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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (In Matthaeum homiliae I-XC)
Einundfünfzigste Homilie. Kap. XV, V,1-20.

5.

Sage mir doch nur einmal, würdest du es wohl wagen zu beten, wenn du Kot oder Mist in den Händen hättest? Gewiß nicht! Und doch sind das ganz unschädliche Dinge; jene Reden dagegen bringen das Verderben. Wie kann man nun in den gleichgiltigen Dingen so vorsichtig, in den verbotenen so leichtsinnig sein? Wie also, sagt mir da einer, soll man etwa nicht mehr beten? Freilich soll man beten, aber nicht, wenn man mit solchem1 Schmutz und Kot beladen ist. Wie aber, wenn ich durch andere zu Fall gebracht werde? Dann reinige dich! Wie? auf welche Art? Weine, seufze, gib Almosen, leiste dem Beleidigten Abbitte, versöhne dich mit ihm wegen dieser Dinge, reinige dein Zunge, damit du Gott nicht noch mehr erzürnest. Denn würde jemand mit Mist in den Händen deine Knie flehend umfassen, du würdest ihn nicht anhören, sondern mit dem Fuß wegstoßen, wie kannst du es also wagen, in solchem Zustand vor Gott hinzutreten? Denn bei den Betern ist die Zunge gleichsam die Hand, mit der wir Gottes Knie umfassen. Beflecke sie darum nicht, damit er nicht zu dir spreche: "Selbst wenn ihr eure Gebete vervielfältiget, werde ich euch nicht erhören"2 ,denn:"Tod und Leben sind in der Hand der Zunge"3 , und: "Nach deinen Worten wirst du gerechtfertigt, und nach deinen Worten wirst du verurteilt werden"4 . Hüte also deine Zunge mehr als deinen Augapfel. Die Zunge ist wie ein königliches Roß. Legst du ihr Zügel an und lehrest sie ebenmäßig einherschreiten, so wird der König darauf ruhen und sich darauf setzen; läßt du sie aber ohne Zaum dahinstürmen und Seitensprünge machen, so werden der Teufel und die Dämonen auf ihr reiten.

Nach einem ehelichen Verkehre mit deinem Weibe wagst du nicht zu beten, obwohl darin nichts Böses liegt; wenn du aber geschmäht oder gelästert hast, was dir die Hölle einträgt, erhebst du deine Hände, ohne dich vorher gehörig zu reinigen? Sag mir, wie ist es möglich, dass du darüber nicht zitterst? Hast du nicht gehört, was Paulus sagt? "Etwas Ehrenvolles ist die Ehe in allem und unbefleckt das Ehebett"5 . Wenn du nun vom unbefleckten Ehebette dich erhebst und es nicht wagst, sofort zu beten, wie kannst du den furchtbaren und ehrfurchtgebietenden Namen anrufen, wenn du von jenem Lager der Teufels kommst? Es ist ja doch ein Lager des Teufels, wenn man sich in Schmähungen und Lästerungen wälzt. Der Zorn verkehrt mit uns voll Wollust wie ein gottloser Ehebrecher, ergießt in uns den verderblichen Samen, erzeugt den teuflichen Haß in uns und wirkt in jeder Beziehung der Ehe entgegengesetzt. Die Ehe vereinigt ja zwei in einem Fleische; der Zorn hingegen zerreißt diejenigen, die eins waren; er spaltet und trennt selbst die Seele. Damit du also mit Zuversicht vor Gott hintreten könnest, gewähre dem Zorn keinen Zutritt, wenn er dich befällt und sich zu dir gesellen will; jage ihn wie einen tollen Hund von dir: So hat es auch Paulus befohlen mit den Worten: "Erhebend reine Hände sonder Zorn und Gezänke"6 .

Schände deshalb deine Zunge nicht; denn wie kann sie für dich bitten, wenn sie selber schuldbeladen ist? Schmücke sie vielmehr mit Sanftmut, mit Demut; mache sie Gottes würdig, den sie anruft; erfülle sie mit Lobpreisung, mit vieler Barmherzigkeit; denn man kann auch durch Worte Barmherzigkeit üben. "Ein Wort ist besser als eine Gabe"7 ,und: "Entgegne dem Armen friedlich in Sanftmut"8 . Verschönere deine ganze übrige Zeit durch Gespräche über göttliche Dinge: "All dein Gespräch sei nach den Geboten des Allerhöchsten"9 .So geschmückt wollen wir vor den König hintreten und auf die Knie sinken, nicht nur dem Leibe, sondern auch der Seele nach. Bedenken wir, vor wem wir erscheinen, und für wen und um was wir uns bemühen. Vor Gott erscheinen wir, bei dessen Anblick die Seraphim ihr Antlitz abwenden müssen, da sie den Glanz nicht ertragen können, vor dessen Anblick die Erde erbebt. Vor Gott erscheinen wir,"der in unzugänglichem Lichte wohnt"10 . Und wir erscheinen vor ihm, um Erlösung von der Hölle, um Nachlassung der Sünden zu erlangen, um befreit zu werden von jenen unsäglichen Strafen und um des Himmels und der Güte des Jenseits teilhaft zu werden.

1: geistigem
2: Jes 1,15
3: Spr 18,21
4: Mt 12,37
5: Hebr 13,4
6: 1 Tim 2,8
7: Eccl.18,16
8: ebd 4,8
9: ebd 9,33
10: 1 Tim 5,16

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger