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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther

Vierzigste Homilie.

I.

29. Ansonst, was werden Die thun, welche sich taufen lassen für die Todten, wenn Todte überhaupt nicht auferstehn? Was auch lassen sie sich taufen für sie?

I. Abermals führt er zur Bestätigung des Gesagten einen neuen Grund an, indem er sie aufmerkam macht auf Das, was Gott thut, und was sie selber thun. Es trägt aber nicht wenig bei zur Bekräftigung seiner Behauptung, daß er die Gegner selbst in Bezug auf Das, was sie thun, zu Zeugen aufruft. Welches ist nun der Sinn seiner Worte? Oder wollt ihr, daß ich zuerst sage, wie Diejenigen, die an Marcion’s Lehre krank sind, dieselben verfälschen? Zwar weiß ich, daß ich damit großes Gelächter errege; aber eben darum will ich es sagen, damit ihr jene Krankheit um so williger fliehet. Ist bei ihnen ein Katechumen gestorben, so verstecken sie einen Lebenden unter des Verstorbenen Bette; dann kommen sie zu dem Todten, reden ihn an und fragen, ob er getauft werden wolle. Da nun Dieser nicht antwortet, so spricht der unten Versteckte, daß er getauft werden wolle; und so taufen sie Diesen anstatt des Verstorbenen, gerade so, als spielten sie in einem Theater: so [S. 712] viel vermochte der Teufel über die Seelen der Leichtsinnigen. Stellt man sie dann zur Rede, so berufen sie sich auf den Ausspruch des Apostels: „Sich taufen lassen für die Todten.“ Siehst du, wie lächerlich Dieses ist? Ist es der Mühe werth, darauf Etwas zu erwidern? Ich glaube nicht: man müßte denn auch mit Rasenden über Das sprechen, was sie in ihrem Wahnsinn geredet. Damit aber Keiner der Schwächern in die Falle gerathe, so müssen wir diesen Unsinn dennoch bekämpfen. Wollte Paulus Das sagen, (was Jene meinen), warum drohte denn Gott Demjenigen, der nicht getauft wird? Denn nach jener Behauptung würde ja Keiner fortan ungetauft bleiben. Übrigens fiele die Schuld nicht auf den Todten, sondern auf die Überlebenden. Zu welchen sind nun aber die Worte gesprochen: „Wenn ihr nicht mein Fleisch essen und mein Blut trinken werdet, so werdet ihr das Leben nicht in euch haben.“1 Gelten diese Worte den Lebenden oder den Todten? Und wiederum: „Wer nicht wiedergeboren wird aus dem Wasser und dem hl. Geiste, kann das Reich Gottes nicht sehen.“2 Denn ist Das erlaubt,3 so bedarf es nicht mehr der Einwilligung von Seite des Täuflings, noch der Zustimmung des Lebenden; ja auf diese Weise können Juden und Heiden zu Christen werden, wenn nämlich ein Anderer diese Handlung nach ihrem Tode mit ihnen vornimmt, doch wir wollen nicht länger diese Spinnengewebe zerhauen und damit die Zeit unnütz vergeuden; vielmehr wollen wir den Sinn jener Worte erklären. Was also sagt Paulus? Euch, die ihr in die Geheimnisse eingeweiht (schon getauft) seid, will ich zuerst an jene Worte erinnern, die euch Diejenigen, welche euch in die Geheimnisse einführen, an jenem Abend (vor der Taufnacht) hersagen lassen, — und dann will ich den Sinn der Rede des Paulus erklären; denn so wird euch auch diese deutlicher werden. [S. 713] Denn nach allem Andern, was da gesprochen wird, setzen wir auch diese Worte des Apostels hinzu. Zwar wünschte ich, darüber offen zu reden, wage es aber nicht wegen Derjenigen, die in die Geheimnisse nicht eingeweiht sind; denn Diese erschweren uns die Erklärung, indem sie uns zwingen, entweder nicht offen zu sprechen, oder ihnen die Geheimnisse mitzutheilen; jedoch, ich will es versuchen, soweit es sich thun läßt, auch unter dieser Hülle mich verständlich zu machen. Nachdem wir nämlich jene geheimnißvollen und schauerlichen Worte gesprochen, und jene vom Himmel geoffenbarte Glaubensregel hergesagt haben, fügen wir am Ende — vor der Taufe — die Worte hinzu: „Ich glaube an die Auferstehung der Todten;“ und auf diesen Glauben werden wir getauft. Denn nachdem wir mit den Übrigen dieses Bekenntniß abgelegt haben, werden wir hinabgelassen in die Quelle jener heiligen Wasser. Daran erinnert nun Paulus und spricht: Wenn es keine Auferstehung gibt, warum lässest du dich taufen für die Todten? d. h. für die Leiber. Denn darum wirst du getauft, weil du glaubst, daß der todte Leib auferstehen und nicht todt bleiben werde. Du bekennest die Auferstehung von den Todten mit Worten; der Priester aber zeigt dir wie in einem Bilde, was du geglaubt und mit Worten bekannt hast, auch durch die Wirklichkeit selbst. Wann du glaubst ohne Sinnbild, dann hält er dir doch das Sinnbild vor Augen; wann du das Deinige gethan haben wirst, dann wird auch Gott dir Gewißheit verschaffen. Wie und auf welche Weise? Durch das Wasser. Denn getauft und untergetaucht werden und dann wieder hervortauchen ist ein Bild des Hinabsteigens in die Unterwelt und des Heraufsteigens aus derselben. Darum nennt auch Paulus die Taufe ein Grab, indem er spricht: „Mitbegraben denn sind wir mit ihm durch die Taufe auf den Tod.“4 Und daraus macht er denn auch das Zukünftige glaubwürdig, nämlich die Auferstehung der [S. 714] Leiber; denn es ist ja weit mehr, die Sünden auslöschen, als einen Leib auferwecken. Dieses sagt Christus selber aus mit den Worten: „Was ist leichter, sagen: Dir sind deine Sünden vergeben? oder sagen: Steh auf und gehe?“5 Jenes, wollte er sagen, ist schwerer; weil ihr aber Dieses nicht glaubt, indem es euch nicht augenscheinlich ist, und weil ihr ein sichtbares Wunder, was leichter ist, für schwerer ansehet; so will ich euch auch diesen Beweis meiner Kraft nicht versagen: „Dann sprach er zu dem Gichtkranken: Steh auf, nimm dein Bett und gehe in dein Haus.“

1: Joh. 6, 54.
2: Ebd. 3, 5.
3: Sich für die Todten taufen zu lassen.
4: Röm. 6, 4.
5: Matth. 9, 5. 6.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger