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Chrysostomus († 407) - Reden

Auf Weihnachten

Einleitung

Vorbemerkungen.

Bei Montfoucon II. 354 ff.

Die folgende Rede hielt der heilige Chrysostomus, wie mit Sicherheit anzunehmen ist, am Weihnachtsfeste des Jahres 386 in Antiochien. Die nachstehenden Daten geben einen Anhalt zur Bestimmung der Zeit.

1. In Kap. 6 kündigt der Redner an, daß nach ihm der κοινὸς διδάσκαλος, d. i. ohne Zweifel der Bischof, predigen werde. Er selbst war demnach noch nicht Bischof und noch nicht in Konstantinopel, sondern erst Verwalter des Predigtamts Antiochien (386—398).

2. „Noch sind es nicht zehn Jahre,“ heißt es im ersten Kapitel, „seitdem dieser Tag (er meint den Tag der Geburt des Herrn) zu unserer Kenntniß gelangt ist.“ Zwischen 370 und 380 war es, daß im Morgenlande die Feier des 25. Dezembers aufkam. Diese stelle steht also dem Jahre 386 wenigstens nicht entgegen.

3. Aus der Art und Weise, wie der Redner sein Thema ankündigt, scheint deutlich hervorzugehen, daß er nach seiner [S. 30] Priesterweihe, die er im Jahre 386 empfing, die erste passende Gelegenheit benutzen wollte, um die Feier des 25. Dezembers zu empfehlen. Diese Gelegenheit bot sich ihm natürlich am Weihnachtsfeste des Jahres 386.

4. In Capitel 5 spricht er von seinen Reden gegen die Juden, die er um die Zeit des letzten Laubhüttenfestes (im September) gehalten habe. Das sind nach Moutfaucon die drei ersten Reden contra Judaeos, abgedruckt im ersten Bande der Maurinerausgabe, gehalten im Jahre 386.

Demnach ist diese Weihnachtspredigt aller Wahrscheinlichkeit nach in das Jahr 386 zu setzen. Zweck derselben ist, die Antiochener zur allgemeinen Feier des 25. Dezembers als des Geburtstages des Herrn zu bestimmen. Bis vor kurzem hatte die morgenländische Kirche das festliche Andenken an dieses gnadenreiche Ereigniß zugleich mit der Feier der Epiphanie am 6. Jannuar begangen. Das „neue“ Fest des 25. Dezembers stieß noch auf Widerspruch. Was Chrysostomus zu dessen Empfehlung vorbringt, ist kurz zusammengefaßt in der unten folgenden Inhaltsangabe. Von besonderm Interesse ist sein drittes Argument, hergenommen aus der Erzählung des Evangelisten Lukas über die dem Zacharias gewordene Erscheinung. Aus dieser Erzählung, sagt der Redner, gehe mit Bestimmtheit hervor, daß der Tag der gedachten Erscheinung kein anderer gewesen sein könne, als der große Versöhnungstag der Juden. Denn Zacharias habe ein Rauchopfer dargebracht, der Rauchopferaltar habe im Allerheiligsten gestanden, und das Allerheiligste habe nur der Hohepriester, und zwar nur am Versöhnungstage betreten dürfen. Da nun dieser Tag in den September siel, habe Elisabeth im September den Johannes empfangen; sechs Monate später, also im März, wurde der Engel Gabriel zu Maria gesandt; also wäre es im Dezember gewesen, daß Maria den Heiland gebar. Indessen — diese ganze Beweisführung wird hinfällig durch die unzweifelhafte Thatsache, daß der Rauchopferaltar im Heiligthum, nicht aber im Allerheiligsten seine Stelle hatte, wie aus II. Mos. 30, 6 vgl. 40, 26 zweifellos sich ergibt.

War Zacharias Hoherpriester, wie Chrysostomus und ver [S. 31] schiedene andere alte Exegeten annehmen? Die Erzählung des heiligen Lukas spricht eher dagegen als dafür: „Da kam er, nach der Sitte des Priesterthums, durch das Loos daran, daß er, eingetreten in den Tempel des Herrn, zu räuchern hatte.“1

Übrigens hängt mit jener Annahme, nach welcher der Rauchopferaltar im Allerheiligsten gestanden hätte, der weitere Irrthum zusammen, daß der Altar für die blutigen Opfer in das Heiligthum statt in den Vorhof versetzt wird.

Will man nach dem Grunde dieser Irrthümer fragen, darf vielleicht auf Hebr. 9, 4 verwiesen werden. Hier wird nämlich unter den heiligen Gegenständen, welche „innerhalb des Vorhanges“ d. i. im Allerheiligsten aufbewahrt wurden, auch das θυμιαστήριον genannt. Nach einer jetzt viel verbreiteten Erklärung versteht man darunter ein Rauchfaß oder eine Schale für Rauchwerk; Chrysostomus hielt es für den Rauchopfer altar. Da ferner an derselben Stelle2 gesagt wird, daß die Priester allezeit in das „vordere Gezelt“ d. i. in das Heiligthum eingingen, wenn sie Opferhandlungen vollzogen, versetzte er in das Heiligthum den Brandopferaltar.3 Es ist unleugbar ein sprödes undankbares Thema, das in dieser Rede behandelt wird. Selbst die Beredsamkeit des Goldmundes konnte nicht verhüten, daß sich im Auditorium einmal Unruhe und Ungeduld sich bemerklich machte.4 Was dieser Predigt noch besonders viel Werth verleiht, sind die herrlichen Lehren und Ermahnungen im Schlußkapitel, welche sich auf die heilige Eucharistie beziehen.

1: Luk. 1, 9.
2: Hebr. 9, 6.
3: Vgl. des Näheren Thalhofer, die unblutigen Opfer des mosaischen Cultus; S. 79 ff.
4: Vgl. Kap. 4.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger