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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther
Vierundzwanzigste Homilie.

II.

So machen es auch die Liebenden. Wenn sie sehen, daß die Geliebten nach dem Fremden verlangen und das Eigene verschmähen, so geben sie das Ihrige hin und suchen sie zu bereden. Jenes fahren zu lassen. Allein die Liebenden zeigen ihre Freigebigkeit in Geld und Gut und Kleidungsstücken; noch nie hat Einer Das durch Hingabe seines Blutes gethan; Christus aber hat dadurch seine Fürsorge für uns und seine brennende Liebe bewiesen. Im alten Bunde zwar nahm er, weil die Menschen noch unvollkommen waren, selbst jenes Blut an, das man den Götzen opfern wollte, um sie von diesen zu entfernen; und auch das ist ein Beweis einer unaussprechlichen Liebe; im neuen Bunde aber wollte er, daß die heilige Handlung schauerlicher und großartiger begangen werde, indem er das Opfer selbst veränderte und statt der vernunftlosen Opferthiere selbst geopfert zu werden befahl.

„Und das Brod, das wir brechen, ist es nicht Theilnahme am Leibe Christi?“ Warum sagt er nicht „Mittheilung“? Weil er etwas Größeres sagen und unsere Gemeinschaft ausdrücken will. Denn wir haben Gemeinschaft mit ihm, nicht nur weil wir davon genießen und daran „Theil nehmen“, sondern auch weil wir eins werden. Denn wie jener Leib mit Christus vereint ist, so werden auch wir durch dieses Brod mit ihm vereint. Warum lügt er aber bei: „das wir brechen“? Das geschieht aber, wie wir sehen, beim heiligen Abendmahle; am Kreuze geschah Dieses nicht, sondern vielmehr das Gegentheil; denn es heißt: „Kein Bein an ihm wird gebrochen werden.“1 Was er am Kreuze nicht litt, das leidet er beim Opfer um deinetwillen, und er läßt sich brechen, um Alle zu sättigen. Und weil er ferner gesagt hatte: „Theilnahme am Leibe,“ und der Theilnehmende doch verschieden ist von Dem, woran er Theil nimmt, so hebt er auch [S. 409] diesen scheinbar geringen Unterschied auf. Denn nach den Worten: „Theilnahme am Leibe“ will er etwas Näheres bezeichnen und setzt hinzu:

17. Weil wir, obgleich Viele, ein Brod, ein Leib sind.

Was spreche ich von „Theilnahme“, will er sagen, wir sind ja selbst jener Leib. Denn was ist das Brod? Christi Leib. Und was werden Diejenigen, die daran Theil nehmen? Christi Leib; nicht viele Leiber, sondern ein Leib. Denn gleichwie das Brod, das aus vielen Körnern besteht, Eins ist, und die Körner nirgend mehr erscheinen, obwohl sie da sind, aber nicht mehr sichtbar wegen der Verbindung: so werden auch wir unter uns und mit Christo Eins. Denn nicht wirst du von einem andern Leibe genährt und wieder von einem andern Jener, sondern Alle von demselben. Darum fügt er auch bei: „Denn wir alle genießen von einem Brode.“ Wenn wir aber alle von Einem genießen und alle Eins werden, warum beweisen wir denn nicht auch Alle dieselbe Liebe und werden auch hierin Eins? Denn so war es ehemals bei unsern Ahnen. „Die zahlreiche Versammlung der Gläubigen war ein Herz und eine Seele,“ heißt es.2 So ist es jetzt nicht mehr, sondern ganz das Gegentheil. Viele und mancherlei Kriege berrschen unter Allen, und ärger als wilde Thiere behandeln wir gegenseitig die eigenen Glieder. Christus hat dich vereint, da du so weit von ihm getrennt warst; und du, der du dem Herrn eine so große Liebe und das Leben verdankst, kannst nicht einmal mit deinem Bruder Eins werden, wie es sich ziemt, sondern trennst dich von ihm. Nicht bloß seinen Leib gab uns der Herr, sondern weil die Natur des ersten, aus Erde gebildeten Fleisches von der Sünde getödtet und ohne Lebenskraft war, so brachte er, um mich [S. 410] so auszudrücken, einen andern Teig und ein anderes Ferment — sein eigenes Fleisch, der Natur nach dasselbe, aber frei von Sünde und voll Lebenskraft: und er ließ Alle daran Theil nehmen, damit wir davon genährt den frühern Todesleib ablegen und durch diese Speise für das ewige Leben zubereitet werden sollten.

18. Sehet auf die Israeliten nach dem Fleische; sind nicht Die, welche von den Opfern essen, Mitgenossen des Altares?

Abermals führt er sie vom alten Bunde in den neuen. Weil sie nämlich zu schwach waren, um den hohen Sinn dieser Worte zu erfassen, so sucht er sie durch das Frühere und Gewohnte aufzuklären. Treffend sagt er: „Israeliten dem Fleische nach,“ da sie (seine Zuhörer) es dem Geiste nach waren. Er will damit sagen: Von den Rohergesinnten könnt ihr schon lernen, daß Die, welche von dem Opferfleisch essen, Mitgenossen des Altares sind. Siehst du, wie er zeigt, daß sie, die vollkommener zu sein scheinen, es nicht sind, wenn sie nicht einmal wissen, daß dadurch eine gewisse Gemeinschaft und Genossenschaft mit den Dämonen entsteht, wozu sie die Gewohnheit allmälig hinzieht? Wenn bei den Menschen Salz und Brod Anlaß und Zeichen der Freundschast ist, so mag Das wohl auch in Betreff der Dämonen geschehen; du aber erwäge mir wohl, daß er von den Juden nicht sagt, sie seien Mitgenossen Gottes, sondern „Mitgenossen des Altares“; denn was auf den Altar gelegt ward, wurde verbrannt; beim Leibe Christi aber verhält es sich anders. Wie denn? „Es ist eine Theilnahme am Leibe des Herrn;“ denn wir werden nicht Mitgenossen des Altares, sondern Christi selber. Nachdem er nun gesagt hatte, daß sie Mitgenossen des Altares seien, dabei aber befürchtete, sich in Bezug auf die Götzen so auszudrücken, als lege er diesen irgend eine Macht oder verderbliche Kraft bei, so sucht er einem solchen Mißverständnisse vorzubeugen, indem er spricht:

[S. 411]

1: Num. 9, 12; Exod. 12, 46.
2: Apostelg. 4, 32.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger