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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther
Vierundzwanzigste Homilie.

V.

Nahen wir ihm also mit Eifer und brennender Liebe, damit wir der Strafe entrinnen; denn je größer die Wohlthat ist, desto größer wird die Strafe sein, woferne wir der Wohlthat unwürdig erscheinen. Diesen Leib beteten auch die Weisen an, als er in der Krippe lag; diese Barbaren, ohne Gotteserkenntniß, verließen Haus und Vaterland, machten eine lange Reise und warfen sich mit Furcht und Zittern vor ihm nieder. Machen wir es doch wie diese Barbaren, wir, die wir Himmelsbürger sind. Diese traten mit großer Ehrfurcht vor ihn hin, als sie ihn in einer Krippe und in einem Stalle liegen sahen und Nichts von all Dem erblickten, was du jetzt siehst. Du siehst ihn nicht mehr in der Krippe liegen, sondern auf dem Altare, siehst ihn nicht mehr in den Händen eines Weibes, sondern siehst den Priester dastehen und den Geist in reichem Maße über den Opfergaben schweben. Du siehst nicht bloß einfach diesen Leib wie Jene, sondern du kennst auch seine Kraft und seine ganze Heilsthätigkeit und weißt Alles, was durch ihn bewirkt worden ist, indem du vollkommen in alle Geheimnisse eingeweiht bist.

Lasset uns also uns selber aufmuntern und erschaudern und ihm eine weit größere Ehrfurcht erweisen als jene Barbaren, damit wir nicht unvorbereitet und unehrerbietig hinzutreten und das Feuer über unser Haupt herabziehen! Das aber sage ich nicht, daß wir uns davon ferne halten, sondern daß wir nicht unbedachtsam hinzutreten sollen. Denn gleichwie es gefahrvoll ist, unvorbereitet hinzuzutreten, so ist es Hunger und Tod, an diesem geheimnißvollen Gastmahle keinen Antheil zu nehmen; denn die- [S. 418] ses Mahl ist die Kraft unserer Seele, das Band unseres Geistes, der Grund unseres Vertrauens, unsere Hoffnung, unser Heil, unser Licht und Leben. Wenn wir mit dieser Speise von hinnen scheiden, so werden wir furchtlos, ringsum wie mit goldenen Waffen geschmückt, jene heiligen Vorhöfe im Jenseits betreten, doch was rede ich vom Zukünftigen? Schon in diesem Leben, macht dir dieses Geheimniß die Erde zum Himmel. Öffne also die Thore des Himmels und schau’ hinein, ja nicht in den Himmel, sondern in den Himmel der Himmel und du wirst sehen, was ich gesagt habe; denn das Herrlichste was dort ist, werde ich dir auch auf Erden hier zeigen. Gleichwie nämlich im Kaiserpalaste nicht die Wände und die goldene Decke das Vornehmste sind, sondern der Kaiser selbst, auf seinem Throne sitzend: so auch im Himmel der Leib unseres Herrn; und den kannst du jetzt auf dieser Erde sehen. Denn ich zeige dir nicht Engel, nicht Erzengel, nicht den Himmel und den Himmel der Himmel, sondern den Herrn des Himmels selber. Siehst du also, wie du das Allerkostbarste hier auf Erden zu erblicken vermagst? Und du erblickst es nicht nur, sondern berührest es auch; ja du genießest es und nimmst es mit dem Genusse nach Hause. So reinige denn deine Seele und bereite dein Herz vor zum Empfange dieser Geheimnisse! Wenn man dir einen Königssohn in seinem Schmucke, mit Purpur und Krone, zu tragen gäbe, so würdest du Alles auf Erden wegwerfen. Und da du nun nicht den Sohn eines irdischen Königs, sondern den eingebornen Sohn Gottes selbst aufnehmen sollst, wie, sage mir, schauderst du nicht? Lässest du nicht alle Anhänglichkeit an irdische Dinge fahren? Rühmst du dich nicht jenes einzigen Schmuckes und liebst noch die Erde und das Geld und gaffest das Gold an? Welche Verzeihung, welche Entschuldigung verdienest du wohl? Weißt du nicht, wie sehr der Herr alle Pracht dieses Lebens verabscheut? Ließ er sich nicht darum nach seiner Geburt in eine Krippe legen? Wählte er nicht darum eine arme Mutter? Sprach er nicht deßhalb zu Jenem, der [S. 419] an seinen Gütern hing: „Der Menschensohn hat nicht, wohin er sein Haupt lege“?1 Und was thaten die Jünger? Befolgten sie nicht dieselbe Lebensweise, da sie in den Häusern der Armen zusprachen? Da der Eine bei einem Gerber, der Andere bei einem Zeltemacher und bei einer Purpurhändlerin einkehrte? Denn sie sahen nicht auf glänzende Häuser, sondern auf die Tugend der Seele. Diesen wollen auch wir nachahmen; an Säulenpracht und Marmorbauten wollen wir vorübergehen und nur nach den himmlischen Wobnungen trachten; allen menschlichen Hochmuth und die Sucht nach irdischen Gütern wollen wir mit Füßen treten und unsern Sinn nach Oben stellen! Wenn wir weise denken, so wird uns weder die Welt, noch eine Halle, noch ein Säulengang als unser würdig erscheinen. Darum lasset uns, ich bitte euch, unsere Seele schmücken und diese Wohnung einrichten, die wir beim Tode mit hinüber nehmen, damit wir der ewigen Güter theilhaftig werden durch die Gnade und Menschenfreundlichkeit u. s. w. Amen.

[S. 419]

1: Matth. 8, 20.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger