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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther

Einundvierzigste Homilie.

I.

33. 36. Aber wird Jemand sagen: Wie erstehen die Todten? Mit welchem Körper kommen sie? Unverständiger! Was du säest, wird nicht belebt, wenn es nicht zuvor stirbt.

I. Der Apostel, der sonst so mild und sanft ist, wird hier in seiner Rede, etwas bitter wegen der Ungereimtheit von Seite der Gegner. Damit jedoch begnügt er sich nicht, sondern er führt auch Gründe und Beispiele an, um die Zanksüchtigen auch dadurch zu widerlegen. Oben hatte er gesagt: „Wie durch einen Menschen der Tod, so kam durch einen Menschen die Auferstehung;“ hier aber löst er einen Einwurf von Seite der Heiden. Siehe aber, wie er das Bittere dieser Rüge neuerdings mildert; denn er spricht nicht: „Aber vielleicht fastet ihr,“ sondern er stellt den Widersprechenden als unbestimmt hin, um durch eine kühne und scharfe Sprache die Zuhörer nicht so stark zu verwunden. Er stellt aber zwei Bedenklichkeiten auf: in Bezug auf die Art und Weise der Auferstehung und in Betreff der Beschaffenheit der Leiber; denn Beides zogen die Heiden in Zweifel und sagten: Wie wird das Aufgelöste [S. 727] wieder erstehen? und: „Mit welchem Körper kommen sie?“ Was heißt aber Das: „Mit welchem Körper?“ Werden sie mit diesem verweslichen und vergänglichen oder mit einem andern erscheinen? Darauf zeigt er ihnen, daß ihre Frage nicht etwas Zweifelhaftes, sondern etwas Ausgemachtes betreffe, und spricht heftiger: „Unverständiger! Was du säest, wird nicht belebt, wenn es nicht zuvor stirbt.“ So pflegen wohl auch wir es zu machen mit Denen, welche gegen ausgemachte Dinge Widerspruch einlegen. Warum beruft er sich aber nicht sofort auf die göttliche Allmacht? Weil er es mit Ungläubigen zu thun hat; denn so oft er zu Gläubigen spricht, sind ihm die Vernunftbeweise nicht sonderlich nöthig. An einer andern Stelle sagt er: „Welcher umbilden wird den Leib eurer1 Niedrigkeit, gleichgestaltet dem Leibe seiner Herrlichkeit,“2 und lehrte damit etwas Größeres als die Auferstehung; aber er führte keine Beispiele an, sondern beruft sich statt aller Beweise auf die göttliche Macht, indem er also fortfährt: „Gemäß der Kraft, durch welche er auch vermag, sich Alles unterzuordnen.“ Hier aber führt er auch Vernunftgründe an. Nachdem er nämlich die Sache aus der Schrift bewiesen, setzt er zum Überflusse noch Dieses hinzu für Diejenigen, die nicht an die Schrift glauben, und sagt: „Unverständiger! Was du säest“ — das heißt: Du hast selbst den Beweis von Dem, was du täglich selbst thust, und du zweifelst noch? Darum nenne ich dich einen Thoren, weil du nicht einmal Das verstehst, was du tagtäglich thust, und an der göttlichen Macht zweifelst, während du doch selbst eine Auferstehung bewirkest. Mit großem Nachdrucke sagt er: „Was du säest,“ du, Sterblicher und Hinfälliger! Und siehe, wie er sich gerade jener Ausdrücke bedient, welche für seinen Gegenstand passen; denn er sagt: „Es wird nicht belebt, wenn es nicht zuvor stirbt.“ Er bedient sich nicht der eigenthüm- [S. 728] lichen Ausdrücke, die wir vom Samen gebrauchen, wie z. B. er sproßt, geht auf, fault und zerfällt, sondern solcher, die sich zunächst auf unsere Leiber beziehen, wie: „wird belebt,“ „erstirbt“, was eigentlich nicht vom Samen, sondern von den Leibern gilt. Und er sagt nicht: Es lebt auf, nachdem es erstorben ist, sondern stärker: Es lebt darum auf, weil es erstirbt. Du siehst, daß er, wie ich immer sage, das Gegentheil des Einwurfes beweiset. Was nämlich die Gegner als ein Zeichen des Nichtauferstehens ansahen, daraus beweist er die Gewißheit der Auferstehung; Denn Jene behaupteten, der Leib könne nicht auferstehen, weil er gestorben sei; er aber kehrt die Sache um und sagt, wenn er nicht sterbe, so könne er nicht auferstehen, und weil er sterbe, werde er gewiß auferstehen. Denn Christus lehrt offenbar: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, so bleibt es allein; erstirbt es aber, so trägt es viele Frucht.“3 Paulus nimmt sein Beispiel eben daher, sagt aber nicht: Es lebt nicht auf, sondern: „Es wird nicht belebt,“ wobei er sich wieder auf die Kraft Gottes bezieht, und zeigt, daß nicht die natürliche Beschaffenheit der Erde, sondern Gott Alles bewirke. Und warum führt er nicht Das an, was hier passender wäre, nämlich den menschlichen Samen? Denn auch unsere Geburt beginnt wie beim Samenkorn mit der Zerstörung. Weil es in beiden Fällen nicht Dasselbe ist; denn bei diesem (Samenkorn) ist es bedeutungsvoller: er sucht nämlich etwas Ganzes, das zerstört werden muß; im erstern Falle ist es nur ein Theil. Übrigens kommt der menschliche Samen von einem lebendigen Körper und fällt in einen lebendigen Leib; im andern Falle hingegen wird das Samenkorn nicht in einen Leib, sondern in die Erde geworfen und löst sich darin gleich einem Leichname auf. Auch in dieser Beziehung paßte das Beispiel wohl besser.

[S. 729] 37. Und wer da säet, nicht den künftigen Leib säet er.

Das oben Gesagte bezieht sich auf die Frage, wie die Todten auferstehen; was hier gesagt wird, auf das Bedenken, mit welchem Leibe sie kommen. Was heißt aber Das: „Nicht den künftigen Leib säest du?“ Nicht eine vollkommene Aehre, nicht frischen Weizen. Denn hier ist nicht mehr von der Auferstehung die Rede, sondern von der Art und Weise derselben, von der Beschaffenheit des auferstehenden Leibes, ob er in derselben oder in einer besseren und herrlicheren Gestalt erscheinen werde; und er zeigt aus eben demselben Beispiele, daß er weit vortrefflicher sein wird.

1: Ὑμῶν.
2: Philipp. 3, 21.
3: Joh. 12, 24.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger