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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (In Matthaeum homiliae I-XC)
Fünfundvierzigste Homilie. Kap.XIII,V.10-23.

3.

Hältst du es denn nicht für etwas Großes, den Becher zu halten, aus dem Christus trinken, den er zu seinem Munde führen will? Weißt du nicht, daß es sonst nur dem Priester erlaubt ist, den Kelch des Blutes zu reichen? Ich aber, sagt der Herr, schaue da nicht so genau darauf; wenn du mir den Kelch reichst, nehme ich ihn an; und wenn du ein Laie bist, weise ich ihn nicht zurück. Auch verlange ich nicht dasselbe zurück, was ich gegeben habe, denn ich will ja nicht Blut, sondern nur firsches Wasser.

Da bedenke wohl, wer es ist, dem du zu trinken gibst, und sei voll heiliger Furcht. Bedenke, daß du1 ein Priester Christi wirst, indem du mit eigener Hand nicht Fleisch, sondern Brot, nicht Blut, sondern einen Becher frischen Wasser darbietest. Christus hat dich mit dem Gewand des Heiles bekleidet2 , hat dich selbst in eigener Person bekleidet; bekleide du ihn wenigstens durch deinen Diener3 . Er hat dir die Herrlichkeit des Himmels verliehen; befreie du ihn wenigstens von Kälte, Blöße und Scham. Er hat dich zum Mitbürger der Engel gemacht; teile du wenigstens dein Dach mit ihm, nimm ihn wenigstens so wie deinen Diener in dein Haus auf. Ich weise diese Behausung nicht zurück, obgleich ich selbst dir den ganzen Himmel geöffnet habe.Ich habe dich aus dem schrecklichsten Gefängnis erlöst; ich verlange nicht das glleiche von dir;ich sage nicht: Befreie mich; mir gereicht es schon zum Troste, wenn du nur in meinen Ketten nach mir siehst. Ich habe dich vom Tode auferweckt; von dir selbst verlange ich aber nicht dasselbe, sondern sage nur: Wenn ich krank bin, komme wenigstens mich zu besuchen.

Wenn also auf der einen Seite die Gaben so groß sind, und die geforderten Gegengaben so gering, und wir nicht einmal das geben wollen, welche Höllenstrafen verdienen wir dann nicht dafür! Da werden wir ganz mit Recht dem Feuer überantwortet, das dem Teufel und seinen Engeln bereeitetv ist, wenn wir uns noch härter zeigen als Steine. Oder welche Unempfindsamkeit verrät es nicht, wenn wir trotz solcher Gaben, trotz solcher Verheißungen zu Sklaven unseres Geldes werden, das wir doch bald auch wider Willen verlassen müssen? Andere haben ihr eigenes Leben hinge geben und ihr Blut vergossen; du willst nicht einmal deinen Überfluß für das Himmelreich, für so herrliche Siegeskränze opfern! Welche Nachsicht solltest du da noch verdienen,welche Entschuldigung, wenn du freudig alles hingibst, um deinen Acker zu besäen, und kein Opfer scheust, um anderen Menschen auf Zinsen zu leihenm, dagegen hart und unmenschlich bist, sobald es gilt, deinen Herrn durch die Armen zu ernähren?

Das alles wollen wir also erwägen, und wollen bedenken, wieviel wir empfangen haben, wieviel uns in Aussicht gestellt ist, wie wenig von uns selbst verlangt wird, und wollen uns mit ganzem Eifer der Übung der Tugend hingeben. Werden wir doch endlich sanftmütig und liebevoll4 , damit wir nicht die unerträgliche Verdammnis uns zuziehen! Oder was wäre nicht alles imstande, unsere Verurteilung zu bewirken? Daß wir so große und so herrliche Gnaden erlangten, daß gar keine großen Anforde rungen an uns gestellt werden, daß nur solche Dinge von uns verlangt wer den, die wir auch wider Willen hienieden zurücklassen müssen, daß wir so großen Eifer in weltlichen Dingen an den Tag legen? Jeder einzelne von diesen Umständen wäre für sich allein schon genügend zu unserer Verurtei lung; wenn aber gar alles zusammentrifft, welche Hoffnung auf Rettung bleibt uns dann noch?

Damit wir also diesem ganzen Gerichte entfliehen, wollen wir uns wenigstens einigermaßen gegen die Armen freigebig zeigen. Dann werden uns die zeitlichen und auch alle himmlischen Güter zuteil werden, die wir alle erlangen mögen durch die Gnade und Liebe unseres Herrn Jesus Christus, dem Ehre und Macht sei in alle Ewigkeit. Amen!

1: gleichsam
2: Is 61,10
3: d.h.schicke wenigstens deinen Diener zu den Armen, wenn du nicht selbst gehen willst
4: gegen den Nächsten

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger