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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (In Matthaeum homiliae I-XC)

Neunundvierzigste Homilie. Kap.XIV,V.1322.

1.

V.13: "Als aber Jesus dies hörte, begab er sich in einem Schifflein von dort weg an einen einsamen, abgelegenen Ort. Und als die Leute dies erfuhren, folgten sie ihm zu Fuß aus allen Städten."

Sieh, wie der Herr sich jedesmal in die Einsamkeit begibt: als Johannes eingekerkert ward, als er enthauptet wurde, und als die Juden hörten, daß er nicht wenige zu seinen Schülern mache. Der Herr wollte eben für gewöhnlich so handeln, wie Menschen tun, da die Zeit noch nicht ge kommen war, seine Gottheit deutlich zu enthüllen. Darum befahl er auch den Jüngern, niemand zu sagen, daß er der Christus sei; erst nach der Aufer stehung sollte dies seiner Absicht entsprechend deutlicher offenbar wer den. Darum war er auch gegen die Juden, die noch ungläubig blieben, nicht besonders hart, sondern sogar nachsichtig. Bei seinem Weggehen begab er sich aber nicht in eine Stadt, sondern in die Wüste, und zwar in einem Fahrzeuge, damit niemand ihm folgen könnte.

Du aber beachte, wie die Johannesjünger von da an enger an Jesus sich anschlossen. Sie waren es ja, die ihm den Tod des Johannes meldeten, sie verließen alles und flüchteten sich hinfort zu ihm. Dazu hat nebst dem unglücklichen Ereignis auch die Antwort nicht wenig beigetragen, die der Herr ihnen früher gegeben hatte. Warum zog sich aber Jesus nicht eher zurück, bevor sie ihm nicht diese Nachricht überbracht hatten, obgleich er ja das Vorgefallene schon wußte, bevor sie es ihm mitteiilten? Er wollte eben durch alles die Wahrheit seiner Menschwerdung bezeugen. Nicht bloß durch den Anblick, sondern auch durch Taten wollte er zum Glauben an sie führen. Er wußte ja, wie schlecht der Teufel ist, und wie er alles aufbieten würde, um diesen Glauben zu vernichten. Das ist also der Grund, weshalb der Herr sich hinwegbegibt. Die Menge des Volkes läßt aber auch so nicht von ihm ab; sie folgt ihm voll Anhänglichkeit, und auch das traurige Schicksal des Johannes schreckte sie nicht ab. Soviel vermag eben das sehnsüchtige Verlangen, so groß ist die Macht der Liebe: alle Schwierigkeiten besiegt und überwindet sie auf diese Weise. Deshalb wurden sie aber auch alsbald belohnt.

Denn, heißt es,

V.14: "Als Jesus hinausgegangen war, da sah er eine große Menge Volkes, und er empfand Mitleid mit ihnen, und er heilte ihre Kranken."

Wenn auch die Beharrlichkeit der Leute groß war, der Lohn, den sie vom göttlichen Heiland empfingen, überstieg dennoch all ihren Eifer. Darum, nennt auch der Evangelist als Ursache einer solchen Heilungstätigkeit das Mitleid, und zwar ein sehr starkes Mitleid: "und er heilte alle". Nicht einmal den Glauben verlangt hier der Herr. Daß sie nämlich zu ihm gekommen waren, daß sie die Städte verlassen hatten, daß sie ihn mit solchem Eifer aufsuchten und bei ihm ausharrten, obwohl sie der Hunger quälte, das alles bekundete ja ohnehin schon ihren Glauben. Der Herr will ihnen aber auch Nahrung verschaffen. Doch macht er nicht selbst den Anfang damit, sondern wartet, bis er gebeten wird; denn, wie ich schon sagte, er hält überall als Regel fest,. nicht eher Wunder zu wirken, als bis er gerufen ward. Warum ist aber niemand aus der Menge herausgetreten und hat für sie beim Herrn geredet? Weil die Leute eine übergroße Ehrfurcht vor ihm hatten und vor lauter Verlangen, ihm nahe zu sein, nicht einmal ihren Hunger verspürten. Aber auch die Jünger gingen nicht zu ihm und sagten: Gib ihnen zu essen; noch waren sie eben1 nicht vollkommen ge nug. Sie taten vielmehr was?

V.15: "Als es aber Abend geworden war, da traten die Jünger auf ihn zu und sagten; Der Ort hier ist öde und die Zeit ist schon abgelaufen; schick also die Leute fort, damit sie hingehen und sich zu essen kaufen."

Wenn die Jünger sogar nach diesem Wunder das Geschehene vergaßen und glaubten, als der Herr die Lehren der Pharisäer einen Sauerteig nannte, er rede von Broten, wie man sie in den Körben trägt, dann konnten sie um so weniger ein solches Geschehnis erwarten, noch bevor sie je ein so großes Wunder2 geschaut hatten. Und doch hatte der Herr eben zuvor viele Kranke geheilt; gleichwohl waren sie auch so nicht gefaßt auf das Wunder der Brotvermehrung; so schwach waren sie ebene damals noch im Glauben.

Du aber beachte, mit welcher Weisheit der Herr seine Jünger zum Glauben bringt. Er erwiderte nicht sofort: Ich geb ihnen Nahrung; das hätten sie doch nicht leicht zu glauben vermocht. Noch betrachteten sie ihn eben als3 Menschen.4 . Vielmehr antwortete er wie?

V.16: "Jesus aber sprach zu ihnen: Sie brauchen nicht fortzugehen; gebt ihr ihnen zu essen."

Er sagte nicht: Ich gebe ihnen, sondern: Gebt ihr. Sie aber vermögen sich auch jetzt noch zu keiner höheren Auffassung zu erschwingen, sondern fahren fort, mit ihm zu reden, als wäre er ein bloßer Mensch, und sagen:

V.17: "Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische."

Darum bemerkt auch M;arkus: "Sie verstanden nicht, was er sagte, denn noch war ihr Herz verhärtet"5 . Weil sie also immer noch am Boden kriechen, so tritt endlich der Herr selber auf und sagt:

V.18: "Führt sie zu mir her."

Denn wenn auch der Ort öde ist, so ist doch derjenige zugegen, der dem ganzen Erdkreis Nahrung spendet. Wenn auch die Stunde vorüber ist, es redet derjenige mit euch, der keiner Zeit unterworfen ist. Johannes6 fügt hier noch hinzu, es habe sich um Gerstenbrote gehandelt; er erwähnt dies nicht ohne Grund, sondern um uns die Lehre zu geben, den Prunk eines üppigen Lebens zu verachten. So einfach war auch der Tisch des Propheten.

V.19: "Er nahm also die fünf Brote und die zwei Fische und befahl der Menge, sich auf das dürre Gras niederzulassen; dann blickte er zum Himmelö, sehnete und brach das Brot und verteilte es an seine Jünger, die Jünger aber7 an das Volk.

V.20: Und alle aßen und wurden satt; und sie nahmen die Überreste des Brotes: zwölf Körbe voll.

V.21: Die Zahl derer aber, die aßen, betrug ungefähr fünftausend, ungerechnet die Frauen und Kinder."

1: im Glauben
2: wie die Brotvermehrung
3: bloßen
4: Dieser Satz gehört dem Sinn und Zusammenhang nach hierher. Im Griechischen ist er offenmbar verstellt
5: Mk 8,17
6: Joh 6,9
7: verteilten es

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger