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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther

Achtundzwanzigste Homilie.

I.

28. Es prüfe sich aber selber der Mensch; und so esse er von diesem Brode und trinke von diesem Kelche!

I. Was sollen diese Worte, da ja hier von einem andern Gegenstande die Rede ist? Paulus pflegt, wie ich schon früher bemerkte, nicht bloß über den Gegenstand, den er eben vor sich hat, zu sprechen, sondern auch sorgfältig zu behandeln, was damit in Verbindung steht, besonders wenn es etwas recht Wichtiges und Dringendes ist. So kam er nämlich, während er über die Verehelichten sprach, auch auf die Sklaven zu reden und verbreitete sich darüber weitläufig und kräftig. Als er über das Ungeziemende sprach, vor Gericht Streithändel zu führen, nahm er Anlaß, auch von der Habsucht zu reden, und handelte darüber recht weitläufig. Dasselbe thut er nun hier. Da er nun einmal der Heiligen Geheimnisse Erwähnung thun mußte, so hielt er es für nothwendig, den Gegenstand weiter auszuführen; denn er ist von hoher Bedeutung; darum spricht er schrecklich davon, indem er es als den höchsten Segen darstellt, denselben mit reinem Gewissen zu nahen. Deßhalb be- [S. 478] gnügt er sich nicht mit dem früher Gesagten, sondern fährt fort und spricht: „Es prüfe sich aber selber der Mensch!“ was er auch im zweiten Brief sagt: „Untersuchet euch selbst! Prüfet euch selbst!“1 nicht so, wie wir es jetzt machen, indem wir uns mehr dnrch die Zeit als durch frommen Sinn bestimmen lassen, die heilige Kommunion zu empfangen. Denn wir sind nicht darauf bedacht wohlvorbereitet, von unsern Sünden gereinigt und mit zerknirschtem Herzen zu nahen, sondern wir begnügen uns, Dieses an Festtagen zu thun und wann Alle hinzugehen. Allein so lautet nicht Pauli Befehl; er kennt nur eine gelegene Zeit, zur Kommunion hinzuzutreten, nämlich, wenn man ein reines Gewissen hat. Denn wenn wir, um nicht eine Beute des Todes zu werden, mit Fieber und bösen Säften behaftet, an keinem Gastmahle Theil nehmen, so ist es ein weit größerer Frevel, dieses heilige Mahl zu berühren, — wenn wir voll böser Gelüste sind, die gefährlicher sind als das Fieber. Wenn ich aber von bösen Gelüsten rede, so meine ich die Fleischeslust, die Geldsucht, die Zornwuth, die Rachsucht, kurz alles Schlechte. Wer nun dieses heilige Opfer zu berühren gedenkt, der muß Dieß alles abgethan haben; er darf nicht nachlässig und elend sich durch einen Festtag bestimmen lassen, hinzuzutreten, aber auch, wenn er reumüthig und vorbereitet ist, sich nicht zurückziehen, wenn auch kein Festtag einfällt; denn das Fest besteht in der Ausübung guter Werke, in der Frömmigkeit der Seele, in der Reinheit des Wandels; besitzest du Dieses, so kannst du immerfort Festtag haben und hinzutreten. Darum heißt es: „Jeder prüfe sich selbst“ und dann trete er hinzu! Er will nicht, daß Einer den Andern, sondern daß Jeder sich selbst prüfe und insgeheim richte und sich ohne Zeugen erforsche.

[S. 479] 29. Denn wer unwürdig ißt und trinkt, der ißt und trinkt sich das Gericht des Herrn.

Was redest du da? Sollte das Mahl, die Ursache so großer Gnaden, die Quelle des Lebens, zum Gerichte werden? Das geschieht nicht durch seine Natur, sondern durch den Willen Desjenigen, der daran Theil nimmt. Denn gleichwie die persönliche Gegenwart des Herrn, der uns diese großen und geheimnißvollen Güter gebracht hat. Denjenigen, die ihn nicht aufnahmen, zu größerer Verdammniß gereichte, so bringen auch diese Geheimnisse eine größere Strafe über Diejenigen, welche daran unwürdig Theil nehmen. Warum aber ißt sich ein Solcher das Gericht? „Weil er den Leib des Herrn nicht unterscheidet,“ d. h. weil er nicht untersucht, nicht bedenkt, wie es sich ziemte, die Größe dieses Opfers, nicht erwägt den hohen Werth dieses Geschenkes. Denn wenn du es recht erkanntest, wer da gegenwärtig ist, und wer es sei, der sich selber gibt, und wem er sich gibt: so bedürftest du wohl keiner ferneren Mahnung, sondern Das würde dir genügen, recht wachsam zu sein, falls du nicht gar tief gefallen bist.

30. Darum sind unter euch viele Kranke und Schwache, und Viele schlafen.

Hier führt er keine Beispiele von Andern an, wie er bezüglich der Götzenopfer die alten Geschichten und die Strafen in der Wüste erzählte, sondern er wählt seine Beispiele aus den Korinthern selbst; und darum macht seine Rede auch größern Eindruck. Da er nämlich gesagt hatte: „Der ißt sich das Gericht,“ „der ist schuldig,“ — so beruft er sich auf Thatsachen und fordert sie selbst als Zeugen auf, damit es nicht scheine, als seien Das leere Worte; Das war schärfer als Drohworte, weil er zeigt, daß die Drohung wirklich in Erfüllung gegangen. Aber auch da- [S. 480] mit begnügt er sich nicht, sondern nimmt daraus Anlaß, von der Hölle zu sprechen und die Lehre davon zu bekräftigen, indem er sie durch zeitliche und ewige Strafen erschreckt und eine vielbesprochene Frage löst. Da nämlich Viele nicht zu begreifen vermögen, woher der frühzeitige Tod, woher die langwierigen Krankheiten kommen, so sagt er, daß viele dieser unvorhergesehenen Fälle von den Sünden herkommen.

1: II. Kor. 13, 5.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger