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Theodoret von Cyrus († 466) - Mönchsgeschichte (Historia Religiosa)

8. Aphraates

Daß alle Menschen von gleicher Natur sind und daß es leicht ist, wenn man nur will, der Vollkommenheit sich zu befleißigen, mag man Grieche oder Barbar sein, läßt sich unschwer aus vielen anderen Beispielen ersehen. Es reicht aber Aphraates allein hin, dies darzutun. Denn er war unter den ganz unbändigen Persern geboren und erzogen; und obgleich solchen Eltern entsprossen und zu ihren Gewohnheiten angeleitet, schwang er sich zu einem Tugendgrade empor, daß er die, welche von Christen abstammen und von Kindheit an christliche Nahrung genossen haben, in den Schatten stellte. Zuerst verzichtete er auf seinen Adel, der sehr angesehen und glänzend war, und eilte zum Dienste des Herrn, seine Vorfahren, die Magier, nachahmend. Sodann zog er aus Abscheu gegen die Gottlosigkeit seiner Landsleute die Fremde der Heimat vor und begab sich nach Edessa, einer sehr großen und volkreichen Stadt, die besonders durch Religiosität glänzte. Dort fand er außerhalb der Mauern ein Häuschen und schloß sich darin ein, nur um die eigene Seele bekümmert. Wie ein guter Landwirt jätete er die Dornen der Leidenschaften und reinigte das Saatfeld Gottes, um dem Herrn schöne Früchte des evangelischen Samens darzubringen, Von da begab er sich nach Antiochien, das vom Sturme der Häresie schwer bedrängt war, und nahm vor der Stadt in einem Kloster Wohnung. Nachdem er einige wenige Worte Griechisch gelernt, zog er sehr viele zur Anhörung des göttlichen Wortes heran. In einem Mischbarbarisch trug er die Schmerzenskinder seiner Gedanken vor; vom Heiligen Geiste aber empfing er gewaltige Ströme der Gnade. Denn wer von denen, die sich mit [S. 82] Beredsamkeit brüsten, mit den Augen zwinkern und anmaßend sprechen und an den Schlingen der Syllogismen kindisches Gefallen finden, hat jemals jene ungelehrte und barbarische Sprache übertroffen? Beweisen setzte er Beweise entgegen; mit göttlichen Worten bekämpfte er die Worte der Philosophen, mit dem hl. Paulus ausrufend: „Wenn auch ungebildet in der Rede, aber nicht in der Erkenntnis1.” Und dieses Verfahren hielt er immer ein, gemäß den apostolischen Worten: „Niederreißend die Schlüsse und alle die Hoheit, welche sich erhebt gegen die Erkenntnis Gottes, und gefangennehmend jeden Verstand zum Gehorsam Christi2.” Und man sah zusammenströmen Leute in Amt und Würde und militärische Befehlshaber, aber auch solche, die von der Arbeit ihrer Hände lebten, kurz Ungebildete und Soldaten, Gelehrte und der Wissenschaft Unkundige, Arme und in Reichtum Glänzende, die einen in Stillschweigen zuhörend, die andern fragend und forschend und so Veranlassung zur Aussprache gebend.

So großer Mühe unterzog er sich, ohne je einen Hausgenossen anzunehmen; er wollte lieber selbst alles tun, als Dienste von andern annehmen. Und da er vor der Türe in der Hausflur die Versammlungen abhielt, öffnete er selbst den Ankommenden und gab ihnen selbst beim Weggang das Geleite. Von niemand aber nahm er je etwas an, kein Brot, kein Gemüse, kein Kleid, sondern einer nur aus seinen Vertrauten lieferte ihm das Brot. Erst in hohem Alter nahm er auch etwas Gemüse nach Sonnenuntergang zu sich. Wie erzählt wird, brachte ihm Anthemius, der später Präfekt und Konsul wurde, bei der Rückkehr von seiner Gesandtentätigkeit in Persien ein persisches Gewand mit und sprach: „O Vater, da ich weiß, daß jedem Menschen das eigene Vaterland süß ist und sehr lieblich die Früchte, die dort wachsen, habe ich dir dieses Gewand mitgebracht; ich bitte dich, es anzunehmen, mir aber dafür deinen Segen zu spenden.” Zunächst hieß er es auf die Schwelle legen, und nachdem sie noch weitere Worte gewechselt, [S. 83] versetzte er, er werde beängstigt, da seine Gedanken miteinander im Streite lägen. Da jener nach der Ursache fragte, sagte er: „Ich hatte mir vorgenommen, nur einen Hausgenossen zu haben und es mir zum Gesetze gemacht, einem zweiten ganz und gar die Gesellschaft zu versagen. Nachdem nun sechzehn Jahre einer, der mir sehr wert ist, bei mir gewohnt hat, kommt nun ein Landsmann zu mir, will bei mir wohnen und bittet um die Aufnahme. Das macht meinen Sinn zwiespältig. Zwei kann ich auf einmal nicht haben; den Landsmann begrüße ich als Landsmann, den ersten mir liebgewonnenen Freund aber fortzujagen, fällt mir schwer und halte ich für ungerecht.” Da sprach Anthemius: „Ganz billig, o Vater, denn es ist nicht recht, einen, der so lange gut gedient hat, als untauglich fortzuschicken, den aber, welcher noch keine Probe seines Betragens gegeben hat, bloß wegen der Landsmannschaft anzunehmen.” Darauf erwiderte der göttliche Aphraates: „So nehme ich denn auch dieses Gewand nicht an; denn zwei Gewänder zu haben, ist mir unerträglich. Angenehmer und besser aber ist nach meinem und deinem Urteil jenes, das so lange Zeit mir gedient hat.” Nachdem er so den Anthemius überführt und seines wundervollen Scharfsinnes ihm eine Probe gegeben, brachte er ihn dahin, kein Wort mehr über jenes Gewand zu verlieren. Ich aber habe dies erzählt, um zweierlei zu zeigen, einmal daß er nur von einem Manne die nötigen Dienste für seinen Körper empfing, sodann daß er von so großer Weisheit erfüllt war und den Perser, der um Annahme des Gewandes bat, dazu vermochte, für die Nichtannahme zu stimmen. Doch dieses verlassend, gehen wir zu Größerem über.

Als der gottverhaßte Julian die Strafe für seine Gottlosigkeit im Lande der Barbaren erlitten hatte, genossen die Anhänger der wahren Religion kurze Zeit Ruhe, da Jovian das Steuer des römischen Reiches führte. Nachdem aber auch dieser nach kurzer Regierung sein Leben beendet hatte, übernahm Valens die Regierung über den Osten, und es peitschten wieder Stürme und Unwetter unser Meer auf, und ein furchtbarer Wogendrang erhob sich, und berghohe Wellen stürmten [S. 84] von allen Seiten auf das Schiff ein. Den Sturm machte noch empfindlicher die Abwesenheit der Steuerlenker. Denn diese hielt der gegen die wahre Religion übermütig wütende Kaiser in der Verbannung. Aber solche Gesetzesverletzung tat seiner Gottlosigkeit nicht Genüge, er suchte vielmehr die Gemeinschaft aller Rechtgläubigen zu zerstreuen, gierig wie ein wildes Tier die Herde auseinander zu jagen. Darum vertrieb er sie nicht nur aus allen Kirchen, sondern auch von dem Fuße des Berges und von den Ufern des Flusses und aus der Kriegsschule. Denn zwischen diesen Plätzen hatten sie, ein Spielball der Waffengewalt, fortwährend wechseln müssen. Überdies verwüsteten die Skythen und andere Barbaren ohne Scheu ganz Thrazien vom Ister bis zur Propontis. Er aber hatte dafür, wie man zu sagen pflegt, taube Ohren und richtete seine Waffen gegen seine Landsleute und Untertanen, und zwar die, welche sich durch Frömmigkeit auszeichneten. Das Volk Gottes aber, jammernd über die schlimmen Zeiten, sang jenes Davidsche Klagelied: „An den Flüssen Babylons, da saßen wir und weinten, indem wir Sions gedachten3.” Das Übrige des Liedes paßt freilich nicht auf sie, denn nicht haben Aphraates und Flavianus und Diodorus die Harfen ihrer Lehre an die Weiden gehängt und ließen nicht sprechen: „Wie sollen wir das Lied des Herrn singen in fremdem Lande4?”, sondern auf Bergen und in Ebenen, in der Stadt und in den Vorstädten, in Häusern und auf öffentlichen Plätzen sangen sie unausgesetzt das Lied des Herrn. Denn sie hatten von David gelernt: „Des Herrn ist die Erde und ihre Fülle und der Erdkreis und alle, die ihn bewohnen5.” Und wieder hatten sie von demselben Propheten vernommen: „Preiset den Herrn, alle seine Werke, an jedem Orte seiner Herrschaft6!” Sie hatten auch den gottbegnadeten Paulus gehört, der ermahnt: „Beten sollen die Männer an jedem Orte, heilige Hände erhebend ohne Zorn und [S. 85] Zänkerei7!” Und der Herr selbst hat in der Unterredung mit der Samariterin dies noch genauer ausgesprochen: „Wahrlich sage ich dir, o Weib, es kommt die Stunde, und sie ist jetzt da, wo sie weder an diesem Orte noch in Jerusalem, sondern an allen Orten den Vater anbeten werden8.” So belehrt, hörten sie nicht auf, zu Hause und auf dem Markte oder, mit dem Apostel zu reden, „öffentlich und in den Häusern” zu predigen und wie vorzügliche Feldherrn die eigenen Leute zu waffnen und die Gegner zu treffen. Daß nun der große Flavian und der gottselige Diodor, damals Unterhirten9 und mit dem zweiten Vorsteheramte betraut, so handelten, ist unserer Bewunderung und alles Lobes wert. Gleichwohl aber handelten sie als beamtete Führer und als solche zum Kriegsdienste verpflichtet. Aber der weiseste Aphraates stürzte sich freiwillig in die Kämpfe. Obgleich er in der Ruhe aufgewachsen war und das einsame Leben sich erwählt hatte und, wie man zu sagen pflegt, außer Schußweite saß, dachte er, da er die Heftigkeit des Kampfes gewahrte, nicht an die eigene Sicherheit, sondern zeitweilig der Ruhe Lebewohl sagend ward er zum Vorkämpfer der rechtgläubigen Kriegsschar, niederwerfend durch sein Leben, sein Wort, seine Wunder, niemals aber niedergeworfen. Einst sah ihn der ganz unverständige Kaiser in die Kriegsschule gehen (denn dort versammelten sich damals die Verehrer der Dreifaltigkeit). Jemand hatte den Kaiser, der eben aus dem Palaste hervorguckte, auf den am Flußufer entlang gehenden Mann hingewiesen. Und er fragte ihn, wohin er so eilig gehe. Dieser antwortete, daß er für den Erdkreis und das Reich beten gehe. Da fragte der Kaiser weiter: „Warum verläßt du die Ruhe und wandelst so frei auf dem Marktplatz, der du doch das einsame Leben ergriffen hast?” Er aber sprach nach dem Beispiele des Herrn, der in Parabeln zu lehren pflegte: „Sage mir, o Kaiser, wenn ich eine Jungfrau [S. 86] wäre und in einem Gemache verborgen, sähe aber einen Menschen Feuer an das väterliche Haus anlegen, was würdest du mir angesichts der lodernden Flamme und des brennenden Hauses anraten? Drinnen zu bleiben und zuzuschauen, wie das Haus ein Raub der Flammen werde? Aber so würde ich selbst eine Beute des Feuers. Wenn du aber sagst, da müsse man laufen und Wasser holen, auf und ab springen und die Flamme löschen, so tadle mich nicht, wenn ich eben dieses tue. Denn was du der im Gemache eingeschlossenen Jungfrau rietest, das muß ich tun, obgleich ich das Einsiedlerleben ergriffen habe. Wenn du mich aber tadelst, daß ich die Einsamkeit verlassen habe, so tadle dich, der du das Feuer in das Haus Gottes geworfen hast, nicht mich, der ich zu löschen gezwungen werde. Denn daß man dem väterlichen Hause, wenn es in Brand steht, zu Hilfe kommen muß, hast auch du zugegeben. Es ist aber jedem, auch wenn er in göttlichen Dingen ganz unwissend ist, klar, daß Gott uns näher steht als die irdischen Väter. Darum liegt es unserer Aufgabe nicht fern und widerspricht nicht unserem ursprünglichen Entschlusse, wenn wir, o Kaiser, die Anhänger des wahren Glaubens versammeln und weiden und die göttliche Speise ihnen vorlegen.” Dem Gesagten stimmte der Kaiser zu, besiegt durch die Gerechtigkeit der Verteidigung.

Ein Mensch aus der Reihe derer, die weder zu den Männern noch zu den Weibern zählen, denen die Möglichkeit genommen ist, je Vater zu werden und darum für treue Diener des Kaisers gelten, woher sie auch den Namen10 haben, dieser hatte schon lange den Mann Gottes beschimpft und ihm sogar den Tod angedroht; aber es dauerte nicht lange, und er büßte seine Frechheit. Als der Kaiser nämlich durch ein Bad seinen Körper erfrischen wollte, ging der Elende voraus, um die Badewanne zu prüfen, ob sie die rechte Temperatur hätte. Wie geistesgelähmt sprang er in die Wanne, die siedendes Wasser enthielt; und da niemand dabei war (denn allein sollte er nachsehen, ob es in Ordnung sei), verbrühte er und kam um. Da unterdessen einige [S. 87] Zeit vergangen war, schickte der Kaiser einen andern, der jenen rufen sollte. Da er ihn aber in keiner der Zellen fand, berichtete er dem Kaiser. Daraufhin gingen mehrere hinein und untersuchten alle Wannen; und als sie schließlich zu jener kamen, sahen sie ihn hineingestürzt und des Lebens beraubt. Es entstand große Aufregung, und alle jammerten; die einen schöpften das heiße Wasser aus, die andern zogen den unseligen Leichnam heraus. Da befiel Schrecken den Kaiser und alle, die den wahren Glauben bekämpften. Durch die ganze Stadt ging die Kunde von der Strafe, womit jener Elende für sein Wüten gegen Aphraates büßte; und alle priesen einmütig den Gott des Aphraates. Dies vereitelte den Plan der Gegner, den Mann Gottes in die Verbannung zu schicken. Erschreckt wies der Kaiser die Ratgeber, welche solches verlangten, ab und hatte Ehrfurcht vor dem Manne. Hatte er doch seine Tugend auch von anderer Seite kennen gelernt.

Ein edelrassiges Pferd, zum Reiten wohl dressiert, war des Kaisers Liebling. Diesem stieß eine Krankheit zu, die den Kaiser sehr betrübte. Sie bestand in der Schwierigkeit, das Wasser zu lassen. Zu ihrer Heilung wurden die in dieser Kunst Geübten herbeigerufen. Da aber ihr Können versagte, wurde der Kaiser mißmutig, und es jammerte der mit der Sorge für die Pferde Betraute. Dieser war gottesfürchtig und besaß einen starken Glauben. So machte er sich zur Mittagszeit mit dem Pferde zur Wohnung des großen Aphraates auf, erklärte ihm das Leiden, offenbarte ihm auch seinen Glauben und bat ihn, durch sein Gebet die Krankheit zu heilen. Ohne Zögern flehte dieser sogleich zu Gott, befahl Wasser aus dem Brunnen zu holen, machte das Zeichen des heilsamen Kreuzes darüber und ließ es dem Pferde vorhalten. Dieses trank gegen seine Gewohnheit. Sodann segnete er durch die Anrufung Gottes Öl, bestrich damit den Bauch des Pferdes, und durch die Berührung seiner Hand wurde auf der Stelle das Leiden behoben, und sofort fand die Ausscheidung naturgemäß statt. Freudig eilte der Mann mit dem Pferde dem Stalle zu. Am späten Abend aber pflegte der Kaiser den Marstall zu besuchen, und so kam er und fragte, wie es mit dem [S. 88] Pferde stehe. Der Wärter konnte mitteilen, daß es gesund sei, und führte das Pferd heraus. Als der Kaiser es gesund und munter, wiehernd und den Nacken stolz erhebend fand, fragte er nach der Ursache der Heilung. Da jener lange mit der Antwort zögerte (denn er scheute sich, den Arzt anzugeben, da der, nach dem er fragte, ihm verhaßt war), wurde er endlich genötigt, die Wahrheit zu sagen und teilte ihm die Art der Heilung mit. Der Kaiser war verblüfft und gestand, daß der Mann bewunderungswürdig sei. Aber dennoch ließ er nicht von seinem alten Wahn, sondern fuhr fort, gegen den Eingebornen zu wüten, bis er eine Beute des Feuers im Barbarenlande wurde. Nicht einmal die Ehre eines Grabes ward ihm zuteil, wie sie doch Dienern und Bettlern vergönnt ist. Aber der göttliche Aphraates bewies auch in jenem Sturme die ihm eigene Mannhaftigkeit; und auch als Ruhe eingetreten war, tat er ebenso bis zu seinem Ende. Noch unzählige andere Wunder verrichtete er, von denen ich nur eines oder zwei erzählen will.

Eine Frau aus vornehmem Geschlechte zog das Joch der Ehe mit einem ausschweifenden Gatten. Diese kam zu dem seligen Manne und bejammerte ihr Unglück. Sie sagte, ihr Gemahl hinge einem Kebsweibe an, sei durch einen Zauber behext und sei gegen sie, die durch das Gesetz der Ehe mit ihm verbunden wäre, feindselig gesinnt. Dies erzählte die Frau, während sie vor der Türe im Vorhof stand; so pflegte er mit Frauen sich zu unterreden. Zur Türe hinein ließ er niemals ein Weib. Da hatte er Mitleid mit der wehklagenden Gattin und hob durch Gebet die Wirksamkeit des Zaubers auf. Er segnete ein Ölfläschchen, das sie mitgebracht hatte, durch Anrufung Gottes und hieß sie, sich damit zu salben. Nachdem sie den Auftrag erfüllt, zog sie die Liebe ihres Ehegenossen wieder auf sich und bewog ihn, dem sündhaften Lager das rechtmäßige vorzuziehen. Es wird auch erzählt, daß einst Heuschrecken plötzlich das Land überfielen und wie ein Feuer alles verzehrten: Saaten und Bäume und Sümpfe und Wälder und Wiesen. Da kam ein gottesfürchtiger Mann zu ihm und bat ihn, ihm doch zu helfen, da er nur einen Acker besitze, aus dem [S. 89] er sich, Frau und Kinder und Diener ernähre und noch die kaiserlichen Steuern entrichten müsse. Wieder die Menschenfreundlichkeit des Herrn nachahmend, ließ er eine Kanne Wasser sich herbeibringen. Als der Bittsteller sie gebracht, legte er seine Hand darauf und flehte zu Gott, das Wasser mit göttlicher Kraft zu erfüllen. Nach Beendigung des Gebetes trug er dem Manne auf, die Grenzen seines Ackers mit dem Wasser zu besprengen. Der tat, wie befohlen, und es wurde seinen Äckern zum undurchdringlichen und unverletzlichen Wall. Wenn die Heuschrecken nämlich bis zu jenen Grenzen herankrochen und nach Art von Heerhaufen umherschwirrten, wichen sie wieder zurück, scheuten den darauf erflehten Segen, und wie von einem Zügel gehalten, konnten sie nicht vorwärts dringen.

Doch was soll ich alles erzählen, was von jener gottseligen Seele vollbracht worden ist? Das Gesagte ist genug, den Glanz der ihm innewohnenden Gnade zu offenbaren. Auch ich durfte ihn sehen und hatte das Glück, von seiner heiligen Rechten den Segen zu empfangen, als ich, noch ein Knabe, mit meiner Mutter ihn besuchte. Sie würdigte er gemäß seiner Gewohnheit von der geöffneten Türe aus der Unterredung und des Segens. Mich aber ließ er hinein und schenkte mir den Reichtum seines Gebetes. Möge mir dieses auch jetzt zuteil werden, da er, wie ich sicher glaube, lebt und mit den englischen Chören verkehrt und noch mehr Macht bei Gott hat als ehedem. Denn damals war sie nach dem sterblichen Körper bemessen, damit eine allzu große Macht nicht Veranlassung zum Stolze werde. Jetzt aber, da er die Last der Leidenschaften abgelegt hat, kann der siegreiche Kämpfer mit aller Zuversicht zum Preisrichter hinzutreten. Deshalb bitte ich, seiner Fürsprache teilhaftig zu werden.

1: 2 Kor. 11, 6.
2: Ebd. [2 Kor.] 10, 4. 5.
3: Ps. 136, 1 [hebr. Ps. 137, 1].
4: Ebd. [Ps.] 136, 4 [hebr. Ps. 137, 4].
5: Ebd. [Ps.] 23, 1 [hebr. Ps. 24, 1].
6: Ebd. [Ps.] 102, 22 [hebr. Ps. 103, 22].
7: 1 Tim. 2, 8.
8: Joh. 4, 21. 23.
9: Der Bischof Meletius lebte in der Verbannung. Hierüber vgl. Theodoret, Hist. eccl. IV, 22. 32 (Migne, PG. 82, 1184 bis 1188).
10: εὔνοοι [eunooi] wohl spottweise für εὐνοῦχοι [eunouchoi].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger