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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther
Vierundvierzigste Homilie.

V.

Mache bei deiner Ermahnung nicht viele Worte; denn er bedarf keiner langen Belehrung; um so mehr aber rede nur immerfort von der Verzeihung. Beständig nimm deine Zuflucht zur Liebe; verdecke jedes bittere Wort; stelle ihm Alles anheim und sage: „Das ist meine Ermahnung; so rathe ich dir; du magst es nun annehmen oder auch nicht; ich zwinge dich nicht, ich überlasse ja Alles deiner eigenen Wahl.“ Wenn wir bei der Zurechtweisung diesen Weg einschlagen, so werden wir die Fehlenden mit Leichtigkeit bessern können. Wie wir aber heutzutage verfahren, ist es mehr die Art von wilden und vernunftlosen Thieren, als von Menschen. Denn Manche, die da hören, daß Jemand einen solchen Fehler begehe, sprechen zu ihm darüber kein Wort, aber unter einander zischen sie sich’s in die Ohren [S. 780] wie betrunkene Weiblein; und bei ihnen gilt nicht der Spruch: „Laß dich lieben ohne Grund, aber nicht hassen ohne Grund.“ Wandelt sie aber die Lust an, Andern die Ehre zu nehmen, so achten sie nicht auf das Gehaßtwerden ohne Grund, ja nicht einmal auf das Gestraftwerden (denn es folgt daraus nicht nur Haß, sondern auch Strafe). Wenn sie aber Andere zurechtweisen sollen, so führen sie gerade diesen Spruch und tausend andere Ausflüchte an. Wenn du Andere anklagst, verleumdest, so sollst du an den Spruch denken: „Errege dir nicht unnöthigen Haß;“ und jenen andern: „Ich richte Nichts aus;“ und ferner: „Es geht mich Nichts an.“ Nun aber bist du so ganz ausserordentlich vorwitzig und geschäftig, und fragst nicht nach dem Hasse und zahllosen Übeln: hingegen, wo du dick um die Rettung des Bruders kümmern solltest, willst du damit gar Nichts zu thun haben und dich an Nichts kehren. Nun aber entspringt aus der üblen Nachrede Haß bei Gott und den Menschen, und daran liegt dir Nichts: aus der geheimen Ermahnung und brüderlichen Zurechtweisung erwächst dir hingegen Freundschaft mit Gott und mit dem Bruder. Sollte aber auch dieser dich hassen, so wird dich Gott um so mehr lieben; ja im Gegentheile, er wird dich nicht so hassen, wie er dich wegen übler Nachrede hassen würde; denn diesem Falle wird er dich als einen Feind und Widersacher verabscheuen; wegen der Zurechtweisung aber wird er dich für ehrwürdiger halten als jeglicher Vater. Wenn er auch darob öffentlich seinen Unwillen äussert, so wird er dir doch im Stillen vielen Dank wissen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger