unendlich viel Gutes im Gefolge haben werde, das war ihnen noch nicht klar; ebensowenig konnten sie sich vorstellen, was es mit der Auferstehung für eine Bewandtnis habe. Infolgedessen also wurden sie betrübt, denn sie hingen gar sehr an ihrem Meister.

V.24: "Als sie aber nach Kapharnaum gekommen waren, traten die, welche die Doppeldrachme in Empfang nahmen, zu Petrus und sprachen: Bezahlt euer Meister nicht die Doppeldrachme?"

Was ist das für eine Doppeldrachme? Als Gott die Erstgeburt der Ägypter getötet hatte, nahm er an ihrer Statt den Stamm Levi an. Da später die Kopfzahl des Stammes niedriger war, als die der Erstgeborenen bei den Juden, ordnete er an, dass zur Ergänzung der Zahl an Stelle der Ausfallenden ein Schekel entrichtet werde. Seit jener Zeit kam es in Brauch, dass die Erstgeborenen diesen Zins zahlen mußten. Weil also Christus ein Erstgeborener war, und Petrus der oberste unter den Jüngern zu sein schien, so trat man an ihn heran. Meiner Ansicht nach wurde dieser Zins in jeder Stadt eingehoben, deshalb forderte man ihn vom Herrn auch in seiner Heimat; Kapharnaum galt ja für seine Vaterstadt. Man mochte sich jedoch nicht unmittelbar an ihn wenden, sondern lieber an Petrus; aber auch das nicht mit Zudringlichkeit, sondern in schonender Weise. Sie reden ihn nicht mit Vorwürfen an, sondern in Form einer Frage: "Zahlt euer Meister nicht die Doppeldrachme?" Ihre Meinung von Christus war nicht die richtige, denn sie hielten ihn für einen bloßen Menschen, obschon sie ihm eine gewisse Hochachtung und Ehre erwiesen wegen der Wunder, die er schon gewirkt hatte. Was antwortet nun Petrus? "Jawohl", sagt er; und damit gab er ihnen zu wissen, dass der Herr zahlen werde; ihm selbst sagte er aber nichts davon, vielleicht aus Scheu, dergleichen Dinge vor ihm zu erwähnen. In seiner Allwissenheit kommt ihm aber der Herr liebevoll entgegen mit der Frage:

V.25: "Was dünket dich, Simon? Die Könige der Erde, von wem nehmen sie Zoll oder Steuer? Von ihren eigenen Kindern oder von den fremden?

V.26: Und jener sagte: Von den fremden. Da sprach Jesus zu ihm: Also sind die eigenen Kinder frei."

Petrus sollte nicht meinen, er rede so, weil er die Worte der Steuereinnehmer gehört habe; gerade das will er ihm klar machen; deshalb kommt er ihm zuvor und macht ihm Mut, weil er nicht zuerst reden wollte. Der Sinn seiner Worte ist der: Ich bin eigentlich frei von der Entrichtung der Steuer. Wenn schon die irdischen Könige nur von ihren Untertanen, nicht von ihren eigenen Kindern Zins erheben, dann muß ich um so mehr dieser Abgabe enthoben sein, da ich ja nicht der Sohn eines irdischen, sondern des himmlischen Königs und selbst König bin. Merkst du, wie er Söhne und Nichtsöhne unterscheidet? Wäre er nicht die Sohn gewesen, so hätte er das Beispiel von den Königen umsonst angeführt. Allerdings, wendet man ein, er ist Sohn, aber kein eigentlicher. Also doch nicht Sohn. Wenn er nun nicht Sohn ist, so ist er auch nicht wirklicher Sohn, gehört nicht zum Vater, sondern ist ihm fremd; ist er ihm aber fremd, dann hat das Beispiel keine eigentliche Beweiskraft. Denn der Herr redet nicht von Söhnen im allgemeinen, sondern von Söhnen im eigentlichen Sinne, von solchen, die mit dem Vater an der königlichen Würde teilnehmen. Darum stellt er ihnen auch Fremde gegenüber. Unter Fremden versteht er hierbei jene, die nicht von ihnen gezeugt sind, unter Söhnen hingegen jene, deren eigentliche Väter sie selbst sind.

Beachte ferner, wie er auch dadurch die Offenbarung bestätigt, welche Petrus erhalten hatte. Damit noch nicht genug, er tut dasselbe auch durch seine Einwilligung in die Abgabe kund und hierin offenbarte er seine große Weisheit. Nach den obigen Worten fährt er nämlich fort:

V.27: "Damit wir sie aber nicht ärgern, gehe hin an das Meer und wirf eine Angel aus, und den ersten Fisch, der heraufkommt, nimm, und du wirst in ihm einen Stater4 finden; diesen nimm und gib ihn ihnen für mich und dich."

Siehe, wie er den Zins nicht verweigert, aber auch nicht ohne weiteres entrichten läßt, sondern vorher darauf hinweist, dass er nicht verpflichtet ist, und dann erst bezahlt. Das eine tat er, damit nicht die Jünger, das andere, damit nicht die Steuereinnehmer Ärgernis nähmen. Er entrichtet die Steuer nicht als eine Schuldigkeit, sondern aus Rücksicht auf den schwachen Glauben jener.

1: er hatte es ihnen ja mitgeteilt, dass er nicht lange tot sein, sondern nach drei Tagen auferstehen werde
2: Mk 9,31
3: Lk 9.45
4: ungefähr 2 Mark und 60 Pfennige

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger