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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther
Sechsundzwanzigste Homilie.

IV.

Jedoch er begnügt sich damit nicht, sondern geht noch weiter und sagt: „Deßhalb soll das Weib eine Gewalt1 haben auf dem Haupte um der Engel willen.“ Er zeigt, daß sie nicht nur zur Zeit des Gebetes, sondern beständig verschleiert sein soll. In Bezug auf den Mann redet er aber nicht nur von der Bedeckung des Hauptes, sondern auch vom Tragen der Haare; er will, daß der Mann beim Gebete das Haupt entblöße, aber das Haar lang wachsen zu lassen untersagt er für immer. Sowie er von der Frau gesagt hatte:

6. Wenn sie sich aber nicht verhüllt, so scheere sie sich,

so sagt er auch vom Manne: „Es ist für ihn eine Schande, das Haupthaar lang wachsen zu lassen.“ Er sagt nicht: sich zu bedecken (sei schimpflich), sondern: sein Haupthaar lang wachsen zu lassen. Daber sagt er auch [S. 445] Anfangs: „Jeder Mann, der mit bedecktem Haupte betet oder weissagt,“ womit er andeutet, daß es, wenn er auch mit entblößtem Haupte betet, dabei aber die Haare lang wachsen läßt, ebensoviel sei, als wenn er das Haupt bedeckt hätte. „Denn das Haupthaar,“ sagt er, „dient anstatt des Schleiers. Wenn aber eine Frau sich nicht verschleiert, so mag sie sich scheeren lassen; wenn es aber für eine Frau Unehre ist, die Haare abzuschneiden oder kahl geschoren zu werden, so soll sie sich verschleiern.“ Anfangs verlangt er, daß die Frau (beim Gebet) nicht mit entblößtem Haupte erscheine; in der Folge deutet er an, daß Dieses immer geschehen soll, indem er sagt, „es sei ebensoviel, als wenn sie kahl geschoren wäre;“ und Das sagt er mit Fleiß und ganz absichtlich; denn er sagt nicht, Ne soll bedeckt, sondern verschleiert d. h. ganz sorgfältig verhüllt sein. Er greift sie heftig an und beschämt sie, indem er sie an das Unschickliche erinnert durch die Worte: „Wenn sie sich aber nicht verschleiert, so möge sie sich auch scheeren lassen.“ Er will damit sagen: Wenn du die Bedeckung, welche dir von Gott angewiesen ist, verwirfst, so verwirf auch diejenige, welche die Natur dir gegeben! Wenn aber Jemand einwendet: Wie sollte es denn für das Weib schimpflich sein, wenn sie sich zu der Ehre des Mannes erhebt? so antworten wir: Sie erhebt sich nicht, sondern sinkt von ihrer eigenen Ehre herab; denn das ist keine Erhöhung, sondern Erniedrigung, wenn man seine Schranken überschreitet und die von Gott gegebenen Gesetze nicht achtet. Gleichwie nämlich, wer nach Fremdem gelüstet und raubt, was ihm nicht zukommt, dadurch sich nicht bereichert, sondern sogar an seiner Habe geschädiget wird, wie Dieses im Paradiese der Fall war, so gewinnt auch das Weib nicht die Würde des Mannes, sondern sie verliert auch die Würde des Weibes; und nicht nur Dieses gereicht ihr zur Schande, sondern auch ihre Anmaßung. Nachdem nun Paulus Das aufgegriffen, was für das Weib offenbar schimpflich ist: „Ist es aber für das Weib eine [S. 446] Schande, sich die Haare abschneiden oder sich kahl scheeren zu lassen,“ so setzt er das Seinige bei und sagt: „Sie soll sich verschleiern.“ Er sagt nicht: Sie soll die Haare lang tragen, sondern: „sich verschleiern,“ und beweist sowohl aus Dem, was Vorschrift ist, als aus dem Gegentheil, daß Beides Ein und Dasselbe sei; denn Schleier und Haarwuchs gilt ihm als einerlei; so auch geschoren und unverschleiert sein; „denn“, sagt er, „es ist Ein und Dasselbe, als wäre sie geschoren.“ Fragt aber Einer: Wie ist Das einerlei, wenn die Eine ihre natürliche Hauptbedeckung hat, die Geschorene nicht? so erwidere ich: Weil Jene ihre Kopfbedeckung freiwillig abgelegt hat und das Haupt entblößt trägt; und wenn sie es auch nicht von Haaren entblößt hat, so ist Dieses das Werk der Natur, nicht ihr eigenes. Also hat die Geschorene ein entblößtes Haupt und so auch die Andere. Denn Gott überließ es deßwegen der Natur, des Weibes Haupt zu bedecken, damit das Weib von ihr lerne, sich zu verschleiern. Dann gibt er, wie ich schon öfters erwähnte, auch einen Grund an und redet zu ihnen als zu freien Menschen. Welches ist nun der Grund?

7. Ein Mann soll allerdings sein Haupt nicht verhüllen, weil er Gottes Bild und Ehre ist.

Dazu kommt noch ein anderer Grund; denn nicht allein darum darf er sein Haupt nicht bedecken, weil er Christum zum Oberhaupt hat, sondern auch weil er dem, Weibe gebietet. Der Fürst, der zum Könige geht, muß die fürstlichen Abzeichen an sich tragen. Sowie also kein Fürst ohne Gürtel und Staatskleid vor Dem zu erscheinen wagt, der die Krone trägt, so sollst auch du nicht ohne das Zeichen deiner Herrschaft, welche durch Entblößung des Hauptes sinnbildlich dargestellt wird, zu Gott beten, damit du nicht dich und Den, der dich geehrt hat, beschimpfest. Das Nämliche gilt auch von der Frau; denn auch diese beschimpft [S. 447] sich, wenn sie nicht das Zeichen der Unterwürfigkeit an sich trägt. „Das Weib aber ist die Ehre des Mannes.“ Natürlich gebührt also die Herrschaft dem Manne. Nachdem er diesen Ausspruch gethan, führt er wieder andere Gründe und Ursachen an und erwähnt der ersten Schöpfung mit den Worten:

8. Denn nicht ist der Mann aus dem Weibe, sondern das Weib aus dem Manne.

Wenn aber schon das Sein aus Jemandem Dem zur Ehre gereicht, aus dem man ist, um wie viel mehr das Ähnlichsein?

9. Denn der Mann ist nicht um des Weibes willen, sondern das Weib um des Mannes willen geschaffen.

Das ist nun wieder ein zweiter, ja ein dritter und vierter Vorzug des Mannes vor dem Weibe. Erstens: Christus ist unser Oberhaupt, wir aber das des Weibes. Zweitens: wir sind Gottes Ehre, das Weib aber unsere Ehre. Drittens: wir sind nicht aus dem Weibe, sondern das Weib aus uns. Viertens: wir sind nicht um des Weibes willen, sondern das Weib um unsertwillen geschaffen.

10. Deßhalb soll das Weib eine Gewalt haben auf dem Haupte.

„Deßhalb;“ sage mir, warum denn? Wegen all der angegebenen Gründe und dann auch „wegen der Engel“. Er will sagen: Wenn du den Mann verachtest, so ehre doch die Engel!

1: Das Zeichen (Symbol) einer über ihr stehenden Gewalt, also der Herrschaft des Mannes. S. V. 4.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger