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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (In Matthaeum homiliae I-XC)

Sechsundvierzigste Homilie. Kap.XIII,V.24-33.

1.

V.24: "Noch ein anderes Gleichnis trug er ihnen vor, indem er sprach: Das Himmelreich ist gleich einem Sämann, der guten Samen auf seinem Acker ausstreut.

V.25: Während aber die Menschen schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut unter den Weizen, und ging fort.

V.26: Als aber die Saat aufging und Frucht brachte, da erschien auch das Unkraut.

V.27: Da gingen die Knecht hin zum Herrn des Hauses und sagten zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf Deinen Acker ausgestreut, woher hat er also das Unkreut?

V.28: Er aber antwortete ihnen: Der Feind des Menschen hat dies getan. Die Knechte aber sagten zu ihm: Willst du also, daß wir hingehen und es sammeln?

V.29; Er aber antwortete:Nein, damit ihr nicht etwa beim Sammeln des Unkrautes zugleich auch den WReizen mit ausreißet.

V.30: Lasset darum beiodes wachsen bis zur Ernte."

Welches ist der Unterschied zwischen diesem und dem vorausgehenden Gleichnis? In dem früheren sprach Jesus von denen, die überhaupt nicht auf ihn acht hatten, sondern ihn stehen ließen und den Samen wegwarfen. Hier spricht er dagegen von dem Vorgehen der Häretiker. Damit nämlich die Jünger auch darob nicht in Verwirrung kämen, so sagt er ihnen auch das voraus, nachdem er ihnen zuvor erklärt hatte, weshalb er in Gleichnissen rede. Im ersten Gleichnis sagt der Herr, sie hätten den Samen nicht aufgenommen; in diesem, sie hätten auch Unkraut mit aufgenommen. Auch das gehört ja zur Taktik des Teufels, neben der Wahrheit stets auch den Irrtum mit einzuschmuggeln und diesen der Wahrheiot möglichst ähnlich zu färben, um so die Einfältigen leicht zu betören. Deshalb nennt der Herr des Teufels Aussaat nicht einen anderen Samen, sondern ZizanienUnkraut, das dem Getreide in etwa ähnlich sieht.

Dann gibt er auch die näheren Umstände seiner Hinterlist an. Er sagt: "Während die Menschen schliefen." Darnach befinden sich die Vorsteher in nicht geringer Gefahr, da ja ihnen vor allem die Bewachung des Ackers anvertraut ist, aber nicht bloß die Vorgesetzten, sondern auch die Unter gebenen. Er gibt außerdem auch zu verstehen, daß der Irrtum erst nach der Wahrheit komme, was ja auch durch die geschichtlichen Tatsachen bestätigt wird. So kamen erst nach den Propheten die Pseudopropheten, und nach den Aposteln die Pseudoapostel; so kommt auch nach Christus der Antichrist. Wenn nämlich der Teufel nicht vorhersähe, was er nachäffen, wem er nachstellen sollte, so würde er auch nichts tun, und nichts wissen. Da er also auch hier sah, daß der eine hundertfältige Frucht bringe, ein anderer sechzigfältige, ein anderer dreißigfältige, so schlägt er hinfort einen anderen Weg ein. Da er das nicht auszurotten vermochte, was einmal Wurzel gefaßt hatte, es auch nicht ersticken oder verbrennen konnte, so sucht er ihm auf andere Weise durch Betrug beizukommen, indem er von dem Seinigen dazwischen streut. Worin unterscheiden sich aber die Schlafenden von denen, bei welchem der Same auf den Weg fiel? Darin, daß der Teufel ihn dort schnell wegstahl; er ließ ihn nämlich gar nicht erst Wurzel fassen. Hier bedurfte es aber schon größere List.

Dieses Gleichnis führt Christus an, um uns zu steter Wachsamkeit anzuhalten. Denn, so sagt er, wenn du auch jenen erstgenannten Gefahren entrinnst, es harren deiner noch andere. Denn wie dort das Verderben durch den Weg, das Felsgestein und die Dornen herbeigeführt wurde, so hier durch den Schlaf; darum bedarf es unausgesetzter Wachsamkeit.Deshalb sagte er auch: "Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden"1 . Etwas Ähnliches geschah auch im Anfang. Da haben viele Vorsteher schlechte Menschen in die Kirchen eingelassen, verborgene Häre siarchen, und haben dadurch diesen Kriegsplan des Teufels bedeutend geför dert. Jetzt brauchte sich ja der Teufel nicht mehr anzustrengen, nachdem er diese Menschen unter die anderen gepflanzt hatte.

Wie ist es aber möglich, fragst du, nicht zu schlafen? Den natürlichen Schlaf zu unterdrücken ist nicht möglich; den der Seele aber wohl. In diesem Sinne sagte auch Paulus: "Wachet, stehet fest im Glauben"2 . Darnach zeigt der Herr, daß dieser Schlaf auch unnötig, nicht bloß schädlich sei. Der Teufel kommt nämlich erst dann zur Aussaat, wenn der Acker schon bestellt ist und keine weitere Arbeit braucht. Auch die Häretiker machen es so, die ihr Gift aus keinem anderen Grunde ausstreuen als wegen ihres Ehrgeizes.

Indes gibt der Herr nicht bloß hiervon eine genaue Schilderung, sondern auch über den weiteren Fortgang der Sache. Denn, fährt er fort, "als die Saat aufging und Frucht brachte, da erschien auch das Unkraut". Genau so machen es die Häretiker. Im Anfang halten sie sich selbst verborgen; wenn sie sich aber einmal ordentlich sicher fühlen, und es läßt sich jemand mit ihnen ins Gespräch ein, so lassen sie ihr Gift herausflie ßen. Warum läßt aber der Herr das Geschehene durch die Knechte berichten? Um ihnen sagen zu können, daß man Häretiker nicht töten solle. "Feind des Menschen" aber nennt er den Teufel wegen des Schadens, den er den Menschen zugefügt hat. Denn das Unheil war zwar gegen uns gerichtet, die Ursache des Unheils aber war nicht des Teufels Haß gegen uns, sondern sein Haß gegen Gott. Daraus geht auch klar hervor, daß Gott uns noch mehr liebt, als wir uns selbst.

Beachte sodann, wie auch ein anderer Umstand die Bosheit des Teufels bezeugt. Er hat seinen Samen deshalb nicht früher ausgestreut, weil noch nichts da war, was er hätte verderben können. Erst als die ganze Arbeit getan war, kam er, um die Mühe des Sämannes zu vereiteln. So hat er also alles aus Haß gegen ihn getan. Auch den Eifer der Knechte sollst du be achten. Es drängt sie bereits, das Unkraut auszurotten, wenn sie dabei auch nicht von der Klugheit geleitet sind. Aber es zeigt doch, wie sehr sie um den ausgestreuten Samen besorgt sind, und wie ihnen nur eines am Herzen löieght, nmicht daß der Feind bestraft werde, sondern da0 die Aussaat nicht vberdorben werde; denn nicht das erste ist es, worauf es hauptsächlich ankommt. Deshalb achten sie vorläufig nur darauf, wie sie den Schaden wieder gut machen könnten. Aber selbst das wollen sie nicht so ohne weiteres; denn sie nehmen sich nichts selöbst heraus, sondern erwar ten die Entscheidung vom Herrn, indem sie fragen: "Willst Du?" Was erwidert also der Herr? Er verhindert es und dagt:_ "Nein, damit ihr nicht zugleich mit dem Unkraut auch den Weizen ausrottet." Das sagte er, um Kriege, Blutvergießen und Morde zu verhindern. Darum ist es auch nicht er laubt, den Häretiker zu töten, weil man sonst einen unversöhnlichen Krieg über die Welt brächte.

1: Mt 10,22
2: 1 Kor 16,13

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger