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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther
Vierundvierzigste Homilie.

II.

13. Ich bitte euch aber, Brüder! Ihr kennet das Haus des Stephanas, daß es ist Erstling Achaja’s, und daß sie sich selbst den Heiligen zu Diensten gestellt haben.

Auch im Anfang des Briefes gedenkt er Desselben, indem er spricht: „Auch das Haus (die Familie) des Stephanas habe ich getauft;“1 und hier nennt er ihn (αὐτόν) Erstling, nicht nur von Korinth, sondern von ganz Griechenland. Es ist aber Das kein geringes Lob, das Christenthum zuerst angenommen zu haben. Deßwegen lobt er auch in seinem Briefe an die Römer Einige aus diesem Grunde, indem er sagt: „Welche schon früher als ich Christen geworden waren.“2 Und er sagt nicht, daß sie als die Ersten den Glauben angenommen haben, sondern er nennt sie Erstlinge und gibt dadurch zu verstehen, daß sie bei ihrem Glauben auch einen vorzüglich guten Wandel geführt und so allseitig würdige Früchte gebracht haben. Die Erstlinge müssen immer das Beste von Dem sein, wovon sie Erstlinge sind; und diesen Vorzug spricht ihnen der Apostel mit jenem Ausdrucke zu. Denn sie bewiesen, wie gesagt, nicht nur einen aufrichtigen Glauben, sondern auch eine große Frömmigkeit, eine feste Tugend und reichliche Mildthätigkeit. Ihre Gottseligkeit beweist er auch daraus, daß sie das ganze Haus mit dieser Tugend erfüllen. Daß sie aber auch mit Werken der Barmherzigkeit geschmückt waren, deutet er durch das Folgende an: „Sie haben sich selbst den Heiligen zu Diensten gestellt.“ Hört ihr, wie hoch die Gastfreundschaft gepriesen wird? Er sagt nicht: „sie dienen,“ sondern: „sie haben [S. 771] sich selbst zu Diensten gestellt,“ d. h. sie haben diese Lebensweise auf immer erwählt und sind beständig mit solchen Übungen beschäftigt.

16. Möget auch ihr euch Solchen unterordnen;

d. h. Einer komme dem Andern zu Hilfe mit Geldunterstützungen und körperlichen Dienstleistungen, und zwar gemeinschaftlich; denn die Mühe wird für sie leicht, wenn sie Mithelfer haben und die Wohlthaten sich dann auf Viele erstrecken. Er sagt nicht einfach: wirket mit, sondern: „unterordnet euch“ auch in Dem, was man euch aufträgt, und zeigt so den vollkommenen Gehorsam. Damit es aber nicht scheine, als schmeichle er ihnen, setzt er hinzu: „und Jedem, welcher mitwirkt und sich mühet.“ Dieses Gesetz, will er sagen, sei allgemein; ich rede nicht von Jenen insbesondere, sondern überhaupt von Allen, die ihnen ähnlich sind. Darum beruft er sich auch auf ihr eigenes Zeugniß, wo er jene Familie zu loben beginnt: „Ich bitte euch aber, ihr kennet das Haus des Stephanas;“ d. h. ihr wisset, wie sie (dessen Mitglieder) wirken, und braucht es nicht erst von mir zu erfahren.

17. 18. Ich freue mich ob der Anwesenheit des Stephanas und des Fortunatus und Achaikus, weil, was an euch mangelte, sie ergänzt haben; denn sie erquickten meinen Geist und den euren.

Wahrscheinlich waren die Korinther gegen diese Männer aufgebracht, weil sie den Paulus über die Spaltung benachrichtigt und weil auch diese ihre Anfrage in Betreff der Verehelichten und Jungfrauen gestellt hatten. Siehe, wie er sie (die Korinther) nun dadurch zu besänftigen sucht, daß er im Anfang des Briefes sagt: „Denn es ist mir bedeutet worden hinsichtlich eurer von den Angehörigen der Chloe,“ wobei er diese ausdrücklich nennt, die Andern aber verschweigt; und hier: „Was an euch mangelte, haben sie ergänzt, und meinen Geist [S. 772] und den euren erquickt,“ womit er anzeigt, daß sie im Namen Aller gekommen seien und freiwillig die große Reise unternommen haben. Wie soll denn aber das Besondere allgemein werden? Wenn ihr Das, was an euch mangelt, durch euer Wohlwollen gegen sie ersetzet, wenn ihr sie ehret, sie aufnehmet und an ihrer Wohlthätigkeit euch betheiligt. Darum sagt er: „Anerkennet sie denn als solche!“ Und indem er die Angekommenen lobt, dehnt er das Lob zugleich auf Diejenigen aus, deren Abgesandte sie waren, indem er sagt: „Sie haben meinen Geist und den euren erquickt. Anerkennet sie denn als solche;“ denn sie haben Haus und Vaterland euretwegen verlassen. Siehst du seine Klugheit? Er zeigt, daß sie nicht nur den Paulus, sondern auch den Korinthern Freude gemacht, weil sie ja die ganze Stadt vorstellten; dadurch waren sie denn auch glaubwürdige Männer und Eins mit den Andern, deren Abgesandte sie waren.

19. Es grüßen euch alle Kirchen Asiens.

Immer sucht er die Glieder durch den Gruß zu vereinigen und zusammen zu halten. „Es grüßen euch im Herrn vielmals Aquila und Priscilla.“ Denn bei diesen wohnte er als Zeltmacher. „Sammt der Gemeinde (die) in ihrem Hause (zusammenkommt).“3 Auch Das ist keine geringe Tugend, daß sie ihr Haus zu einer Kirche gemacht.

20. Es grüßen euch die Brüder alle. Grüßt euch einander in heiligem Kusse.

An dieser Stelle allein erwähnt er des heiliges Kusses. Warum? Es herrschte unter ihnen große Spaltung, indem sie sagten: „Ich halte es mit Paulus, ich mit Apollo, ich mit Kephas, ich aber mit Christus.“4 da der Eine sich [S. 773] überfüllte, der Andere aber darbte; da sie in Zank und Eifersucht lebten und unter einander Streithändel führten. Auch ob der Charismen gab es viel Neid und gewaltigen Hochmuth. Nachdem er sie also zur Eintracht ermahnt hat, sucht er dieselbe ganz schicklich zu befestigen durch den heiligen Kuß; denn dieser verbindet und vereinigt die Menschen; heilig aber ist er, wenn er ohne Falsch und Verstellungskunst ist.

21. Der Gruß — mit meiner eigenen, des Paulus, Hand.

Er zeigt, daß der Brief mit großer Sorgfalt verfaßt ist, und fügt darum noch bei:

1: I. Kor. 1, 16.
2: Röm. 16, 7.
3: Σὺν τῇ κατ’οἶκον αὐτῶν Ἐκκλησίᾳ.
4: I. Kor. 1, 12.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger