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Chrysostomus († 407) - Reden
Rede vor seiner Verbannung

Text

1.

Desselben Rede vor der [ersten] Verbannung.

Mächtig stürmen die Wogen, und es tobt die Fluth; aber wir fürchten nicht, unterzugehen; denn wir stehen auf einem Felsen. Mag wüthen das Meer — den Felsen kann es nicht wegschwemmen. Mag steigen die Fluth — das Schifflein Jesu kann sie nicht versenken. Was fürchten wir denn? Den Tod? „Mir ist das Leben Christus, und das Sterben Gewinn.“1 Oder Verbannung? „Des Herrn ist die Erde, und was sie füllet.“2 Oder Einziehung der Güter? „Wir haben Nichts in die Welt gebracht; es ist offenbar, daß wir auch Nichts von dannen tragen können.“3 Die Schrecknisse der Welt verachte ich, ihrer Güter spotte ich. Armuth fürchte ich nicht, Reichthum begehre ich nicht, den Tod scheue ich nicht, und zu leben verlange ich nicht — es sei denn um eures Heiles willen. Deßhalb richte ich auch jetzt diese Ermahnung an euch und fordere euch auf, guten Muthes zu sein. Niemand wird uns trennen können. Denn was Gott verbunden hat, Das kann ein Mensch nicht trennen. Heißt es doch sogar von Mann und Weib: „Darum wird der Mensch Vater und Mutter verlassen und seinem Weibe anhängen, und es werden die Zwei sein zu einem Fleische. Was also Gott verbunden hat, soll ein Mensch nicht trennen.“4 Wenn du also die Ehe nicht auflösen kannst, um wie viel weniger kannst du die Kirche [S. 417] Gottes zerreissen; Du bekriegst die Kirche, aber du kannst Demjenigen, den du bekriegst, keinen Schaden zufügen. Indem du gegen mich kämpfest, förderst du meine Ehre und untergräbst deine eigene Kraft. Es ist dir hart, wider einen scharfen Stachel auszuschlagen. Du machst den Stachel nicht stumpf, aber deine Füße blutig. So können auch die Wogen den Fels nicht zerstören; eher lösen sie sich selbst in Schaum auf. Nichts ist mächtiger als die Kirche, o Mensch! Mache dem Krieg ein Ende, auf daß es nicht mit deiner Macht zu Ende gehe! Führe nicht Krieg gegen den Himmel! Wenn du einen Menschen bekriegst, wirst du entweder siegen oder unterliegen; wenn du die Kirche bekriegst, ist es nicht möglich, daß du siegest; denn Gott ist der Allerstärkste. „Oder machen wir eifern den Herrn? Sind wir stärker als er?“5 Gott hat sie befestigt; wer unternimmt es, sie zu erschüttern? Du kennst seine Macht nicht. „Er schaut über die Erde und macht sie zittern;“6 er gebietet, und was erschüttert war, steht wieder fest. Wenn er die wankende Stadt befestigt, kann er noch weit eher der Kirche Festigkeit verleihen. Die Kirche ist stärker als der Himmel. „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“7 Welche Worte? „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.“8

1: Phil. 1, 21.
2: Ps. 23, 1.
3: I. Tim. 6, 7.
4: I. Mos. 2, 24.
5: I. Kor. 10, 22.
6: Ps. 103, 32.
7: Matth. 24, 35.
8: Ebd. 16, 18.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger