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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther

Zweiundzwanzigste Homilie.

I.

13. 14. Wisset ihr nicht, daß Die, welche im Heiligthume thätig sind, vom Heiligthume essen, und Die, welche dem Altare dienen, mit dem Altare theilen? So hat auch der Herr Denen verordnet, welche das Evangelium verkünden, von dem Evangelium zu leben.

I. Paulus gibt sich große Mühe zu beweisen, daß es nicht verboten sei, (von den Gläubigen) Etwas anzunehmen. Darum begnügt er sich nicht mit Dem, was er ausführlich früher gesagt, sondern kommt wieder auf das Gesetz zurück, und führt ein passenderes Beispiel an als das vorhin erwähnte. Denn es ist doch nicht einerlei, Das anzuführen, was in Betreff der (dreschenden) Ochsen verordnet erscheint, oder was ausdrücklich in Betreff der Priester befohlen ist. Bewundere mir auch hierin die Weisheit des Paulus und die Würde, womit er die Sache behandelt! Denn er sagt nicht: Welche im Heiligthume thätig sind, empfangen von den Opfernden ihren Antheil, sondern: „essen vom Heiligthume (Opfer).“ So werden die Empfänger vor Tadel und die Spender vor Hochmuth bewahrt. Darum hat er auch das Folgende auf dieselbe Weife ausgesprochen; [S. 367] denn er sagt nicht: Welche dem Altare dienen, empfangen ihre Gaben von den Opfernden, sondern: „sie theilen mit dem Altare.“ Denn das Geopferte gehört nicht mehr den Opfernden, sondern dem Heiligthum und dem Altare auch sagt er nicht: Sie essen das Opfer, sondern: „vom Opfer,“ womit er neuerdings zeigt, daß sie genügsam sein und nicht Geld zusammenscharren und sich bereichern sollen. Wenn er aber sagt: „Sie theilen mit dem Altare,“ so bezeichnet er damit nicht den gleichen Antheil, sondern nur die ihnen gebührende Unterstützung. Weit Größeres verdienten die Apostel. Denn im alten Bunde war das Priesteramt eine Ehrenstelle; im neuen aber ist es der Gefahr, dem Morde, dem gewaltsamen Tode ausgesetzt. Daher war es weit mehr als alle andern Beispiele, wenn er sagt: „Wenn wir euch das Geistige gesäet haben.“1 Denn mit dem Ausdruck: „wir haben gesäet“ zeigt er die Stürme, die Gefahren, die Nachstellungen, die unaussprechlichen Leiden an, welche die Prediger des Evangeliums zu erdulden hatten. Dennoch wollte er bei diesem großen Vorzuge weder die Würde des alten Priestertbumes herabsetzen noch die seinige erheben; doch erhebt, er auch diese nicht von Seite der Gefahren, sondern indem er ihre Erhabenheit aus der Größe der Gnade beweist. Denn er sagt nicht: Wenn wir uns Gefahren unterzogen und Nachstellungen erduldet haben; sondern: „Wenn wir euch das Geistige gesäet haben;“ und auch die Würde der Priester erhebt er nach Kräften, indem er sagt: „Welche im Heiligthume thätig sind, welche dem Altare dienen,“ wodurch er ihre beständige Dienstbarkeit und Beharrlichkeit bezeichnen will. Unter dem Namen Priester — bei den Juden — versteht er beide Rangstufen derselben, die tiefere und die höbere, nämlich die eigentlichen Priester und die Leviten; die einen bezeichnet er durch den Ausdruck: „Welche im Heiligthume thätig sind“ [S. 368] (Opferpriester), die andern aber nennt er „Diener des Altares“ (welche dem Altare dienen); denn nicht Allen war ein und dasselbe Amt übertragen, sondern die Einen hatten mehr niedere, die Andern höhere Dienste zu besorgen.

Damit nun dem Apostel, welcher alle Priester (des alten und neuen Bundes) zusammenfaßte. Niemand darauf einwenden möchte: „Warum erwähnst du uns das alte Testament? Weißt du nicht, daß wir in der Zeit der vollkommeneren Gebote leben?“ so bringt er nach Allem, was vorausgegangen, eine kräftigere Stelle, als alle früheren waren, indem er sagt: „So hat auch der Herr Denjenigen, welche das Evangelium verkünden, verordnet, vom Evangelium zu leben.“ Er sagt nicht, daß sie von den Menschen leben sollen, sondern: „vom Evangelium,“ wie er zuvor von den (jüdischen) Priestern gesagt, daß sie vom Opfer essen und vom Altare ihren Antheil erhalten sollen. Wie er dort gesagt hatte: „essen“, so sagt er hier: „leben“, nicht Gewinn suchen und sich bereichern. „Denn der Arbeiter,“ heißt es, „ist seines Lohnes werth.“2

13. Ich aber habe von Nichts der Art Gebrauch gemacht.

Wie aber, wird man fragen, wenn du zwar jetzt davon keinen Gebrauch machst, aber es für die Zukunft thun willst, und darum so redest? Das sei ferne! Denn auf der Stelle widerlegt er Das mit den Worten: „Nicht aber schrieb ich Dieß, damit so an mir geschehe.“ Siehe, mit welcher Kraft er Dieses leugnet und von sich [S. 369] abweist! „Denn lieber wollte ich sterben, als daß mir Jemand meinen Ruhm zu nichte mache.“ Nicht einmal oder zweimal, sondern oft bedient er sich dieses Ausdruckes, Denn oben sprach er: „Wir haben uns dieses Rechtes nicht bedient;“ und dann wieder: „Um mein Recht nicht zu mißbrauchen,“ und hier: „Ich aber habe von Nichts der Art Gebrauch gemacht.“ „Der Art;“ welcher Art? Von den vielen Beispielen, die es mir als erlaubt darstellten, habe ich keinen Gebrauch gemacht, — von dem des Soldaten, des Pflügers, des Hirten, der Apostel, des Gesetzes, und was wir für euch thun, und was ihr für Andere thut, das Beispiel der Priester, die Verordnung Christi: Nichts konnte mich bewegen, meinem Grundsatze untreu zu werden und von euch Etwas anzunehmen. Erwähne mir nicht das Vergangene; denn ich könnte sagen, daß ich deßhalb einst viel gelitten: jedoch ich will mich nicht bloß darauf berufen, sondern auch für die Zukunft versichern, daß ich lieber Hungers sterben, als dieser Krone verlustig werden wollte; „denn lieber“, sagt er, „wollte ich sterben, als daß mir Jemand meinen Ruhm zu nichte mache.“ Er sagt nicht: daß Jemand meinen Grundsatz, sondern meinen „Ruhm“ vernichte; denn damit ja Niemand sagen könne, daß er Dieses zwar thue, aber nicht freudig, sondern verdrießlich und ungerne, so nennt er es geradezu seinen „Ruhm“, wodurch er seine innige Freudigkeit und seine große Bereitwilligkeit ausdrücken will. Weit entfernt, traurig zu sein, rühmt er sich dessen und will lieber sterben, als dieses Ruhmes verlustig gehen. Was er duldete, war ihm süßer als das Leben.

1: 9, 11.
2: Matth. 10, 10.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger