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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (In Matthaeum homiliae I-XC)

Siebenundvierzigste Homilie. Kap.XIII,V.34-52.

1.

V.34: "Alles das sprach Jesus zu der Menge in Gleichnissen, und ohne Gleichnis sagte er nichts zu ihnen,

V.35: auf daß erfüllt würde das Wort des Propheten, der da sprach: Ich werde meinen Mund offnen in Gleichnissen, Dinge werde ich kundtun, die verborgen waren seid dem Anbeginn der Welt"1 .

Markus schreibt: "Entsprechend ihrem Auffassungsvermögen redete er zu ihnen in Gleichnissen"2 . Und um dann zu zeigen, daß der Herr damit nichts Neues eingeführt habe,zitiert er den Propheten, der ebenfalls vorhergesagt hat, daß der Herr auf diese Weise lehren werde. Er will uns also über die wahre Absicht Christi belehren und zeigen, daß er nicht deshalb so geredet habe, damit die Leute es nicht verstehen, sondern um zu Fragen zu veranlassen. Darum fügt er hinzu: "Und ohne Gleichnis redete er nichts zu ihnen"3 , und doch hat der Herr sonst vieles ohne Gleichnis geredet;damals aber nicht. Aber gleichwohl fragte ihn niemand etwas, obwohl die Juden oft an die Propheten Fragen stellten, wie z.B. an Ezechiel und an viele anderen. Diese hier taten nichts dergleichen. Und doch wären seine Worte gar wohl imstande gewesen, sie in Angst zu versetzen und zum Fragen anzuregen. In den Gleichnissen drohte ja der Herr mit den härtesten Strafen. Dennoch ließen sie sich auch dadurch nicht rühren. Darum entließ sie zuletzt der Herr und ging hinweg.

V.36: "Dann", heißt es nämlich, "entließ Jesus die Volksscharen und ging hinweg in sein Haus";

und kein einziger Schriftgelehrter folgte ihm. Das beweist klar, daß sie ihm bisher nur deshalb gefolgt waren, um ihn4 zu fangen. Da sie aber seine Gleichnisse nicht verstanden, so ließ er sie gehen. "Und seine Jünger kamen zu ihm hin, und fragten wegen des Gleichnisses mit dem Unkraut." Bei anderen Gelegenheiten hatten sie zwar auch gerne fragen wollen, sich aber dann doch gefürchtet, es zu tun. Warum sind sie also hier auf einmal so mutig? Weil der Herr zu ihnen gesagt hatte: "Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreiches zu erkennen"5 , das hatte sie zuversichtlich gemacht. Darum fragen sie auch ganz allein, nicht etwa um die Menschen zu tadeln, sondern entsprechend den Worten des Herrn: "Denn diesen ist es nicht gegeben." Warum haben sie aber das Gleichnis mit dem Sauerteig und dem Senfkorn übergangen und gerade über dieses hier Fragen gestellt? Weil ihnen jene klarer zu sein schienen. Dieses dagegen wollten sie besser verstehen lernen, weil es mit dem vorausgehenden eine gewisse Verwandtschaft hat und doch etwas mehr besagt als jenes. Sie wollen ja doch nicht bloß wissen, ob er nicht zweimal dasselbe sage; sie hatten ja gesehen, welche schwere Androhung es enthielt. Darum tadelt sie auch der Herr nicht, sondern führt das früher Gesagte noch weiter aus. Was ich sodann immer betonte, daß man die Gleichnisse nicht nach dem Buchstaben erklären dürfe, wenn man nicht zu vielen sinnlosen Folgerungen kommen wol le, das gibt uns hier der Herr selbst zu8 erkennen durch die Art und Wei se, wie er das Gleichnis erklärt. Er sagt ja nicht, wer die Knechte seien, die6 hingingen; vielmehjr wioll er zeigen, daß er sie nur des Zusammenhangs wegen eingeführt habe; darum übergeht er sie auch und erklärt bloß das Wichtige und Wesentliche, um dessentwillen er das Gleichnis überhaupt anführte; er will nämlich zu verstehen geben, daß er der Richter und Herr über alles sei.

V.37: "Und er antwortete ihnen und sprach: Derjenige, der den guten Samen ausstreut, ist der Menschensohn.

V.38: Der Acker aber ist die Welt. Der gute Samen, das sind die Kinder des Himmelreiches. Das Unkraut sind die Kinder des Bösen.

V.39: Der Feind, der das Unkraut sät, ist der Teufel. Die Ernte ist die Vollendung der Zeit. Die Schnitter sind die Engel.

V.40: Wie man also das Unkraut sammelt und im Feuer verbrennt, so wird es geschehen bei der Vollendung dieser Welt.

V.41: Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden in seinem Reiche alle Ärgernisse und alle Übeltäter sammeln.

V.42: Und sie werden dieselben in den Feuerofen werfen. Da herrscht Heu len und Zähneknirschen.

V.43: Dann werden die Gerechten glänzen wie die Sonne im Reiche ihres Vaters."

Da also der Herr selbst es ist, der den Samen ausstreut, und zwar auf seinem eigenen Acker, und da er aus seinem eigenen Reiche7 sammelt, so ist es klar, daß diese sichtbare Welt sein Eigentum ist.

Da sieh nur,wie unaussprechlich seine Liebe zu den Menschen ist, wie groß sein Verlangen, ihnen Gutes zu tun, und wie sehr er vor Strafen zurückschreckt. Wenn er den Samen ausstreut, streut er ihn selber aus; wenn er aber straft, tut er es durch andere, das heißt durch Engel. "Dann werden die Gerechten erglänzen wie die Sonne im Reiche ihres Vaterts." Nicht als ob sie nur so leuchteten8 , sondern weil wir nichts kennen, was heller leuchtete als dieses Gestirn, deshalb ge braucht der Herr Vergleiche mit Dingen, die uns bekannt sind. Anderswo sagt aber der Herr, die Ernte sei schon da; so z.B. wo es von den Samari tern heißt: "Erhebet eure Augen, und betrachtet die Fluren, da sie schon reif sind für die Ernte"9 , und an einer anderen Stelle: "Die Ernte ist groß; der Arbeiter aber sind wenige"10 . Wie kommt es nun, daß er dort sagt, die Erntezeit sei schon da, und hier, sie werde erst kommen. Weil hier das Wort einen verschiednen Sinn hat. Und wie konnte er an einer anderen Stelle sagen; "Ein anderer ist es, der aussät, ein anderer,der erntet"11 , während er hier sagt, er selbst sei auch derjenige,der aussät? Weil er auch den früheren Ausspruch in dem Sinne tat, daß er die Apostel nicht mit sich selbst, sondern mit den Propheten verglich, und zwar sowohl den Juden wie auch den Samaritern gegenüber. Denn er war es ja, der den Samen auch durch die Propheten ausstreute. Es kommt sogar vor, daß er ein und dieselbe Sache Ernte und Aussaat nennt, je nachdem er das Wort in verschiedenem Sinne gebraucht.

1: Ps 77, 2
2: Mk 4,33
3: Mk 4,34
4: in der Rede
5: Mt 13,11
6: zum Hausherrn
7: das Unkraut
8: wie die Sonne
9: Joh 4,35
10: Lk 10,2
11: Joh 4,37

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger