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Chrysostomus († 407) - Briefe an Olympias und Papst Innocentius
An Olympias

Elfter Brief.

Text

Der Krankheit entronnen, die ich unterwegs zu bestehen hatte, deren Überreste ich auch mit nach Cäsarea gebracht habe, und schon wieder vollständig zur Gesundheit zurückgekehrt, schreibe ich an dich eben von Cäsarea aus. Hier ist es wieder besser mit mir geworden, Dank der sorgfältigen ärztlichen Behandlung. Ich habe nämlich hier vortreffliche und sehr berühmte Ärzte angetroffen, die mich mehr noch durch ihre Liebe und innige Theilnahme als durch ihre Geschicklichkeit kurirt haben. Einer von ihnen hat sogar versprochen, mit mir weiter zu reisen, wie auch mehrere andere von den angesehenern Beamten.

Ich schreibe dir nun recht oft, wie es mir geht, du aber schreibst selten, worüber ich mich auch früher schon beklagt habe. Und daran ist deine Nachlässigkeit schuld, nicht der Mangel an Überbringern für deine Briefe. Das magst du daraus ersehen, daß vor zwei Tagen mein Herr, der Bruder des gottseligen Bischofs Maximus, mir begegnete und auf meine Frage nach einem Briefe den Bescheid gab, Niemand habe ihm einen solchen übergeben wollen, auch selbst der Priester Tigrius habe seine deßfallige Bitte abgeschlagen. Dafür bitte ich, wollest du ihm, der mich doch so aufrichtig und herzlich liebt, einen Verweis ertheilen, wie [S. 575] auch allen Andern, die zur Umgebung des Bischofs Cyriakus gehören. Ihr sollt weder ihnen noch irgend einem Andern lästig fallen, um einen Wechsel meines Aufenthalts zu erwirken. Ich bin für ihre Liebe nicht unerkenntlich; vielleicht haben sie gewollt und nicht gekonnt.1 Ehre sei Gott für Alles! Das werde ich unaufhörlich sagen bei Allem, was nur widerfährt. Es sei so! sie haben nicht gekonnt — konnten sie auch nicht schreiben?

Sage herzlichen Dank (meinen Herrinen), den Schwestern meines hochgeschätzten Herrn Perganius, denn sie geben sich meinetwegen viele Mühe. Sie haben nämlich auch meinen Herrn, den Präfekt, mit dem er verschwägert ist, sehr günstig für mich gestimmt, so daß Dieser auch dringend wünscht, mich dort zu sehen. Du selbst aber benachrichtige mich recht oft über deine und unserer Freunde Gesundheit, und wegen meiner sei unbesorgt. Denn ich bin gesund und wohlgemuth und erhole mich recht gut bis auf den heutigen Tag. Ich wünsche zu erfahren, ob die Leute des Bischofs Cyriakus abgeschickt sind; Niemand hat mir darüber etwas Bestimmtes mitgetheilt. Auch Das laß mich wissen. Sage dem Bischof Cyriakus, daß ich ihm aus Betrübniß nicht geschrieben habe.

[S. 576]

1: „Nicht gekonnt“ nämlich die Gunst erwirken, daß ihm ein anderer und minder unangenehmer Aufenthaltsort angewiesen würde. Seine Feinde am Hofe hatten beschlossen, ihn in einem abgelegenen, sehr elenden Städtchen Klein-Armeniens, in Kukusus (vgl. die beiden folgenden Briefe) zu interniren, und seine Freunde in Konstantinopel hatten trotz aller Bemühungen daran Nichts zu ändern vermocht. Wie es scheint, glaubte sich der heilige Chrysostomus etwas von ihnen vernachlässigt. Während er sich in seinem Briefe an Olympias über diese Sache sehr schonend ausdrückt, beklagt er sich bitter in einem Briefe an Theodora. (Ep. 120 der Ausgabe von Montfoucon).

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger