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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (In Matthaeum homiliae I-XC)

Sechsundfünfzigste Homilie Kap. XVI, V.28-Kap. XVII, V.9.

1.

V.28: "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, es sind einige unter denen, die hier stehen, die den Tod nicht kosten werden, bis dass sie den Menschensohn in seinem Reiche kommen sehen."

Der Herr hatte bisher vieles über Gefahren und Tod, über sein eigenes Leiden und über die Tötung seiner Jünger gesprochen und ihnen die schon erwähnten strengen Weisungen gegeben; und zwar sollte das erste in diesem Leben und gar bald eintreffen, während der Lohn dafür erst erhofft und erwartet werden sollte. So hatte er zum Beispiel gesagt, dass, wer seine Seele verliert, sie gewinnen werde, dass er selbst in der Herrlichkeit des Vaters wiederkehren und dass er die Siegespreise verteilen werde. Nun wollte er ihnen zeigen, was das für eine Herrlichkeit sei, in der er wiederkommen sollte, und sie dieselbe mit eigenen Augen sehen lassen, soweit sie es nämlich zu erfassen imstande waren. Er offenbart und enthüllt ihnen dieselbe im gegenwärtigen Leben, damit sie sich weder über ihren noch über des Meisters Tod betrübten, namentlich Petrus, der voll Kummer war. Beachte also, was er tut. Erst redet er von der Hölle und vom Himmelreich, denn in den Worten: "Wer seine Seele findet, wird sie verlieren, und wer sein Leben verliert um meinetwillen, wird es gewinnen"1 , und: "Er wird vergelten einem jeglichen nach seinen Werken"2 hat er beides klargelegt; also da er über beides gesprochen hatte, läßt er sie einen Blick in das Himmelreich tun, in die Hölle aber noch nicht. Und warum das? Wären einige Stumpfsinnige darunter gewesen, so hätte er es allerdings auch tun müssen; da aber seine Zuhörer einsichtig und verständig waren, konnte er seine Unterweisung mit dem Angenehmen beginnen. Das ist aber nicht der einzige Grund hierfür; ein anderer lag darin, dass es für ihn selbst schicklicher war. Übrigens übergeht er die Strafen der Hölle nicht völlig; es gibt Stellen, wo er sie ihnen deutlich vor Augen führt, z.B. wo er das Gleichnis vom Lazarus erzählt, und wo er von dem spricht, der die hundert Denare forderte, oder von demjenigen, welcher das schmutzige Kleid anhatte, und an vielen anderen Stellen.

Kapitel XVII. V.1: "Und nach sechs Tagen nahm Jesus den Petrus und Jakobus und Johannes mit sich."

Ein an derer Evangelist schreibt: "nach acht Tagen"3 . Er steht jedoch mit unserer Stelle nicht im Widerspruche, stimmt vielmehr sehr gut damit überein, denn er zählt den Tag mit, an welchem der Herr obige Worte gesprochen hatte, und jenen, an welchem er die Apostel wieder zurückführte, während Matthäus bloß die Tage dazwischen rechnet. Beachte wohl, wie tugendhaft Matthäus ist, dass er die Namen derer nicht mit Stillschweigen übergeht, die ihm vorgezogen worden waren. Ähnlich handelt auch Johannes öfter, wenn er mit vieler Umständlichkeit die hervorragenden Lobsprüche, die Petrus zuteil wurden, verzeichnet. Denn von Neid und Eitelkeit waren alle diese heiligen Männer stets frei. Er nahm also die hervorragendsten von ihnen und führte sie auf einen hohen Berg, wo sie allein waren.

V.2:Und er ward verklärt vor ihnen und es leuchtete sein Antlitz wie die Sonne, seine Kleider aber wurden weiß wie der Schnee.

V.3:Und siehe, es erschienen ihnen Moses und Elias, die mit ihm redeten."

Warum nimmt der Herr nur diese drei mit? Weil sie sich vor den anderen besonders auszeichneten: Petrus dadurch, dass er den Herrn überaus liebte; Johannes, weil er vom Herrn überaus geliebt wurde; Jakobus wegen der Antwort, die er einmal zusammen mit seinem Bruder gab: "Wir können den Kelch trinken"4 ; freilich nicht bloß durch diese Antwort, sondern auch durch seine Taten, durch die er wahr machte, was er beteuert hatte. Den Juden erschien er nämlich so eifrig und streng, dass ihnen Herodes sogar durch seine Hinrichtung eine große Gunst zu erweisen glaubte.

Weshalb führt er sie aber nicht sofort hinauf? Damit den übrigen Jüngern nicht etwas Menschliches widerfahre. Darum nennt er auch die Namen derer nicht, die mit hinaufsteigen sollten; denn dann hätten auch die anderen sehnlich verlangt mitzugehen, um die Erscheinung jener Herrlichkeit zu sehen, und hätten sich gegrämt, als seien sie zurückgesetzt worden. Denn wenn es auch mehr eine körperliche Erscheinung war, so mußten sie doch sehr großes Verlangen haben, sie zu sehen. Warum sagt er es ihnen aber vorher? Damit sie empfänglicher würden für das Schauspiel, das er voraus angekündigt hatte, und im Verlaufe der Tage ein immer lebhafteres Verlangen darnach empfänden, so dass ihr Geist dabei wachsam und achtsam wäre. Warum aber läßt er Moses und Elias auftreten? Dafür können viele Gründe angeführt werden. Zuerst: Da manche Leute ihn für Elias, andere für Jeremias, wieder andere für einen der alten Propheten erklärt hatten, so läßt er die vornehmsten erscheinen, damit man auch hierdurch den Unterschied zwischen den Knechten und dem Herrn erkenne und einsehe, wie berechtigt die Lobpreisung Petri war, als er bekannte, er sei der Sohn Gottes. Dazu kommt ein anderer Grund. Immer wieder klagten die Juden ihn an, er übertrete das Gesetz, und hielten ihn für einen Lästerer, der sich eine Herrlichkeit anmaße, die ihm gar nicht zustehe, nämlich die Herrlichkeit des Vaters, und sagten: "Dieser Mensch ist nicht von Gott, da er den Sabbat nicht hält"5 , und:"Nicht um eines guten Werkes willen steinigen sie Dich, sondern wegen Gotteslästerung, und weil Du, wiewohl Du ein Mensch bist, Dich selber zu Gott machst"6 . Er will also beweisen, dass beide Beschuldigungen nur von der Eifersucht eingegeben, dass er in beiden Punkten unschuldig sei: dass er durch seine Handlungsweise kein Gesetz übertreten habe und dass er sich, wenn er sagte, er sei dem Vater gleich, sich durchaus nicht eine Herrlichkeit anmaße, die ihm nicht zukomme. Deshalb läßt er die Männer auftreten, welche für das eine und das andere Kronzeugen waren. Moses hatte ja das Gesetz gegeben; die Juden mußten also schließen: Hätte er so gehandelt wie sie behaupteten, so hätte es Moses nicht ruhig hinnehmen können; hätte er das Gesetz übertreten und sich damit in Gegensatz zu dem Gesetzgeber gestellt, so hätte ihnen dieser keine Ehrenbezeugung geleistet. Elias hatte für die Ehre Gottes geeifert, er wäre nicht seiner Einladung gefolgt und zu ihm gekommen, wenn er ein Widersacher Gottes gewesen wäre, wenn er sich selbst Gott genannt, sich dem Vater gleichgestellt hätte, ohne wirklich zu sein, was er vorgab, ohne mit vollem Rechte so zu handeln.

1: Mt 10,39 u.16,25; Joh 12,25
2: Mt 16,27
3: Lk 9,28
4: Mt 20,22
5: Joh 9,16
6: Joh 10,33

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger