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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther

Fünfundzwanzigste Homilie.

I.

23. Jegliches, was auf dem Fleischmarkte verkauft wird, esset, ohne nachzufragen um des Gewissens willen.

I. Nachdem er gesagt, daß es eine Unmöglichkeit sei, den Kelch des Herrn und den Kelch der Dämonen zu trinken, und nachdem er sie von den Götzenspeisen vollends abzuhalten gesucht hat durch Beispiele aus der jüdischen Geschichte, durch Vernunftschlüsse, durch Erwähnung der furchtbaren Geheimnisse und Dessen, was bei den Götzenopfern geschieht, — so sucht er, nachdem er sie in große Furcht versetzt hat, jetzt zu verhüten, daß diese sie zu einem andern Extreme verleite, wenn sie nämlich aus gar zu ängstlicher Besorgniß befürchteten, es möchten auch ohne Wissen und Willen vom Markte oder anderswoher dergleichen Speisen in ihr Haus gebracht werden; er verbannt diese Ängstlichkeit mit den Worten: „Jegliches, was auf dem Fleischmarkte verkauft wird, esset, ohne nachzufragen!“ Wenn du nämlich aus Unwissenheit davon genießest, sagt er, so bist du nicht strafbar; denn es ist alsdann Unkenntniß und nicht Schwelgerei. Und nicht bloß dieser Besorgniß überhebt er sie, sondern auch einer [S. 420] andern und verschafft ihnen große Freiheit und Uneingeschränktheit; denn er will, daß sie nicht untersuchen, d. h. forschen und fragen, ob das Fleisch den Götzen geopfert sei oder nicht, sondern sie sollen einfach essen, was immer vom Markte kommt, ohne sich zu erkundigen, was es denn sei. Daher kommt es, daß Derjenige, der unwissend davon genießt, schuldlos dasteht; denn diese Speisen sind ihrer Natur nach nicht sündhaft, sondern werden nur durch die Gesinnung unrein. Darum sagt er: „ohne zu fragen“.

26. Denn des Herrn ist die Erde und ihre Fülle,

nicht den Dämonen gehört sie an. Ist aber die Erde sein, so sind es auch ihre Erzeugnisse und alle Thiere, und Nichts ist unrein; allein auf eine andere Art wird es unrein: durch die schlechte Absicht und den Ungehorsam; darum erlaubt er es nicht nur, sondern sagt auch:

27. Ladet euch ein Ungläubiger zu Tische, und ihr wollet hingehen, so esset Alles, was man euch vorsetzt, ohne nachzufragen um des Gewissens willen.

Siehe da neuerdings seine Mäßigung! Er gebietet und befiehlt ihnen nicht, hinzugehen, verwehrt es ihnen aber auch nicht; wenn sie aber hingingen, benimmt er ihnen wieder jeglichen Argwohn. Warum denn? Damit ein solches Forschen nicht Furcht und kleinliche Denkart verrathe; denn wer ängstlich untersucht, der thut es gleichsam aus Furcht; wer sich aber dessen enthält, nachdem er gehört, was es sei, der thut es gleichsam aus Verachtung und Abscheu. Darum will Paulus Beides bekräftigen, indem er spricht: „Esset Alles, was man euch vorsetzt!“

[S. 422] 28. Wenn aber Jemand euch sagte: Dieß ist Götzenopfer, so esset nicht davon um Dessen willen, der es angezeigt hat!

Denn er will nicht, daß man aus Zwang, sondern aus Abscheu davon sich enthalte. Also, will er sagen, enthaltet euch davon, nicht darum, als ob es euch schaden könnte, denn es hat keine Macht, zu schaden: aber nehmet auch nicht ohne Unterschied Antheil daran, weil es unschädlich ist; denn es ist der Tisch der Feinde und der Verworfenen. Darum spricht er: „Esset nicht davon um Dessen willen, der es angezeigt hat, und um des Gewissens willen! Denn des Herrn ist die Erde und ihre Fülle.“ Siehst du, wie er dasselbe Zeugniß anführt, sowohl wenn er befiehlt, daß man essen, als auch wenn er gebietet, daß man sich dessen enthalten soll? Ich verwehre es nicht darum, sagt er, als wäre es etwas Fremdes, denn des Herrn ist die Erde, — sondern wegen Dessen, was ich gesagt habe, — um des Gewissens willen, nämlich um es nicht zu verletzen. Soll man also ängstlich nachfragen? Nein, spricht er; ich meine nicht dein Gewissen, sondern das des Andern. Denn zuvor hieß es: „Um Dessen willen, der es angezeigt hat,“ und abermal:

29. Ich meine aber nicht dein Gewissen, sondern das des Andern.

Da möchte aber Jemand einwenden: Mit Recht schonst du der Brüder und willst, daß wir um ihretwillen nicht davon essen, damit ihr schwaches Gewissen nicht verleitet werde, Das zu genießen, was man den Götzen geopfert; — wie aber, wenn es ein Heide wäre, warum kümmerst du dich um diesen? Sagtest du nicht selbst: „Was geht es mich an, die draussen sind, zu richten?“1 Warum küm- [S. 423] merst du dich nun wieder um sie? Ich kümmere mich hier, sagt er, nicht um den Heiden, sondern um dich; darum fügt er bei: „Denn warum soll ich meine Freiheit von eines Andern Gewissen richten lassen?“ Unter Freisein versteht er ungehindert und uneingeschränkt sein; denn Dieß ist Freiheit: die Loszählung von jüdischer Sklaverei. Er will damit sagen: Gott hat mich frei gemacht und erhoben über jeglichen Schaden; der Heide aber ist nicht im Stande, meine Religion zu beurtheilen und die Freigebigkeit meines Herrn einzusehen, sondern er wird sie verurtheilen und bei sich sagen: Die Lehre der Christen ist Fabelwerk; sie entziehen sich den Götterbildern, ste fliehen die Götter und drängen sich doch zu den Opfern derselben; denn sie fröhnen der Schwelgerei. Und was soll Das? wirst du fragen. Was schadet es uns, wenn der Heide falsch urtheilt? Aber um wieviel besser ist es, ihm keinen Anlaß zu geben, ein solches Urtheil zu fällen? Denn wenn du dich enthältst, so wird er nicht also sprechen. Allein wenn er sieht, daß ich weder auf dem Markte, noch bei einem Gastmahle darnach frage, wie? wird er da nicht dieselbe Sprache führen und mich verdammen, daß ich davon ohne Unterschied esse? Keineswegs! Denn du issest diese Speisen ia nicht als Götzenopfer, sondern als reine; wenn du aber nicht ängstlich herumfragst, so zeigst du dadurch, daß du dich vor jenen Speisen nicht fürchtest. Darum gestatte ich nicht, daß du, sei es im Hause eines Heiden, sei es auf dem Markte, Nachfrage haltest, damit du kein Aufsehen machest und nicht als ein ängstlicher Mensch erscheinest, der sich unnöthigen Kummer verursacht.

30. Denn wenn ich mit Dank Antheil nehme, warum werde ich gelästert darob, wofür ich Dank sage?

Wessen wirst du durch den Dank theilhaftig? Der göttlichen Gaben; denn Gottes Gnade ist so groß, daß meine Seele dadurch rein und von jeder Makel befreit [S. 424] wurde. Gleichwie nämlich die Sonne, wenn sie auch viele schmutzige Gegenstände bescheint, ihre Strahlen wieder rein zurückzieht: so und noch weit mehr können auch wir, mitten in der Welt lebend, wenn wir nur wollen, uns rein bewahren, wodurch wir unsere Kraft nur noch steigern.

1: I. Kor. 5, 12.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger