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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther
Vierzigste Homilie.

III.

32. Wenn ich nach Menschenweise zu Ephesus mit wilden Thieren gekämpft habe, was frommt es mir?

Was heißt Das: „nach Menschenweise?“ So viel es auf Menschen ankommt, habe ich mit wilden Thieren gekämpft, wiewohl mich Gott aus den Gefahren befreit hat. Und eben ich, der ich darum auf das Tiefste trauern sollte, bestehe so viele Gefahren, ohne bislang eine Belohnung empfangen zu haben. Denn kommt keine Zeit der Vergeltung und ist Alles auf das gegenwärtige Leben beschränkt, so ist der größere Schaden auf unserer Seite; denn ihr bestehet eures Glaubens wegen keine Gefahr, wir aber werden täglich hingeschlachtet. Dieß alles sagt er, nicht als wenn das Leiden ihm keinen Gewinn brächte, sondern wegen der Schwachheit Vieler, die er im Glauben an die Auferstehung befestigen wollte; auch nicht aus Lohnsucht thut er’s; denn es ist ihm Lohnes genug, es darum zu thun, weil es Gott so gefällt. Darum sprach er auch jene Wörter „Wenn wir bloß in diesem Leben auf Christus hoffen, sind wir die elendesten aller Menschen.“ Er sagte Dieses auch dort ihretwegen, indem er sich herabließ, durch die Furcht vor diesem Unglück ihren Unglauben bezüglich [S. 718] der Auferstehung zu verbannen, übrigens ist es ein großer Gewinn, in Allem Christo gefallen; ein großer Gewinn ist es, um seinetwillen sich Gefahren hingeben ohne Rücksicht auf Lohn. „Wenn Todte nicht auferstehen, so lasset uns essen und trinken! denn morgen sterben wir.“ Diese Worte sind ironisch; darum spricht er sie nicht aus sich selbst, sondern führt den Isaias mit seiner erhabenen Propheten-Sprache an, der von den Unglücklichen und Verzweifelten also spricht: „Die da Rinder würgen, Schafe schlachten, Fleisch essen und Wein trinken; die da sagen: lasset uns essen und trinken, denn morgen sterben wir. Dieses dringt zu den Ohren des Herrn der Heerschaaren; und diese Sünde wird nicht nachgelassen, bis ihr sterbet.“1 Wenn nun aber Jene, die damals eine solche Sprache geführt, sträflich erschienen, so sind es die Christen weit mehr. Um alle Härte zu vermeiden, verweilt er nicht länger bei Aufzählung des Ungereimten, sondern fängt wieder an, zu ermahnen, indem er spricht:

33. Laßt euch nicht verführen; schlimmer Verkehr verderbt gute Sitten.

Hiermit tadelt er sie zum Theile als Unverständige (gute Sitten nennt er mit milderem Ausdruck die leicht zu verführenden): zum Theil aber auch verzeiht er ihnen das früher Geschehene, und wälzt den größten Theil der Schuld von ihnen ab und auf Andere über, um sie auch dadurch zur Besserung zu bewegen. Dasselbe thut er auch im Briefe an die Galater, da er spricht: „Der aber, welcher euch verwirrt, wird das Straf-Urtheil tragen, wer immer er ist.“2

[S. 719] 34. Ernüchtert euch, wie es recht ist, und sündiget nicht!

Er spricht wie zu Berauschten und Rasenden. Denn Alles auf einmal aus den Händen werfen, Das ist die Art der Betrunkenen und Rasenden, die nicht mehr sehen, was sie früher gesehen, und nicht mehr an Das glauben, was sie früher bekannt haben. Was heißt aber: „wie es recht ist?“ Das heißt: Wie es für euch heilsam und nützlich ist; denn unrecht ernüchtert sein hieße, wenn Jemand zum Verderben seiner Seele aufgeweckt wäre. Sehr treffend setzt er auch bei: „Sündiget nicht,“ wodurch er anzeigt, daß darin der Same ihres Unglaubens liege. Auch anderswo gibt er zu verstehen, daß ein schlechtes Leben schlechte Lehren erzeuge, wie wann er sagt: „Eine Wurzel aller Übel ist die Habsucht; welcher nachjagend, Etliche von dem Glauben abgeirrt sind.“3 Denn Viele, die sich böser Dinge bewußt sind, fürchten sich vor der Strafe, und diese Furcht schwächt in ihnen den Glauben an die Auferstehung; während hingegen Diejenigen, welche viel Gutes gethan, täglich jenen Tag zu schauen sich sehnen. „Denn Etliche haben keine Kenntniß von Gott; an’s Ehrgefühl rede ich euch.“ Sieh, wie er die Schuld wieder auf Andere wirft; denn er sagt nicht: Ihr habt keine Kenntniß; sondern: „Einige haben keine Kenntniß.“ An der Auferstehung zweifeln, heißt zweifeln an der unüberwindlichen und allmächtigen Kraft Gottes. Denn wenn er Alles, was da ist, aus Nichts hervorgebracht hat, so wird er um so mehr das Aufgelöste wieder herstellen können. Weil sie nun Paulus hart angegriffen und scharf getadelt hatte, indem er ihnen Schwelgerei, Unverstand und Unwissenheit zum Vorwurf gemacht, so mildert er nun wieder die Sprache und sagt: „An’s Ehrgefühl rede ich euch,“ d. h. um euch zu bekehren, zu gewinnen, so daß ihr, vom Ehr- [S. 720] gefühle ergriffen, bessere Menschen werdet. Denn er fürchtete, bei gar zu heftigen Vorwürfen sie ganz abwendig zu machen.

1: Isai. 22, 13. 14.
2: Gal. 5, 10.
3: I. Tim. 6, 10.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger