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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther
Siebenunddreissigste Homilie.

IV.

Darum scheuen sich auch die Propheten nicht, ähnliche Worte zu brauchen, wenn sie die Unzucht der Juden ausrotten wollen; ja sie führen eine noch kühnere Sprache, als wir jetzt vor euch geführt haben. Wenn der Arzt faule Theile ausschneiden will, so ist es ihm nicht darum zu thun, seine Hände rein zu bewahren, sondern den Kranken von den faulen Theilen zu befreien. Wer einen Liegenden aufrichten will, muß sich selbst zuerst bücken. Wer seinem Gegner nach dem Leben strebt, befleckt sich dabei selber mit Blut und sucht darin einen größeren Ruhm. Denn der Krieger, der befleckt mit dem Blute und dem zerschmetterten Gehirne des Feindes aus dem Kampfe zurückkehrt, wird darum nicht gehaßt und verabscheut, sondern nur desto mehr bewundert. So wollen auch wir es machen, wenn wir sehen, daß Jemand, nachdem er die böse Lust besiegt hat, die Zeichen des Kampfes an sich trägt; wir wollen ihn um so mehr bewundern, an seinem Kampf und Siege Theil nehmen und zu den Liebenden sagen: Zeigt uns die Wonne, die aus der Wollust entspringt! Dem Keuschen bringt dieser Sieg ein eigenes Vergnügen, du aber hast keines. Willst du der sinnlichen Wollust erwähnen, so ist dagegen jene sicherer und dauerhafter; denn der Sinnengenuß bringt dir ein augenblickliches, kaum bemerkbares Vergnügen; Jener aber findet in seinem guten Gewissen eine weit größere, eine beständige und eine süßere Freude. Die Enthaltsamkeit macht die Seele furchtloser und gibt ihr einen höheren Schwung als der Umgang mit Weibern. Der Keusche stellt uns, wie ich schon sagte, seine Wonne klärlich vor Augen; an dir aber sehe ich Nichts als Verdruß darüber, daß du besiegt bist; suche ich aber nach [S. 659] einem Vergnügen, so finde ich es nicht. Wann meinst du ein Vergnügen zu haben? Etwa vor jenem thierischen Genusse? Da hast du keines; denn das ist ja der Augenblick der Raserei, des Wahnsinnes, der Geistesverwirrung. Denn mit den Zähnen knirschen und in Geistesverwirrung gerathen ist doch kein Zeichen der Wonne; wäre es aber ein Beweis des Vergnügens, so würdest du Denen gleich werden, welche heftige Schmerzen erdulden. Denn die Faustkämpfer, sowohl diejenigen, die Hiebe austheilen, als diejenigen, die solche erhalten, knirschen mit den Zähnen; auch die kreisenden Weiber, von Schmerzen gefoltert, thun ja Dasselbe. Darum ist es kein wahres Vergnügen, sondern vielmehr Geistesverwirrung, Unruhe und Unordnung. Oder nach dem Genusse? Auch da nicht. Von einem Weibe, das geboren hat, sagen wir nicht, daß es sich in einem Zustande der Wonne befinde, sondern daß es von den Wehen befreit sei; Das ist aber doch wohl keine Wonne, sondern eher ein Zustand der Schwäche und Ohnmacht; der Unterschied ist da bedeutend. Sage mir also: Wann ist denn die Zeit des Wonnegenusses? Es gibt keine solche Zeit; und wenn es eine gibt, so ist sie so kurz, daß ste nicht bemerkt werden kann. Und wenn wir uns tausendmal mühen, die Lust zu erhaschen und festzuhalten, so können wir’s nicht. Dagegen zeigt sich der Hochgenuß des Enthaltsamen überall und vor aller Welt, ja sein ganzes Leben ist ein Hochgenuß, indem sein Gewissen ihm Beifall zollt, die brausenden Wogen beschwichtigt sind und von keiner Seite mehr ein Sturm entsteht. Wenn nun Dieser größere Wonne genießt, der Wüstling hingegen in Kummer und Unruhe lebt, so lasset uns die ungeordnete Lust fliehen; lasset uns nach Enthaltsamkeit streben, damit wir auch der künftigen Güter theilhaftig werden durch die Gnade und Menschenfreundlichkeit u. s. w. Amen. [S. 660]

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger