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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther

Siebenundzwanzigste Homilie.

I.

17. Das aber verordne ich, weil ich nicht lobe, daß ihr nicht zu Besserem, sondern zu Schlechterem zusammenkommet.

I. Wir müssen auch hier vorerst die Ursache zu dieser Beschuldigung anführen; denn nur so wird unsere Rede verständlicher. Welches ist nun diese Ursache? Gleichwie die drei Tausend, welche Anfangs den Glauben angenommen hatten, gemeinschaftliche Mahle hielten und Alles unter sich gemeinschaftlich besaßen, so geschah es auch noch zur Zeit, als Paulus diesen Brief schrieb, wiewohl nicht mehr so genau; aber so eine Spur von jener Gemeinschaft war noch geblieben und hatte sich auf die Nachkommen fortgepflanzt. Da nun die Einen arm, die Andern aber reich waren, so brachten sie nicht mehr Alles zur gemeinschaftlichen Vertheilung, obwohl sie an den bestimmten Tagen, wie sich’s gebührte, gemeinschaftliche Mahlzeiten hielten. Nachdem die heilige Handlung und die Mittheilung der heiligen Geheimnisse vollendet war, gingen sie alle zu einem gemeinschaftlichen Mahle, wozu die Reichen die Speisen mitbrachten, und auch die Armen, die Nichts hatten, eingeladen wurden [S. 461] und mitspeisten. Jedoch später verschwand dieser Gebrauch. Die Ursache davon war, daß sie unter einander in Zwietracht geriethen und die Einen es mit Diesen, die Andern mit Jenen hielten und sagten: Ich halte es mit Dem, ich aber mit Jenem. Das rügt nun der Apostel im Anfang des Briefes, indem er sagt: „Durch Chloe’s Hausgenossen ist es mir über euch, Brüder, kund geworden, daß unter euch Streitigkeiten sind. Ich sage aber Dieses, weil Jeglicher unter euch sagt: Ich bin des Paulus, ich aber des Apollo, ich hinwieder des Kephas.“1 Nicht als hätten sie wirklich den Paulus als Parteihaupt angenommen (denn Das hätte er nimmer gestattet), sondern um jene Sitte mit der Wurzel auszurotten, nennt er sich zum Überfluß selber, um zu zeigen, daß, wenn Jemand in seiner Trennung vom gemeinschaftlichen Körper es mit ihm halten wollte, Dieses dennoch höchst ungereimt und äusserst ungerecht wäre. Und wenn Das in Bezug auf Paulus ungerecht war, wie viel mehr in Bezug auf Andere, die unter ihm standen? Da nun diese so schöne und überaus nützliche Einrichtung, — die Grundlage der Liebe, der Trost der Armen, diese weise Verwendung des Reichthumes, diese Schule der Weisheit, diese Lehrerin der Demuth — zerrissen ward, und er soviel Gutes dadurch vernichtet sah, so bedient er sich mit Recht heftiger Ausdrücke, indem er spricht: „Das aber verordne ich, weil ich nicht lobe…“ Jene frühere Rüge beginnt er, da Viele sich in die Verordnungen fügten, mit andern Worten: „Ich lobe euch aber, daß ihr in Allem meiner gedenket;“ hier aber sagt er das Gegentheil: „Das aber verordne ich, weil ich nicht lobe…“ Darum spricht er diesen Tadel nicht sogleich nach der Zurechtweisung Derjenigen aus, die an den Götzenopfern Antheil genommen, sondern redet inzwischen über den Haarwuchs und geht erst dann zu dem Härteren über, um nicht sogleich von einer schweren Anklage mit Bitterkeit auf die [S. 462] andere zu kommen. Er spricht: „Das aber verordne ich, weil ich nicht lobe…“ Was denn? Was ich nun sagen will. Was heißt denn Das: „Das aber verordne ich, weil ich nicht lobe…“? Er will sagen: Ich billige es nicht, daß ihr mich zwingt, euch einen Rath zu ertheilen; ich lobe es nicht, daß ihr hierin eine Unterweisung braucht und meiner Belehrung bedürft. Siehe da, wie er ihnen gleich Anfangs zu verstehen gibt, daß die Sache unschicklich sei. Denn wenn der Fehlende keiner Vorschrift bedarf, um sich vor dem Fehler zu hüten, so ist der Fehler offenbar nicht zu entschuldigen. Und warum lobst du uns nicht? „Weil ihr nicht zu Besserem, sondern zu Schlechterem zusammenkommt,“ d. h. weil ihr in der Tugend nicht fortschreitet. Anstatt dem Besseren nachzustreben und einen größeren Eifer an den Tag zu legen, habt ihr den schon eingeführten Gebrauch berabkommen, ja so sehr herabkommen lassen, daß ihr sogar meiner Vorschrift bedürfet, um zur frühern Sitte zurückzukommen. Um den Schein zu vermeiden, als fasse er Dieses bloß der Armen willen, lenkt er die Rede nicht sogleich auf die Gemeinschaft des Tisches, damit seine scharfe Rüge nicht verächtlich werde, sondern wählt einen scharf treffenden und abschreckenden Ausdruck und spricht:

18. Erstlich also höre ich, daß bei euren Zusammenkünften in der Kirche Spaltungen unter euch seien.

Er sagt nicht: Denn ich höre, daß ihr nicht gemeinschaftlich esset; ich höre, daß ihr abgesondert und nicht mehr mit den Armen speiset, sondern er bedient sich, um kräftiger auf ihren Verstand einzuwirken, des Wortes „Spaltung“, welche ja auch die Ursache ihres Benehmens war, und ruft ihnen dann wieder Das in’s Gedächtniß zurück, was er im Anfang des Briefes gesagt, und was von den Hausgenossen Chloe’s war angezeigt worden. „Und zum Theile glaube ich es.“ [S. 463]

1: I. Kor. 1, 11. 12.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger