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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther
Achtundzwanzigste Homilie.

V.

Siehst du auch hier ihre Bosheit? wie sie nicht gleich Anfangs zu dem verderblichen Rath schreitet, sondern erst kläglich die Unfälle durchgeht und die Trauergeschichte entfaltet und ihm dann erst mit verdeckten Worten den Rath gibt und die erwünschte Befreiung und den Tod vorhält, wornach er so sehnlich verlangte. Und sieh’ auch hier die Arglist des Teufels! Denn weil er wußte, wie sehr Job seinen Gott liebte, so wollte er nicht, daß das Weib Gott lästere, damit er sie nicht auf der Stelle als eine Feindin abweisen möchte. Darum spricht sie Anfangs von Gott keine Silbe, aber von Dem, was vorgefallen, redet sie in’s Lange und Breite. Ausser dem Gesagten mußt du auch noch erwägen, daß es ein Weib war, welches diesen Rath gab, — eine Rednerin, fähig, Diejenigen zu gewinnen, die über sich selber nicht wachen. Schon Mancher ist ohne andere Unglücksfälle durch den bloßen Rath eines Weibes zu Grunde gegangen. Was that nun dieser heilige, mehr als diamantharte Mann? Ernst blickt er sie an und weist, ehe er noch redet, ihren bösen Anschlag von sich. Jene hatte geglaubt, ihn bis zu Thränen rühren zu können; Dieser aber, gleich einem grimmigen Löwen, voll Zorn und Unwillen, nicht ob seiner Leiden, sondern ob ihres diabolischen Rathes, blickt sie entrüstet an und gibt ihr, — wie er sich denn auch im Unglück zu fassen versteht, einen sanften Verweis. Und [S. 499] was spricht er? „Warum redest du wie eines von den thörichten Weibern?“1 So hab’ ich dich nicht gelehrt und erzogen, will er sagen, daher erkenne ich an dir meine Gattin nicht mehr; denn dieser Rath ist der Rath eines unverständigen und wahnsinnigen Weibes. Siehst du, wie er schonend verfährt und nur verwundet, um die Krankheit zu heilen? Nach dieser Zurechtweisung gibt er dann wieder einen tröstlichen und sehr vernünftigen Rath, indem er spricht: „Haben wir vom Herrn das Gute empfangen, warum sollen wir nicht auch das Schlimme annehmen?“ Rufe dir das Frühere in’s Gedächtniß zurück, sagt er, erwäge, wer es gegeben, und du wirst auch Dieses standhaft ertragen! Siehst du, wie bescheiden der Mann ist? Er schreibt seine Geduld nicht seinem Muthe zu, sondern sagt, sie sei eine natürliche Folge der Dinge. Denn warum schenkte uns Gott jene Güter? Was war er uns schuldig? Nichts; es war von ihm reine Güte; denn es war Gnade, nicht Verdienst, Geschenk, nicht Vergeltung. Darum wollen wir auch Dieses muthig ertragen.

Diese Worte wollen wir, — Männer und Frauen, uns in’s Herz schreiben, diese und die vorausgehenden unserem Gedächtnisse einprägen; die Geschichte seiner Leiden, den Verlust der Güter, den Untergang der Kinder, die Krankheit des Leibes, die Schmähungen, den Hohn, die Arglist des Weibes, die Nachstellungen des Satans, kurz, die ganze Unglücksgeschichte dieses Gerechten wollen wir wie ein Bild unserer Seele vorhalten und uns so einen ganz sicheren Hafen bereiten, auf daß wir mit hohem Muthe und dankbarem Herzen Alles erdulden und in dem gegenwärtigen Leben alle Verzagtheit verbannen und den Lohn dieses rühmlichen Strebens [S. 491] davon tragen durch die Gnade und Menschenfreundlichkeit unseres Herrn Jesus Christus, welchem sammt dem Vater und dem heiligen Geiste sei Ruhm, Herrschaft und Ehre jetzt und allezeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. [S. 492]

1: Job 2, 10.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger