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Theodoret von Cyrus († 466) - Mönchsgeschichte (Historia Religiosa)

13. Makedonius

Den Makedonius, mit dem Beinamen Kritophagus (Gerstenesser) ― so wurde er wegen der Nahrung genannt, die er genoß ―, kennen alle, Phöniker, Syrer, Kiliker. Es kennen ihn auch deren nähere und entferntere Nachbarn, die einen als Augenzeugen der Wunder des Mannes, die andern vom Hörensagen, da das Gerücht sie überall besingt und preist. Und doch wissen nicht alle alles, sondern die einen haben dies, die andern jenes erfahren. Und nur was man kennt, bewundert man. Ich aber, der ich über dieses göttliche Haupt genauer unterrichtet bin als die Menge ― denn vieles bewog mich, ihn aufzusuchen und zu bewundern ―, werde so gut ich kann jedes einzelne berichten. Ich habe diese Folge eingehalten und seine Geschichte erst nach vielen anderen gebracht, nicht weil er geringer an Tugend war als die anderen ― denn er wetteiferte mit den eifrigsten und ersten ―, sondern weil er sehr lange lebte und nach jenen, die ich beschrieben habe, aus dem Leben schied.

Dieser also hatte seinen Kampfplatz und seine Rennbahn auf den Gipfeln der Berge, ließ sich aber nicht [S. 107] fest an einem Orte nieder, sondern bewohnte bald diesen Berg, bald siedelte er nach jener Höhe über. Das tat er nicht aus Mißfallen an den Örtlichkeiten, sondern um den Massen der ihn Besuchenden und von allen Seiten Herbeiströmenden zu entfliehen.

Diese Lebensweise übte er volle fünfundvierzig Jahre, weder ein Zelt noch eine Hütte sich gönnend, sondern in tiefer Grube hausend, weshalb manche ihm den Zunamen Guban gaben, welches Wort im Syrischen Grube bedeutet. Nach dieser Zeit, als er ins Greisenalter eingetreten war, gab er Bittenden nach und baute sich eine Hütte. Und da später seine Freunde in ihn drangen, nahm er auch in kleinen Häusern Wohnung, freilich nicht eigenen, sondern fremden. Fünfundzwanzig Jahre verlebte er noch in der Hütte und in den kleinen Häusern, so daß die Zeit seiner Kämpfe zusammen sich auf siebzig Jahre beläuft.

Als Speise dienten ihm nicht Brot oder Hülsenfrüchte, sondern gequetschte Gerste, nur in Wasser eingeweicht. Diese Nahrung besorgte ihm lange Zeit meine Mutter, die mit ihm bekannt geworden war. Und als er sie einst in einer Krankheit besuchte und erfuhr, daß sie sich nicht bereden lasse, der Krankheit entsprechende Speise zu nehmen (denn auch sie hatte das aszetische Leben erwählt), ermahnte er sie, den Ärzten zu gehorchen und solche Speise als Arznei zu betrachten, denn nicht wegen der Lust, sondern wegen des Bedürfnisses werde sie geboten. „Denn auch ich”, sagte er, „habe, wie du weißt, vierzig Jahre lang nur Gerste genossen. Als mich aber gestern ein Unwohlsein befiel, hieß ich meinen Hausgenossen etwas Brot betteln und es mir bringen. Denn es kam mir der Gedanke, daß ich, wenn ich stürbe, vor dem gerechten Richter würde Rechenschaft wegen meines Todes ablegen müssen, da ich den Kampf geflohen und den Mühen des Dienstes mich entzogen hätte. Denn da es möglich war, durch ein wenig Speise den Tod abzuwenden und in diesem Leben in Arbeit und Mühsal zu bleiben und damit Reichtümer zu sammeln, hätte ich den Hungertod dem Leben in der Aszese vorgezogen. Darüber von Furcht befallen und [S. 108] solche Gewissensnöte zu bannen, ließ ich das Brot betteln und genoß es, sobald es mir gebracht worden. Und darum trage ich dir auf, mir keine Gerste mehr, sondern Brot zu bringen.” Aus seinem wahrhaftigen Munde haben wir also gehört, daß er vierzig Jahre Gerste als Nahrung genoß. Die mühsame Aszese des Mannes mag das Gesagte hinlänglich dargetan haben. Die Reife und Einfachheit seiner Sitten wollen wir durch andere Belege zeigen.

Als der große Flavian die große Herde Gottes zu weiden bestellt war und er die Tugend des Mannes kannte (denn er wurde gefeiert und war in aller Munde), ließ er ihn vom Gipfel des Berges wegführen, als ob eine Anklage gegen ihn vorläge. Während die heilige Liturgie gefeiert wurde, führte er ihn zum Altare und reihte ihn in die Zahl der Priester ein. Als die heilige Handlung vollendet war und ihm einer dieses mitteilte ― denn er wußte gar nicht, was geschehen war ―, zankte er zunächst und fuhr alle mit harten Worten an. Dann aber ergriff er seinen Stab, auf den er wegen des hohen Alters sich stützen mußte, und bedrohte den Hohenpriester selbst und alle, welche zugegen waren. Er meinte nämlich, die Priesterweihe entziehe ihn dem Gipfel des Berges und der geliebten Lebensweise. Und nur schwer vermochten einige seiner Vertrauten den Grollenden zu beschwichtigen. Nach Ablauf der Woche, als wieder der Festtag des Herrn gekommen war, sandte der große Flavian abermals nach ihm, daß er mit ihnen an der Festfeier teilnehme. Er aber sagte zu denen, die ihn holen wollten: „Ist es euch nicht genug, was geschehen ist, wollt ihr mich wieder zum Priester weihen?” Diese antworteten, es sei nicht möglich, zweimal dieselbe Weihe zu empfangen. Aber er ließ sich nicht überreden und kam nicht, bis ihn die Zeit und seine Vertrauten wiederholt darüber aufgeklärt. Ich weiß, daß manche der Meinung sein werden, das sei keine bewunderungswürdige Geschichte. Ich habe es aber als sehr erwähnungswert erzählt, weil ich es für einen klaren Beweis der Einfalt und Reinheit seiner Seele erachte. Denn solchen hat der Herr das Himmelreich versprochen. „Wahrlich, ich sage euch,” so sprach er, „wenn ihr euch [S. 109] nicht bekehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht eingehen ins Himmelreich1.”

Nachdem wir so in Kürze den Charakter seiner Seele gekennzeichnet haben, laßt uns nun die Macht kund geben, die er durch seine Tugend besaß. Ein Krieger, der an der Jagd Freude hatte, kam auf den Berg, zu jagen. Es folgten ihm Hunde, Soldaten und alles für das Weidwerk Nötige. Als er von ferne den Mann erblickte und von den Begleitern erfuhr, wer er sei, sprang er sogleich vom Pferde, ging auf ihn zu, redete ihn an und fragte, was er denn da treibe. Er aber antwortete: „Wozu bist denn du hier heraufgestiegen?” Als der Krieger erklärte, er wolle jagen, sagte jener: „Auch ich jage, nach meinem Gott und strebe, ihn zu erreichen, und sehne mich, ihn zu schauen, und von dieser schönen Jagd werde ich nicht ablassen.” Als dies der Krieger hörte, zog er voll Bewunderung von dannen. Ein andermal, als die Stadt, von einem bösen Dämon aufgereizt, in ihrem Wahnsinn gegen die kaiserlichen Bildsäulen gewütet, kamen die obersten Kriegsbefehlshaber und sprachen das Vernichtungsurteil über die Stadt aus. Er aber stieg vom Berge herab und hielt die beiden Feldherrn am Forum an. Als sie erfuhren, wer er sei, sprangen sie von den Pferden, faßten seine Hände und Knie und begrüßten ihn. Er aber sagte, sie möchten dem Kaiser vorstellen, daß er ein Mensch sei und dieselbe Natur habe wie die, welche gefrevelt hätten. Den Zorn müsse man nach der Natur bemessen, sein Groll gehe über das Maß. Seiner eigenen Standbilder wegen wolle er Gottes Ebenbilder hinschlachten und für eherne Bildsäulen überliefere er die Leiber von Menschen dem Tode. „Und uns”, sagte er, „ist es gar leicht, die ehernen Bildsäulen wieder herzustellen und umzuformen, dir aber, wenn du auch Kaiser bist, ist es unmöglich, hingeschlachtete Leiber wieder ins Leben zurückzurufen. Aber was sage ich: Leiber? Nicht einmal ein Haar kannst du wieder herstellen.” Dieses redete er in syrischer Sprache. Ein Dolmetsch übertrug es ins Griechische, und sie hörten erschreckt zu und versprachen, es dem Kaiser zu [S. 110] übermitteln. Ich aber glaube, alle werden eingestehen, daß dies Worte der Gnade des Heiligen Geistes sind. Denn wie hätte ein Mann so sprechen können, der jeder Bildung entbehrte, im ländlichen Leben erzogen, auf dem Gipfel der Berge wohnend, durch Einfalt der Seele ausgezeichnet und nicht einmal im göttlichen Worte bewandert? Nachdem wir also seine geistige Weisheit und den dem Gerechten geziemenden Freimut gezeigt haben (denn der Gerechte hat Mut wie ein Löwe2), gehen wir zu seinen Wundern über.

Die Frau eines reichen Mannes verfiel der Eßwut, einem Übel, welches die einen für das Werk des Teufels, andere für eine körperliche Krankheit hielten. Mag sie nun dieses oder jenes gewesen sein, es verhielt sich so. Dreißig Hühner soll sie täglich verzehrt haben. Damit war aber ihr Hunger nicht gestillt, sie begehrte noch weitere. Da so das Vermögen für sie verbraucht war, erbarmten sich die Angehörigen und wandten sich an jenen göttlichen Mann. Er kam und betete, hielt die Rechte über Wasser, machte das Zeichen des Heils über dasselbe und hieß sie es trinken: und das Leiden war geheilt. Und zu dem Grade stillte er das Übermaß der Begierde, daß fürderhin ein kleiner Teil eines Huhnes jeden Tag ihrem Nahrungsbedürfnis genügte. So wurde dieses Leiden geheilt.

Der Vater eines Mädchens, das noch in dem Frauengemach gehalten wurde und plötzlich die Einwirkung eines bösen Dämons erfahren hatte, kam zu dem Manne Gottes, flehend und jammernd, und bat um die Heilung des Töchterchens. Dieser betete und befahl dem Teufel, sogleich das Mädchen zu verlassen. Der sagte aber, er sei nicht freiwillig eingefahren, sondern durch magischen Zauber gezwungen. Er nannte auch den Namen dessen, der ihn gezwungen hatte, und Liebe sei die Ursache des Zaubers. Als aber der Vater dies hörte, konnte er einem Zornanfall nicht widerstehen, wartete die Heilung des Kindes nicht ab, sondern ging zum obersten Befehlshaber, der mehreren Völkerschaften vorstand, erhob Klage wider den Menschen und setzte seine Sache [S. 111] auseinander. Vorgeführt, leugnete jener und bezeichnete die Anklage als Verleumdung. Als Zeugen gab er keinen andern als den Teufel selbst an, der bei der Beschwörung behilflich gewesen sei, und ersuchte den Richter, zu dem Manne Gottes sich zu begeben und das Zeugnis des bösen Geistes zu vernehmen. Da dieser bemerkte, es sei ungesetzlich und nicht recht, daß in einer Einsiedlerniederlassung eine richterliche Untersuchung vorgenommen werde, versprach der Vater des Mädchens, den göttlichen Makedonius in den Gerichtssaal zu führen. Er eilte zu ihm, überredete ihn und brachte ihn her. Der Richter aber, fern dem Richtertische sitzend, war nicht mehr Richter, sondern Zuschauer. Die Rolle des Richters übernahm der große Makedonius, der gemäß der ihm innewohnenden Kraft dem Dämon befahl, seine gewohnte Lüge zu lassen und wahrheitsgetreu die ganze Tragödie der Begebenheit darzulegen. Dieser, von gewaltigstem Zwange gedrängt, gab den Mann an, der durch seine Zaubersprüche ihm Gewalt angetan hatte, und die Dienerin, durch welche der Mischtrank dem Mädchen dargeboten worden war. Als er noch weitere Untaten zu erzählen sich anschickte, die er in Nötigung durch andere Bösewichte verübt, wie er dem einen das Haus angezündet, dem andern das Vieh vernichtet, andern sonstigen Schaden zugefügt habe, befahl ihm der Mann Gottes zu schweigen und auf der Stelle weit von dem Mädchen und von der Stadt sich zu entfernen. Wie dem Befehle des Herrn gehorchend, tat er das Befohlene und floh sogleich. So befreite der Mann Gottes das Mädchen von der Tobsucht, jenen Unglücklichen entzog er der Anklage und verhinderte ein Todesurteil des Richters, indem er sagte, es sei nicht recht, daß einer, der durch seine Beweishilfe überführt sei, den Tod erleide, es müsse ihm vielmehr bei Reuegesinnung Verzeihung gewährt werden. Das reichte hin, um die Größe der ihm verliehenen göttlichen Kraft darzutun. Doch will ich noch anderes erzählen.

Eine vornehme und sehr reiche Frau namens Astrion verlor den Verstand, kannte niemand von ihren Angehörigen mehr und verschmähte es, Speise und Trank zu nehmen. Lange Zeit dauerte dieses Irresein, das die [S. 112] einen dem Einflusse des Teufels zuschrieben, die Ärzte aber eine Gehirnerkrankung nannten. Nachdem alle Kunst verschwendet war und ihr von dieser Seite keine Hilfe geworden, eilte ihr Gatte, Avodianus, ein Mann von Amt und Würde, zu dem göttlichen Haupte, setzte ihm das Leiden seiner Ehegenossin auseinander und flehte ihn um Hilfe an. Der gottselige Mann ließ sich bewegen, kam in das Haus und richtete dringliche Bitten an Gott. Als er das Gebet vollendet hatte, ließ er Wasser bringen, machte das Zeichen des Heils darüber und hieß sie trinken. Als die Ärzte abrieten, da durch den kalten Trunk das Leiden sich verstärken würde, wies der Mann ihre ganze Zunft aus dem Hause und gab der Frau von dem Wasser. Kaum hatte sie getrunken, so kam sie wieder zu sich und wurde verständig und war gänzlich von dem Leiden befreit. Sie erkannte den Mann Gottes, bat ihn, seine Hand fassen zu dürfen, legte sie auf ihre Augen und brachte sie an ihren Mund. Und in der Folgezeit blieb sie so dauernd bei gesundem Verstande.

Nachdem er das Leben auf den Bergen erwählt, kam einst ein Hirte, der seine verirrten Schafe suchte, an den Ort, wo der Mann Gottes weilte. Es war tiefe Nacht, und viel Schnee war gefallen. Da sah er, wie er erzählte, ein Feuer um den Einsiedler angezündet und zwei Männer in weißen Kleidern dabei, welche Brennholz ins Feuer legten. So durfte er sich zum Lohne für sein Tugendstreben des göttlichen Schutzes erfreuen.

Er besaß auch die Prophetengabe. Einst kam zu ihm ein höherer Kriegsmann, durch Frömmigkeit hervorleuchtend ― wer kennt nicht die Tugend des Lupikinus? ―, und sagte, er sei in Sorge wegen einiger Leute, die ihm aus der Kaiserstadt zur See die nötigen Vorräte bringen sollten. Fünfzig Tage, erklärte er, seien verflossen, seitdem sie den Hafen verlassen, und noch habe er keine Nachricht von ihnen empfangen. Er aber erwiderte ohne Verzug: „Das eine Fahrzeug, mein Lieber, ist untergegangen, das andere wird am folgenden Tage im Hafen von Seleukia einlaufen.” Diese Worte vernahm er von jener göttlichen Zunge. Die Erfahrung belehrte ihn über die Wahrheit der Prophezeiung.

[S. 113] Um anderes zu übergehen, will ich ein Begebnis erzählen, das uns angeht. Dreizehn Jahre hatte meine Mutter mit meinem Vater zusammengelebt, ohne Kindersegens sich zu erfreuen. Denn sie war unfruchtbar, die Natur hatte ihr die Befähigung für Nachkommenschaft versagt. Die Mutter trug es mit Gelassenheit. Denn, unterrichtet in den göttlichen Dingen, beschied sie sich in dem Gedanken, es sei eine Fügung zu ihrem Heile. Schwer aber litt der Vater unter der Kinderlosigkeit. Er irrte bei allen Gottesdienern umher und rief sie an, ihm von Gott Kinder zu erflehen. Alle versprachen, daß sie beten würden, und ermahnten ihn, dem Willen Gottes sich zu unterwerfen. Der Mann Gottes aber sagte bestimmt zu und versicherte, daß der Vater einen Sohn vom Schöpfer aller Dinge erhalten werde. Als nach Verlauf von drei Jahren die Verheißung sich nicht erfüllt hatte, eilte der Vater wieder zu ihm hin und begehrte das Verheißene. Jener befahl ihm, die Ehegenossin zu schicken. Und als die Mutter zu ihm kam, sagte ihr der Mann Gottes, er werde beten, und sie werde ein Knäblein bekommen, aber es gezieme sich, daß das Kind dem Geber zurückerstattet werde. Da nun die Mutter nur um das Heil der Seele und um Abwendung der Hölle flehte, sagte er: „Der großmütige Geber wird dazu auch noch den Sohn schenken. Denn aufrichtigen Betern gewährt er doppelt ihre Bitten!” Von dort kehrte die Mutter zurück und nahm den Segen der Verheißung mit sich. Und vier Jahre nach der Verheißung empfängt sie und fühlt Mutterglück. Sie eilt zum Manne Gottes und zeigt ihm die Garben, die dem Samen seines Segens erwachsen. Im fünften Monate der Schwangerschaft trat die Gefahr einer Fehlgeburt ein. Sie sandte wieder zu ihrem neuen Elisäus ― denn ihr Leiden hinderte sie, selbst zu gehen ― und erinnerte ihn daran, daß sie gar nicht verlangt habe, Mutter zu werden, und gemahnte ihn an sein Versprechen. Er aber sah den Boten von weitem kommen und wußte, wer er sei, und konnte ihm auch die Ursache seines Kommens sagen. Denn in der Nacht hatte ihm der Herr das Leiden und die Heilung geoffenbart. Er ergriff denn einen Stab, auf den gestützt er ankam. Und nachdem er das [S. 114] Haus betreten, wünschte er nach seiner Gewohnheit den Frieden und sprach: „Sei guten Mutes und fürchte dich nicht, denn das Geschenk wird der, welcher es gegeben hat, dir nicht nehmen, wenn nicht du den eingegangenen Vertrag brichst. Du hast versprochen, dem Geber die Gabe zurückzuerstatten und sie dem göttlichen Dienst zu weihen.” „In diesem Sinne”, sagte die Mutter, „wünsche und flehe ich zu gebären. Denn lieber will ich eine Fehlgeburt als eine andere Erziehung des Knäbleins.” „Trinke also”, sagte der Mann Gottes, „dieses Wasser, und du wirst die göttliche Hilfe erfahren.” Sie trank also, wie er befohlen, und die Gefahr einer Fehlgeburt war geschwunden. So groß waren die Wunder unseres Elisäus.

Auch ich habe oftmals mich seines Segens und seiner Belehrung erfreut. Oft sagte er mahnend zu mir: „Unter vielen Mühen, o Knäblein, bist du geboren worden. Viele Nächte vollbrachte ich im Gebet, nur um das Gott bittend, daß deine Eltern das würden, was sie nach der Geburt hießen. Wandle also würdig dieser Mühen! Vor der Geburt bist du durch Versprechungen Gott geweiht worden; die Weihegeschenke Gottes aber sind ehrwürdig für alle und dürfen von der Menge nicht berührt werden. Es geziemt sich also, daß du schlechte Regungen in der Seele nicht aufkommen lässest, daß du nur das tust, redest und denkst, was dem Gesetzgeber der Tugend, Gott, gefällt.” So mahnte mich unaufhörlich der Mann Gottes. Seiner Worte erinnere ich mich wohl und bin über die göttliche Gabe belehrt. Da ich aber in meinen Werken den Ermahnungen nicht nachkomme, so hoffe ich, durch sein Gebet den göttlichen Beistand zu erlangen und mein noch übriges Leben nach seinen Weisungen einzurichten.

Das Gesagte mag genugsam zeigen, was für ein Mann er war und durch welche Mühen er die göttliche Gnade auf sich herabzog. Doch schon in diesem Leben fand sein Ende eine seinen Mühen würdige Ehrung. Denn alle, Einheimische wie Fremde und die höchsten Beamten, trugen jene heilige Bahre auf den Schultern und geleiteten sie in das Heiligtum der siegreichen Martyrer und setzten den heiligen und gottgeliebten Leib [S. 115] bei an der Seite der göttlichen Männer Aphraates und Theodosius. Sein Ruhm bleibt unvergänglich, und keine Zeit wird ihn tilgen können. Wir sind am Ende unserer Erzählung und haben Erquickung gefunden an ihrem lieblichen Dufte.

1: Matth. 18, 3.
2: Sprichw. 28, 1.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger