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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther
Einundzwanzigste Homilie.

II.

2. Wenn ich Andern nicht Apostel bin, so bin ich’s doch euch.

Siehst du, wie er Nichts übertreibt? Und doch hätte er den Erdkreis und barbarische Völker, Festland und Meer anführen können; allein davon sagt er Nichts, und dieses Stillschweigen verschafft ihm ohne Mühe den Sieg. Was soll ich unnöthiger Weise noch anführen, sagt er, da schon Dieses zu meinem Vorhaben hinreicht? Ich rede hier nicht von Dem, was ich bei Andern Großes gethan, sondern von Dem, wovon ihr selbst Zeugen gewesen. Wenn ich auch von Andern Nichts hätte annehmen dürfen, so doch sicher von euch; und doch habe ich meinen Unterhalt von Denjenigen, von denen ich ihn am ehesten hätte annehmen dürfen, nämlich von euch, deren Lehrer ich war, nicht angenommen: „Wenn ich Andern nicht Apostel bin, so bin ich’s doch euch.“ Auch hier drückt er nicht das Ganze, aus; denn er war der Welt Apostel. Das sage ich aber nicht, spricht er, ich zanke und streite nicht, sondern setze nur her, [S. 347] was auf euch Bezug hat: „Denn ihr seid das Siegel meines Apostolates,“ d. h. der Beweis. Will Jemand wissen, woher ich ein Apostel sei, so berufe ich mich auf euch; denn Alles, was einem Apostel zusteht, habe ich bei euch gethan und Nichts unterlassen. Das sagt er auch in seinem zweiten Sendschreiben: „Wenn ich auch Nichts bin, so wurden doch die Zeichen des Apostolates unter euch gewirkt in jeglicher Ausdauer, in Zeichen und Wundern und Kräften;“1 denn worin standet ihr den übrigen Kirchen nach? Darum spricht er: „Das Siegel meines Apostolates seid ihr;“ denn ich habe unter euch Wunder gewirkt, euch mündlich gelehrt, Gefahren bestanden und ein tadelloses Leben geführt. Dieß alles geht aus den zwei Sendschreiben hervor, und wie bestimmt er ihnen von Allem die Beweise anführt.

3. Meine Vertheidigung bei Denen, die mich zur Rede stellen, ist Dieß.

Was heißt Das: „Meine Vertheidigung bei Denen, die mich zur Rede stellen, ist Dieß“? Denjenigen, welche fragen, woher ich ein Apostel sei, oder die mich beschuldigen, daß ich Geld annehme, oder die wissen wollen, warum ich keines annehme, oder die mich nicht für einen Apostel ansehen wollen, — mag euer Unterricht im Glauben als Beweis und Vertheidigung gelten, wie auch Das, was ich ferner zu sagen gedenke. Was ist nun Das?

4. 3. Haben wir nicht Befugniß, zu essen und zu trinken? Haben wir nicht Befugniß, eine Frau als Schwester mitzuführen?

Wie soll nun Das eine Vertheidigung sein? Weil ich, wenn ich mich sogar des Erlaubten enthalte, wohl nicht in [S. 348] den Verdacht kommen kann, ein Betrüger zu sein oder Etwas wegen des Geldes zu thun. Das früher Gesagte, euer Unterricht und was ich eben gesprochen, genügt euch gegenüber zu meiner Vertheidigung, und Allen, die mich zur Rede stellen, halte ich Stand und sage ihnen: „Haben wir nicht Befugniß, zu essen und zu trinken? Haben wir nicht Befugniß, eine Frau als Schwester mitzuführen?“ Dennoch mache ich von dieser Befugniß keinen Gebrauch. Wie? hat denn Paulus nicht gegessen und getrunken? Sicher hat er oft nicht gegessen und getrunken; denn er sagt: „Ich litt Hunger und Durst, Kälte und Blöße.“2 Hier aber sagt er Das nicht, sondern was? Wir nehmen von den Schülern weder Speise noch Trank an, obwohl wir dazu berechtiget wären.

Haben wir nicht Befugniß, eine Frau als Schwester mitzuführen, sowie auch die übrigen Apostel und die Brüder des Herrn und Kephas?“ Sieh’ da die Weisheit! Den Fürsten (der Apostel) setzt er zuletzt: denn das Wichtigere, die Hauptsache stellt er dadurch voran. Denn daß die andern Apostel Dieses thaten, ist nicht so sehr zu verwundern, als daß Petrus, der den ersten Rang einnahm, und dem die Schlüssel des Himmelreiches anvertraut waren, Dasselbe gethan hat. Übrigens nennt er ihn nicht allein, sondern Alle, als wollte er sagen: Magst du die Niedern oder die Höhern in’s Auge fassen. Alle dienen als Beispiel. Denn die Brüder des Herrn, von dem früheren Unglauben befreit, gehörten unter die Zahl der Bewährten, obwohl sie den Aposteln nicht gleich kamen. Darum setzt er sie auch in die Mitte (zwischen die Apostel) und die beiderseitigen Spitzen3 (Paulus und Kephas).

[S. 349] 6. Oder haben nur ich und Barnabas nicht Befugniß, die Handarbeit zu unterlassen?

Sieh’, wie demüthig er ist, wie so ganz entfernt von jeglichem Neide, daß er Den nicht verschweigt, den er als Genossen seiner Arbeiten kannte. Da wir Alles mit einander gemein haben, warum nicht auch Dieses? Wir sind ja Apostel und frei wie Jene, wir haben Apostelarbeiten aufzuweisen und haben Christum gesehen: also haben auch wir die Befugniß, die Handarbeit zu unterlassen und von den Schülern die Nahrung zu nehmen.

7. Wer dient wohl als Soldat auf eigene Kosten?

Nachdem er aus dem gewichtvollen Beispiele der Apostel gezeigt, daß Dieses (die Annahme des Unterhaltes) erlaubt sei, geht er, nach seiner Gewohnheit, über auf die Beispiele aus dem gemeinen Leben und sagt: „Wer dient wohl als Soldat auf eigene Kosten?“ Du aber erwäge mir, wie treffend er für den vorliegenden Fall die Beispiele wählt, wie er zuerst das Gefahrvolle der Sache erwähnt und dann Kriegsdienst, Waffen und Kampf. Denn so beschaffen, ja noch viel gefahrvoller ist das Apostolat. Die Apostel hatten nämlich nicht nur gegen Menschen zu kämpfen, sondern auch gegen Dämonen und den Fürsten derselben. Er will damit Folgendes sagen: Nicht einmal die heidnischen Fürsten, die grausam und ungerecht sind, fordern, daß der Soldat in den Krieg ziehe, sich der Gefahr aussetze und das auf eigene Kosten. Wie sollte nun Christus Dieß fordern?

1: II. Kor. 12, 12.
2: II. Kor. 11, 27.
3: Τοὺς ἄκρους.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger