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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther
Neununddreissigste Homilie.

III.

19. Wenn wir bloß in diesem Leben auf Christus hoffen, dann sind wir die elendesten aller Menschen.

Was sagst du, Paulus? Wie hoffen wir denn bloß in diesem Leben, wenn auch die Leiber nicht auferstehen, die Seele aber bleibt und unsterblich ist? Mag sie immerhin fortleben und tausendmal unsterblich sein, wie sie es denn in der That ist, so wird sie doch ohne den Leib weder jenes unaussprechlichen Glückes genießen, noch gestraft werden ohne denselben. „Denn Alles muß offenbar werden vor dem Rickterstuhle Christi, damit Jeglicher entgegen nehme das durch den Leib (Vollbrachte), gemäß Dem, was er vollbracht hat, sei es Gutes, sei es Böses!“1 Darum sagt er: „Wenn wir bloß in diesem Leben auf Christus hoffen, sind wir die elendesten aller Menschen.“ Denn wenn der Leib nicht aufersteht, so bleibt die Seele unbelohnt und ausgeschlossen von der himmlischen Seligkeit; und in diesem Zustande werden wir gar Nichts empfangen, und wenn wir alsdann gar Nichts empfangen, so ist die Zeit der Belohnung in diesem Leben. Und wer ist dann wohl elender als wir? Dieses sagte er, um sie im Glauben an die Auferstehung der Leiber zu stär- [S. 690] ken und von dem zukünftigen ewigen Leben zu überzeugen, damit sie nicht wähnten, alles Unsrige erreiche mit diesem Leben sein Ende. Er hatte seinen Gegenstand durch das Vorhergehende schon gehörig bewiesen, indem er sprach: Wenn die Todten nicht auferstehen, so ist auch Christus nicht auferstanden; ist aber Christus nicht auferstanden, so sind wir verloren, wir sind noch in unsern Sünden. Dieses sagt er nun abermals, um ihren Stolz zu erschüttern; denn so oft er eine wichtige Glaubenswahrheit einschärfen will, versetzt er zuerst ihre verstockten Herzen in Furcht. Das hatte er schon oben gethan, indem er sie durch die Vorstellung, daß Alles verloren sei, in Angst und Schrecken versetzte; hier aber regt er ihren Schmerz auf eine andere Weile darüber an mit den Worten: „Wir sind die elendesten aller Menschen,“ wenn wir nach so vielen Kriegen, Todesarten und zahllosen Übeln jene großen Güter verlieren und unsere Hoffnung lediglich auf das gegenwärtige Leben beschränkt ist; denn von der Auferstehung hängt Alles ab. Also erhellet auch daraus, daß er nicht von den Sünden rede, sondern von der Auferstehung der Leiber und von dem gegenwärtigen und zukünftigen Leben.

20. Nun aber ist Christus auferstanden von den Todten als Erstling unter den Entschlafenen.

Nachdem er die bösen Folgen gezeigt, die aus dem Mangel des Glaubens an die Auferstehung hervorgehen, wiederholt er Dieses und spricht: „Nun aber ist Christus auferstanden von den Todten;“ beständig setzt er hinzu: „von den Todten,“ um den Ketzern den Mund zu stopfen. „Als Erstling der Entschlafenen.“ Ist er aber der Erstling, so werden auch Diese auferstehen. Wenn aber der Apostel unter Auferstehung die Befreiung von der Sünde verstand. Niemand aber sündenlos ist (denn Paulus sagt: „Ich bin mir zwar Nichts [S. 691] bewußt, jedoch nicht darin bin ich gerechtfertigt“2 : wie werden dann nach eurer Meinung Einige auferstehen? Siehst du also, daß er von der Auferstehung der Leiber redet? Und um Dieses glaubwürdig zu machen, beruft er sich immer auf Christus, der dem Fleische nach auferstanden ist. Dann gibt er auch noch den Grund davon an. Denn, wie gesagt, hätte er diese Wahrheit nur ausgesprochen, ohne den Grund anzuführen, so würden die Meisten nicht so leicht geglaubt haben. Welches ist nun der Grund?

21. Denn da einmal durch einen Menschen der Tod (ist, so) auch durch einen Menschen die Auferstehung der Todten.

Geschah es aber durch einen Menschen, so war es offenbar ein Mensch, der einen Leib hat. Betrachte aber seine Klugheit, — wie er nämlich auch auf eine andere Weise darthut, daß es so habe geschehen müssen. Denn der vom Tode Besiegte mußte die gefallene Natur wieder herstellen und ihn (den Tod) überwinden; denn nur so konnte er die Schmach hinwegnehmen. Sehen wir aber, von welchem Tode er spricht!

22. Und wie in Adam Alle sterben, so werden auch in Christus Alle lebendig gemacht werden.

Wie nun, sage mir, sind denn Alle, die in Adam starben, den Tod der Sünde gestorben? Wie war denn Noe gerecht in seinem Geschlechte? wie denn Abraham? wie denn Job? wie denn alle Andern? Sage mir doch, wie sollen denn Alle in Christus wieder lebendig gemacht werden? Und wo sind denn Diejenigen, die in die Hölle verstoßen werden? Wohl möchte Dieses geschehen, wenn von [S. 692] der Auferstehung der Leiber die Rede ist, keineswegs aber, wenn man es von der Gerechtigkeit und der Sünde versieht. Ferner, damit man nicht glaube, die Wiedererweckung geschehe bei Allen ohne Unterschied, und auch die Sünder würden gerettet, setzt er hinzu:

23. Jeglicher aber in seiner Stelle.

Wenn von der Auferstehung gesprochen wird, darfst du nicht wähnen, daß Alle derselben Güter theilhaftig werden. Denn wenn bei der Strafe ein großer Unterschied ist und nicht Alle der gleichen Strafe verfallen, so wird um so mehr zwischen Sündern und Gerechten ein Unterschied sein. „Als Erstling Christus, hierauf Die, welche Christi sind,“ d. h. die Gläubigen und die Bewährten.

24. Darnach das Ende;

denn nachdem Jene auferstanden sind, werden alle Dinge ein Ende nehmen, nicht wie jetzt, da nach der Auferstehung Christi noch Alles fortbesteht. Darum setzt er auch bei: „bei seiner Wiederkunft,“ damit du einsehest, daß er von jenem Zeitpunkte rede: „Sobald er das Reich Gott und dem Vater wird übergeben haben; wann er alle Herrschaft und alle Gewalt und Macht vernichtet hat.“

1: II. Kor. 5, 10.
2: I. Kor. 4, 4.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger