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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther
Vierundzwanzigste Homilie.

III.

19. Was sage ich nun? Daß ein Götzenopfer Etwas sei? oder daß ein Götze Etwas sei?

Das aber sage ich und suche euch davon abzuhalten, spricht er, nicht als könnten die Götzen etwa schaden, oder als besäßen sie irgend eine Kraft; denn der Götze ist Nichts, sondern ich will, daß ihr sie verachten sollet.

„Wenn du aber willst, daß wir sie verachten, warum suchst du uns mit solchem Eifer davon abzumahnen?“ Weil jenes Opfer nicht deinem Gott dargebracht wird;

20. denn was der Heide opfert, heißt es, Das opfert er den Teufeln und nicht Gott.

Laufet daher nicht in euer eigenes Verderben! Denn wärest du der Sohn eines Königs und verschmähtest den Tisch des Vaters und wolltest lieber mit den Verurtheilten und den Gefangenen im Kerker speisen, so würde der Vater Dieß wohl nicht gestatten, sondern dich mit aller Gewalt zurückhalten, nicht als könnte jene Speise dir schaden, sondern weil deine hohe Geburt und die königliche Tafel dadurch beschimpft würde. Denn diese sind ja verbrecherische Sklaven, ehrlose Leute, zu Ketten verdammt und zu harten Strafen aufbewahrt und unzähligen Qualen preisgegeben. Wie, schämst du dich also nicht, gleich einem Schwelger und lüderlichen Menschen zum Tische dieser Verurtheilten hinzulaufen und von ihren Speisen zu essen? Darum halte ich dich davon ab; denn die Absicht der Opfernden und Diejenigen, die das Opfer empfangen, machen die Gaben unrein. „Ich will aber nicht, daß ihr Gemeinschaft habt mit den Teufeln.“ Siehst du die liebevolle Fürsorge des Vaters? Siehst du, wie der Ausdruck selber so zärtlich klingt? Er sagt nämlich: ich will nicht, daß ihr Etwas mit ihnen gemein habt. Weil nun Dieses im Tone der Ermahnung gesagt war, und weil vielleicht Mancher von den Rohergesinnten unter dem Vor- [S. 412] wande, daß ihm Das freistehe, die Ermahnung verachten konnte, so thut er nun, nachdem er gesagt: „Ich will nicht“ und: „Beurtheilet selbst!“ den gesetzlichen Ausspruch: „Ihr könnt doch nicht den Kelch des Herrn und den Kelch der Teufel trinken.“

21. Ihr könnet nicht am Mahle des Herrn und am Mahle der Teufel Theil nehmen.

Hier begnügt er sich mit den bloßen Namen. Dann aber spricht er erschütternd:

22. Oder wollen wir den Herrn reizen? Sind wir denn stärker als er?

Das heißt: Wollen wir ihn auf die Probe stellen, ob er uns strafen könne? Wollen wir ihn reizen, indem wir zu seinen Feinden übergehen und uns in ihre Reihen stellen? Das aber sprach er, um sie an eine alte Geschichte und die Übertretung ihrer Väter zu mahnen. Darum bedient er sich derselben Ausdrücke wie ehedem Moyses, da er ihnen im Namen Gottes wegen der Abgötterei Vorwürfe machte: „Sie haben mich zur Eifersucht gereizt durch Nichtgötter, durch ihre Götzen haben sie mich ergrimmt.“1

Siehst du, wie schrecklich und furchtbar er sie angreift und selbst ihre Nerven erschüttert, wie nachdrücklich er ihnen den Übelstand vor Augen stellt und ihren Hochmuth niederschlägt! Und warum, wird man fragen, sagte er Das nicht gleich Anfangs, was sie besonders abgeschreckt haben würde? Weil es so seine Art ist, das Stärkste, und, was er durch mehrere Gründe unterstützen will, zuletzt zu sagen und so die Sache vollkommen abzuthun. Darum beginnt er mit dem Geringeren und steigt so zum Größeren auf. [S. 413] So fand er auch leichter Gehör, indem die Gemüther durch das Frühere besänftiget waren. „Alles steht mir zu Gebote, aber nicht Alles frommt.“

23. 24. Alles steht mir zu Gebote, aber nicht Alles erbaut. Keiner suche das Seine, sondern Jeder Das des Andern!

Siehst du, wie klug und sorgfältig! Denn leicht mochten sie sagen: „Ich bin reif und selbstständig und genieße ohne Gefährde, was man mir vorsetzt.“ Allerdings, sagt er, bist du reif und selbstständig; aber ziehe nicht Das in Betracht, sondern ob deine Handlung keinen Schaden, kein Verderben anrichte; denn er sagte Beides: „Nicht Alles frommt, nicht Alles erbaut;“ das Eine gilt dir, das Andere deinem Bruder; denn der Ausdruck: „Es frommt, nicht“ deutet auf einen persönlichen Nachtheil, der Ausdruck aber: „Es erbaut nicht“ auf das Ärgerniß, das man dem Bruder gibt, hin. Darum fügt er bei: „Keiner suche das Seine!“ was er überall und durch den ganzen Brief bekräftigt, sowie auch im Briefe an die Römer: „Denn auch Christus hat nicht sich selber gefallen.“2 Und wieder: „Sowie auch ich in Allem Allen zu Gefallen bin und nicht meinen Vortheil suche.“3 Und so abermals hier, obgleich er die Sache nicht weiter ausführt. Weil er vorher genugsam bewiesen und gezeigt hatte, daß er nicht seinen Vortheil suche, sondern bei den Juden sich wie ein Jude betrage und bei Denen, die ohne Gesetz waren, als wäre auch er ohne Gesetz, und daß er seine Freiheit nicht unbedachtsam mißbrauchte, sondern sich Allen nachbequemte, um Allen zu nützen: so begnügt er sich hier mit dem Gesagten und ruft ihnen durch diese wenigen Worte alles Vorhergehende in’s Gedächtniß zurück.

[S. 414] Da nun auch wir Dieses wissen, Geliebte, so laßt uns für die Brüder sorgen und die Gemeinschaft mit ihnen unterhalten; denn dazu fordert uns auf jenes schauerliche und schreckliche Opfer, das uns mit Eintracht und brennender Liebe zu nahen befiehlt, auf daß wir von da den Adlern gleich uns zum Himmel erschwingen. „Denn wo das Aas (der Leichnam) ist,“ heißt es, „dort sind auch die Adler.“4 Der Herr nennt seinen Leib einen Leichnam von wegen des Todes; denn wäre er nicht gestorben, so würden wir nicht auferstanden sein. Adler aber sagt er, um zu zeigen, daß, wer sich diesem Leibe naht, einen hohen Flug nehmen, mit der Erde Nichts gemein haben, sich nicht schleppen lassen, noch, selbst kriechen dürfe, sondern sich stets in die Höhe erheben, zur Sonne der Gerechtigkeit aufblicken, den Geistesblick geschärft haben müsse; denn hier werden Adler gespeist, nicht Krähen. Die ihn jetzt würdig empfangen, werden ihm, wenn er einst vom Himmel niedersteigt, entgegen gehen; hingegen wird Diejenigen, die ihn unwürdig genießen, die äusserste Strafe treffen.

1: Deut. 32, 21.
2: Röm. 15, 3.
3: I. Kor. 10, 33.
4: Matth. 24, 28.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger