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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther

Achtunddreissigste Homilie.

I.

Kap. XV.

1. 2. Ich bringe euch, Brüder, das Evangelium in Erinnerung, das ich euch gepredigt habe, welches ihr auch angenommen habt, in welchem ihr auch feststehet, durch welches ihr auch errettet werdet, so ihr, in welcher Weise ich es euch verkündigt habe, daran festhaltet.

I. Nachdem der Apostel die Rede über die Geistesgaben beendigt, geht er zu dem allerwichtigsten Gegenstand über, zur Lehre von der Auferstehung; denn in diesem Punkte waren die Korinther von einer bösen Krankheit befallen. Gleichwie in einem Körper, wenn Fieberhitze alle seine festen Theile: Nerven und Adern und alle Lebenskräfte durchdringt, das Übel unheilbar wird, woferne nicht ernstlich Hilfe versucht wird; so war für sie damals eine ähnliche Gefahr zu befürchten; denn das Übel hatte schon die innersten Lebenskräfte der Gottseligkeit ergriffen. Darum verwendet Paulus so große Mühe auf die Heilung desselben. [S. 661] Denn hier handelte es sich nicht mehr um den Lebenswandel; nicht mehr darum, daß der Eine unzüchtig, der Andere habsüchtig wäre, wieder ein Anderer mit bedecktem Haupte erschiene; sondern hier galt es die eigentliche Quelle der Tugend: denn sie waren über die Auferstehung selbst unter einander zerfallen. Denn weil auf dieser unsere ganze Hoffnung beruht, so widersetzte sich ihr der Teufel gar heftig: bald läugnete er sie kurzweg, bald lehrte er, sie sei schon geschehen; daher nannte auch Paulus in seinem Briefe an Timotheus diese schädliche Lehre einen Krebsschaden, und brandmarkte Diejenigen, die sie verbreiteten, indem er sagte: „Zu ihnen gehört Hymenäus und Philetus, welche von der Wahrheit abgekommen sind, behauptend, die Auferstehung sei schon geschehen, und Einige im Glauben verwirren.“1 Einmal lehrten sie Dieses; ein ander Mal behaupteten sie, der Leib erstehe nicht wieder, sondern die Auferstehung sei nur eine Reinigung der Seele. Dazu beredete sie der böse Feind, indem er dadurch nicht nur den Glauben an die Auferstehung vertilgen, sondern Alles, was für uns geschehen ist, als Fabel darstellen wollte. Denn gelang es ihm, sie zu bereden, es gebe keine Auferstehung der Leiber, so würde er ihnen allmälig beigebracht haben, auch Christus sei nicht erstanden. In fernerem Verlaufe würde er seine Ankunft und sein Erlösungswerk in Frage gestellt haben. So beschaffen ist die Bosheit des Teufels; darum nennt sie Paulus auch Arglist,2 weil der Teufet eine Sache nicht offen und geradezu angreift, damit man ihn nicht erkenne, sondern Anderes redet und Anderes denkt, wie der listige Feind, der eine Stadt erobern will, heimlich die Mauern von unten herauf untergräbt, damit man sich so gegen ihn nicht so leicht schützen, und er sein Vorhaben glücklich ausführen könne. Darum sprach dieser große und bewunderungswürdige Mann, der seine Fallstricke immer [S. 662] entdeckte und seine Nachstellungen zu enthüllen verstand: „Denn seine Gedanken sind uns nicht unbekannt.“3 Paulus enthüllt hier dessen ganze List, und zeigt alle seine Ränke, und durchgeht der Reihe nach die falschen Lehren, die er aufbringen will. Er behandelt diesen Gegenstand darum auch zuletzt, weil er bei Weitem der wichtigste ist, und den Inbegriff unseres ganzen Glaubens enthält. Und sieh seine Weisheit! Denn vorerst bestärkt er die Gläubigen, und dann greift er in weiterem Verlaufe der Rede auch die Heiden an, und stopft ihnen kräftig den Mund. Die Gläubigen bestärkt, er aber nicht durch Vernunftschlüsse, sondern durch Thatsachen, die sie als wirklich geschehen angenommen und geglaubt hatten. Dieses war vorzüglich geeignet, sie zu beschämen, und hinreichend, sie beim Glauben zu erhalten. Denn wollten sie nach Diesem nicht mehr glauben, so versagten sie nicht etwa dem Paulus den Glauben, sondern sich selber: so fiel die Schuld auf sie selber, wenn sie einmal die Lehre annahmen und dann wieder verwarfen. Darum beginnt er damit, daß er zeigt, es bedürfe keiner andern Beweise für die Wahrheit seiner Lehre, als eben des Zeugnisses dieser Betrogenen. Damit aber Das, was ich sage, deutlicher werde, wollen wir seine eigenen Worte hören. Wie lauten nun diese? „Kund gebe ich euch, Brüder, das Evangelium, welches ich euch geprediget habe.“ Siehst du, wie gelinde er anfängt? Wie er gleich Anfangs zeigt, daß er nichts Neues, nichts Fremdes einführe? Wer Etwas in Erinnerung bringt, der führt früher Bekanntes und dann Vergessenes wieder in’s Gedächtniß zurück. Schon durch die Benennung: „Brüder“ gibt er seinen Worten keine geringe Beglaubigung; denn „Brüder“ sind wir nur geworden durch die Menschwerdung und das Erlösungswerk Christi. Darum, nennt er sie also, wodurch er sie besänftigt und beschwichtigt und zugleich an die zahllosen Güter erinnert. Und was darauf [S. 663] folgt, bekräftigt wieder Dasselbe. Und was ist Das? Das Evangelium; denn der Hauptinhalt des Evangeliums beginnt damit, daß Gott Mensch geworden, gekreuzigt worden und auferstanden ist. Dieses hat auch Gabriel der Jungfrau, Dieses haben alle Propheten der Welt, Dieses alle Apostel verkündet. „Das ich euch gepredigt habe, welches ihr auch angenommen habt, in welchem ihr auch feststehet, durch welches ihr auch errettet werdet, so ihr, in welcher Weise ich es euch verkündiget habe, daran festhaltet, es sei denn, daß ihr vergeblich geglaubt hättet.“ Siehst du, wie er sie als Zeugen für das Gesagte aufruft? Er sagt nicht: welches ihr gehört habt, sondern: „welches ihr angenommen habt,“ und fordert es von ihnen als ein anvertrautes Gut, und gibt zu verstehen, daß sie nicht bloß durch Worte, sondern auch ob der Zeichen und Wunder geglaubt haben, und darin befestigt seien.

1: II. Tim. 2, 17. 18.
2: Μεθοδείαν arglistigen Kunstgriff.
3: II. Kor. 2, 11.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger