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Theodoret von Cyrus († 466) - Mönchsgeschichte (Historia Religiosa)

19. Salamanes

Ich hielte es für einen Verstoß gegen die Tugend, wenn ich das Leben des wunderbaren Salamanes den Leuten, die es kennen möchten, vorenthielte und in die Vergessenheit versinken ließe. Darum will ich einen kurzen Bericht darüber erstatten.

Westlich am Euphrat, unmittelbar am Ufer, liegt ein Dorf, Kapersana genannt. Diesem entstammte Salamanes. Er erwählte das beschauliche Leben. Im jenseitigen Dorfe fand er ein Häuschen ohne Türe und Fenster, und hier schloß er sich ein. Einmal des Jahres grub er daneben das Land um und verschaffte sich so für das ganze Jahr die Nahrung. Er sprach nie mit einem Menschen. Diese Lebensweise führte er nicht kurze Zeit, sondern sehr lange. Der Bischof der Stadt, zu der das Dorf gehörte, lernte die Tugend des Mannes kennen und kam herbei, ihn mit der Priesterweihe zu begnaden. Er ließ eine Öffnung in das Häuschen brechen, trat ein, legte ihm die Hände auf, sprach die Gebete, redete längere Zeit zu ihm und verkündete die ihm gewordene Gnade. Da dieser aber kein Wort sprach, entfernte er sich und ließ die gemachte Öffnung wieder verschließen. Ein andermal kamen die Bewohner seines Geburtsortes des Nachts über den Fluß, brachen seine Wohnung auf, ergriffen ihn und trugen ihn, der sich weder widersetzte noch zustimmte, in ihr Dorf. Frühmorgens bauten sie eine ähnliche Zelle und schlossen ihn darin ein. Auch hier schwieg er in gleicher Weise und sprach mit niemanden ein Wort. Nach einigen Tagen aber kamen umgekehrt die Bewohner des jenseitigen Dorfes, ebenfalls zur Nachtzeit, brachen das Häuschen hier auf und führten ihn wieder zu sich zurück. Auch da kein Widerspruch. Er äußerte nicht den Willen zu bleiben noch Freude über die Rückkehr.

So war er ganz dem Leben abgestorben und konnte in Wahrheit die apostolischen Worte sprechen: „Ich bin mit Christus gekreuzigt, ich lebe, aber nicht mehr ich, sondern es lebt Christus in mir. Was ich aber jetzt im [S. 129] Fleische lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat1.” So war auch dieser gesinnt. Das reicht aber hin, seine ganze Lebensrichtung klar zu legen. Ich aber gehe mit seinem Segen zu anderen Erzählungen über.

1: Gal. 2, 19―21.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger