Chrysostomus († 407) - Reden Ueber den Verrath des JudasEinleitung
Vorbemerkungen. Bei Montfaucon II. 386 ff. Es sind über den Verrath des Judas zwei Homilien des heiligen Chrysostomus auf uns gekommen, die nicht bloß in den Gedanken, sondern auch im Ausdruck vielfach übereinstimmen. Man nimmt mit Grund an, daß die eine nur eine Überarbeitung der andern ist. Die unten übersetzte ist die zweite. Aus dem Eingange geht hervor, daß der Redner in einer zusammenhängenden Reihe von Predigten über den Patriarchen Abraham bezw. über das erste Buch Moses begriffen war, und daß er, diese Reihe unterbrechend, die vorliegende Predigt am Tage des letzten Abendmahles gehalten hat; in welchem Jahre, laßt sich nicht bestimmen. Der größte Theil dieser Predigt ist eine sogenannte niedere Homilie. Die Stelle über den Verrath des Judas1 wird fast Wort für Wort in erbaulicher Weise erklärt; gemüthvolle Be [S. 133] trachtungen und väterliche Ermahnungen werden in zwangloser Weise an die Erklärung angeknüpft. Einige Wiederholungen und andere kleine Mängel in der Form dürften beweisen, daß an diese Predigt der heilige Lehrer die „letzte Hand“ nicht gelegt hat. — Im letzten Kapitel spricht wieder mit gewohnter Salbung der doctor eucharisticus. Dießmal bezeugt er nicht nur das katholische Dogma von der Gegenwart Christi im heiligsten Sakramente, sondern auch die von den schismatischen Griechen bestrittene Lehre, daß die Wandlung der eucharistischen Elemente in der heiligen Messe durch die Worte der Einsetzung (Hoc est corpus meum) vollzogen wird.
1: Matth. 26, 14.
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