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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther

Neununddreissigste Homilie.

I.

11. Sei es nun ich, seien es Jene; so predigen wir, und so habt ihr geglaubt.

I. Paulus hatte die Apostel erhoben, sich aber herabgesetzt und dann sich wieder über jene erboben, um sich ihnen gleichzustellen; — und diese Gleichstellung bewirkte er dadurch, daß er einmal sich unter sie erniedrigte, das andere Mal sich über sie erhob, — um somit auch sich selber als glaubwürdig darzustellen; dann aber stellt er sich wieder auf dieselbe Stufe mit ihnen, um so die Übereinstimmung mit Christus zu zeigen. Er thut es aber auf eine solche Weise, daß er nicht als ein Mann erscheint, der sich wegwirft, sondern daß auch er mit ihnen den gleichen Rang einnimmt; denn so war es für das Predigtamt nützlich. Das Eine wie das Andere sucht er zu verhüten, den Schein, als verachte er die Apostel, und den Schein, als sei er selbst wegen der Ehre, die er Jenen erweist, seinen Untergebenen verächtlich. Darum stellt er sich ihnen hier gleich mit den Worten: „Sei es nun ich, seien es Jene; [S. 683] so predigen wir, und so habt ihr geglaubt.“ Er will sagen: Lernet, von wem ihr wollet, zwischen uns besteht ja kein Unterschied! Er sagt nicht: Wenn ihr mir nicht glauben wollet, so glaubet Jenen, sondern er stellt sich selber als glaubwürdig hin und sagt, daß er für sich allein, und auch Jene für sich ausreichen; der Unterschied der Personen hatte Nichts zu bedeuten, da sie an Ansehen gleich waren. Dasselbe thut er auch im Briefe an die Galater, indem er sie neben sich stellt, nicht als bedürfe er ihrer, sondern zeigend, daß er für sich allein hinreiche: „Mir haben Die, so da galten,1 Etwas zu sein, Nichts beigelegt;“2 ich stimme jedoch mit ihnen ganz überein. „Denn“, sagt er, „sie gaben mir den Handschlag.“3 Denn wäre es nothwendig gewesen, daß Paulus in Bezug auf seine Glaubwürdigkeit sich auf Andere stützte und auf ihr Zeugniß berief, so wäre daraus für seine Schüler ein unberechenbarer Nachtheil entstanden. Also nicht um sich selbst zu erheben, thut er Dieses, sondern aus Besorgniß um das Evangelium. Darum sagt er auch hier, indem er sich den Andern gleich stellt: „Sei es nun ich, seien es Jene; so predigen wir.“ Treffend sagt er: „wir predigen“ und zeigt so großes Selbstvertrauen und Redefreiheit; denn wir reden nicht geheim und verborgen, sondern lauter als Posaunenschall erbeben wir unsere Stimme. „Und so habt ihr geglaubt.“ Er sagt nicht: Wir haben gepredigt, sondern er redet in der Gegenwart: „Wir predigen.“ „Und ihr habt geglaubt.“ Hier sagt er nicht: Ihr glaubt, sondern: „Ihr habt geglaubt.“ Weil sie schwankten, beruft er sich auf die frühere Zeit und führt sie selber als Zeugen an.

[S. 684] 12. Wenn aber Christus geprediget wird, daß er von den Todten erstanden ist, wie sagen Einige unter euch, es gebe keine Auferstehung der Todten?

Nachdem er viele Beweise für die Auferstehung vorausgeschickt hat, beweist er sie bündig aus der Auferstehung Christi.4 Denn, sagt er, die Propheten haben dieselbe geweissagt; der Herr hat sie durch seine Erscheinung bewährt; wir predigen sie, und ihr habt sie geglaubt. Er bringt also aus der Weissagung der Propheten, aus der Erfüllung derselben, aus der Predigt der Apostel und dem Glauben ihrer Schüler ein vierfaches, oder eigentlich gar ein fünffaches Zeugniß; denn der Grund seines Todes, daß er nämlich für die Sünden Anderer gestorben, spricht gleichfalls für seine Auferstehung. Ist aber diese Auferstehung erwiesen, so geht offenbar daraus hervor, daß auch die Todten auferweckt werden. Darum äussert er darüber als über eine allgemein anerkannte Sache sein Befremden und spricht: „Wenn aber Christus erstanden ist, wie sagen Einige unter euch, es gebe keine Auferstehung der Todten?“ wodurch er auch auf diefe Weise ihrem frechen Widerspruch vorbeugt. Er spricht aber Nicht: wie ihr sagt, sondern: „wie Einige unter euch sagen,“ und führt auch Diejenigen, gegen die er Klage führt, nicht namentlich an, um sie nicht noch schamloser zu machen, verhehlt ihr Gebahren aber nicht ganz, um sie zurechtzuweisen. So scheidet er sie aus der Volksmasse aus und rüstet sich zum Kampfe wider sie, versetzt sie so in Schrecken und Ohnmacht, befestigt zugleich die Andern in der Wahrheit und sichert sie gegen die Angriffe Jener und bewahrt sie vor der Verführung. Mit gewichtiger und ernster Rede greift er sie an. Damit sie ferner nicht einwenden möchten: daß Christus erstanden, Das sei [S. 685] klar und Allen bekannt, und Niemand zweifle daran; daraus folge aber keineswegs die Auferstehung der Menschen; denn Christi Auferstehung sei vorhergesagt gewesen und sei eingetroffen und durch seine Erscheinung bestätigt, die unsere hingegen werde nur erst gehofft; — sieh’, was er thut! Er sucht einen schlagenden Beweis von einer andern Seite, indem er spricht: „Wie behaupten denn Einige, daß es keine Auferstehung der Todten gebe?“ Dadurch wird ja geläugnet, daß Christus erstand. Darum fügt er die Worte bei:

13. Wenn es aber eine Auferstehung der Todten nicht gibt, so ist auch Christus nicht auferstanden.

Siehst du die gewaltige Kraft und den unüberwindlichen Eifer des Paulus, wie er den Gegnern nicht nur das Ungewisse aus Dem, was gewiß und anerkannt ist, sondern auch eben das Anerkannte aus dem Ungewissen zu beweisen bemüht ist? Nicht als bedürfe das Geschehene eines Beweises, sondern weil er zeigen wollte, daß das Eine eben so glaubwürdig sei als das Andere.

1: D. h. die ursprünglichen, älteren Apostel.
2: Gal. 2, 6.
3: Ebend. 2, 9.
4: Apostelg. 10, 40. 43.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger