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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther
Sechsundzwanzigste Homilie.

V.

Das Haupt bedecken ist also ein Zeichen, daß man unterwürfig sei und unter der Oberherrschaft stehe; denn es bewirkt, daß man bescheiden und sittsam vor sich hin- [S. 448] blicke und seine Tugend bewahre. Die Tugend und die Ehre Desjenigen, der einem Andern Unterthan ist, besteht darin, daß er im Gehorsam verharre. Der Mann braucht Das nicht zu thun, denn er ist das Bild seines Herrn, wohl aber das Weib und zwar von Rechts wegen. Bedenke also, wie groß die Übertretung ist, wenn du, einer so hohen Ehre gewürdigt, dich selbst schändest, indem du dir den Anzug eines Weibes anmaßest! Es ist Das ebensoviel, als wenn du eine Krone empfangen hättest und diese dir vom Haupte reissen und statt derselben ein Sklavenkleid anlegen wolltest.

11. Übrigens ist weder ein Mann ohne Weib, noch ein Weib ohne Mann im Herrn.

Er hatte dem Manne dadurch einen großen Vorzug eingeräumt, daß er sagte, das Weib sei aus ihm, seinetwegen und unter ihm; um nun aber die Männer nicht über Gebühr zu erheben und die Weiber nicht zu sehr herabzusetzen, — sieh’, wie er die Sache zurechtlegt, indem er sagt: „Übrigens ist weder ein Mann ohne Weib noch ein Weib ohne Mann im Herrn.“ Er will sagen: Schaue mir nicht nur auf den ersten Ursprung und jene Bildung des Weibes; denn betrachtet man, wie sich nachher die Entstehung verhält, so müßte man sagen, Eines sei des Andern Urheber, oder eigentlich: Nicht Eines ist des Andern Urheber, sondern Gott ist der Urheber Aller; darum sagt er: „Übrigens ist weder ein Mann ohne Weib, noch ein Weib ohne Mann im Herrn.“

12. Denn sowie das Weib aus dem Manne ist, so ist der Mann durch das Weib.

Er sagt nicht: aus dem Weibe, wohl aber: „aus dem Manne;“ denn dieser Vorzug bleibt ihm noch unangefochten. Allein diese richtige Rangordnung ist nicht des Mannes, sondern Gottes Sache; darum fügt er bei: „Alles [S. 449] aber ist aus Gott.“ Wenn aber Alles von Gott ist, so gehorche, wenn er gebietet, und sei nicht widerspenstig!

13. Beurtheilt es für euch selbst: Ist es schicklich, daß ein Weib unverhüllt zu Gottbete?

Hier macht er sie selbst wieder zu Richtern über den Gegenstand, von dem er spricht, wie er es auch in Bezug auf die Götzenopfer gethan; denn dort spricht er: „Urtheilet selbst über Das, was ich sage!“ und hier: „Beurtheilet es für euch selbst!“ womit er hier etwas Schrecklicheres andeutet; denn er will damit sagen, daß der Schimpf hier auf Gott falle. Er spricht nun das nicht so geradezu, sondern in milder und verdeckter Weise aus: „Ist es denn schicklich, daß ein Weib unverhüllt zu Gott bete?“

14. 15. Lehrt euch nicht die Natur selber, daß, wenn ein Mann das Haar lang trägt, es ihm zur Unehre ist, wenn aber das Weib das Haar lang trägt, es ihr zur Zierde gereicht? Denn das Haar ist ihr statt eines Schleiers gegeben.

Wie er immer seine Gründe aus dem täglichen Leben hernimmt, so auch hier aus dem allgemeinen Brauche; und dadurch beschämt er sie tief, daß er ihnen erst beibringen soll, was sie von dem allgemeinen Brauche lernen konnten; denn Dieses und Ähnliches ist selbst den Barbaren bekannt. Und siehe, wie er sich überall scharf treffender Worte bedient! „Jeder Mann, welcher betet mit bedecktem Haupte, schändet sein Haupt;“ und wieder: „Wenn es aber für eine Frau Unehre ist, die Haare abzuschneiden oder kahl geschoren zu werden, so soll sie sich verschleiern;“ und hier neuerdings: „Dem Manne ist es Unehre, das Haar lang wachsen zu lassen; wenn aber das Weib [S. 450] das Haar lang trägt, so gereicht es ihr zur Zierde, weil ihr das Haar als Schleier gegeben ist.“ — Wenn aber das Haar ihr statt eines Schleiers gegeben ist, warum soll sie denn noch einen andern Schleier tragen? Um nicht nur der Natur gemäß, sondern auch aus freiem Willen ihre Unterthänigkeit zu bekennen. Die Natur hat dich zuerst angewiesen, dein Haupt zu bedecken. Thue nun auch das Deinige dazu, damit es nicht scheine, als wolltest du die Gesetze der Natur umstoßen; denn es wäre eine große Unverschämtheit, nicht nur gegen uns, sondern auch gegen die Natur anzukämpfen. Daher spricht Gott, indem er über die Juden klagt: „Deine Söhne und deine Töchter hast du getödtet; Dieses geht über alle deine Greuel.“1 So schärft auch Paulus, indem er die Unzüchtigen unter den Römern angreift, seine Anklage dadurch, daß er sagt, jener Genuß sei nicht nur gegen Gottes Gebot, sondern widernatürlich: „Denn sie vertauschten den naturgemäßen Gebrauch mit dem Gebrauche, der wider die Natur ist.“2 Darum führt er auch hier dieselbe Sprache und zeigt, daß er keine eigentliche Neuerung einführen wolle, und daß bei den Heiden Alles eine unnatürliche Neuerung sei. Dasselbe bewies auch Christus mit den Worten: „Alles, was ihr wollet, daß euch die Leute thun sollen, Das thut auch ihr ihnen,“3 — um zu zeigen, daß er nichts Neues einführe.

16. Wenn aber Jemand streitsüchtig sein will, — wir haben diesen Gebrauch nichtund auch nicht die Kirche Gottes.

Es ist also Zanksucht, und nicht Vernunft, wenn man hier widersprechen will. Übrigens mildert er aber auch auf diese Weise den Vorwurf, nachdem er sie vorerst gewaltig beschämt hat; und Das verschaffte der Rede größern Ein- [S. 451] druck. Denn wir, sagt er, haben diese Sitte nicht, daß wir zanken und streiten und uns widerspenstig erweisen. Er bleibt aber dabei nicht stehen, sondern fügt bei: „Auch nicht die Kirche Gottes,“ wodurch er anzeigt, daß sie im Falle der Widersetzlichkeit mit der ganzen Welt im Widerspruche stehen. Allein wenn sich die Korinther auch damals widersetzten, so hat doch jetzt der ganze Erdkreis diese Vorschrift angenommen und befolgt; so groß ist die Macht des Gekreuzigten.

1: Ezech. 16, 21.
2: Röm. 1, 26.
3: Matth. 7, 12.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger