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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther
Zwanzigste Homilie.

IV.

Ich habe nun den Grund angegeben, warum hier des Geistes keine Erwähnung geschieht; sage nun du mir, wenn sich die Sache nicht also verhält, warum derselbe bei der Taufe (Taufformel) verbunden erscheint! Einen andern Grund wirst du wohl nicht zu nennen vermögen als den, daß der hl. Geist dem Vater und Sohne an Ansehen gleich sei. Betrachte, wie der Apostel den hl. Geist mit diesen verbindet, wo er nicht genöthiget ist, anders zu thun! Er sagt: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes (und des Vaters) und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen!“1 Und wieder: „Vertheilungen aber der Gnadengaben gibt es, jedoch derselbe Geist ist es; und Vertheilungen der Dienste gibt es, jedoch es ist derselbe Herr; und Vertheilungen von Wirkungsweisen gibt es, jedoch es ist derselbe Gott.“2 Weil er es aber mit Heiden zu thun hatte und mit Heidenchristen, die noch schwach waren, darum wird Dieß für jetzt übergangen. So erwähnen auch die Propheten nirgends der Gottheit des Sohnes wegen der Schwachheit der Zuhörer.

7. Allein diese Einsicht haben nicht Alle.

Welche Einsicht? die in Betreff Gottes oder die bezüglich der den Götzen geopferten Speisen? Er meint hier entweder die Heiden, welche viele Götter und Herren annahmen und den wahren Gott nicht kannten, oder Diejenigen aus den Heidenchristen, die noch schwach waren und nicht einsahen, daß man die Götzen nicht zu fürchten habe, und daß ein Götze in der Welt Nichts sei. Nach diesen Worten erhebt er sie allmälig und tröstet sie; denn er wollte nicht Alles verfolgen, besonders weil er gewillt war, sie in der Folge ernstlicher zurechtzuweisen. „Sondern Einige, mit ihren noch nicht abgelegten Begriffen von den Götzen, essen es als Götzenopfer, [S. 334] und ihr Gewissen, weil es schwach ist, wird befleckt.“ Sie haben noch Furcht vor den Götzen, sagt er. Denn du darfst mir hier nicht den jetzigen Zustand der Dinge erwähnen und auch nicht, daß du den Glauben von deinen Ahnen ererbt hast; sondern du mußt jener Zeiten gedenken, wo die Verkündigung des Evangeliums erst den Anfang genommen, wo noch die Gottlosigkeit herrschte und die Altäre vom Opferdampfe rauchten und Trankopfer gespendet wurden und die Mehrzahl im Heidenthum lebte: wie war es möglich, daß Solche, deren Väter, Groß- und Urgroßväter Götzendiener gewesen, und von denen die Gottlosigkeit auf sie vererbt worden, und die von den Dämonen so viel Unheil erlitten, — auf einmal sich umändern sollten? Wie mußten sie sich nicht fürchten und zittern vor den Nachstellungen der Dämonen? Auf diese leise hindeutend sprach er: „Einige, mit ihren noch nicht abgelegten Begriffen von den Götzen.“ Deutlich nennt et sie nicht, um ihnen nicht wehe zu thun; allein er übergebt sie auch nicht, sondern erwähnt ihrer nur in allgemeinen Ausdrücken, indem er sagt: „Einige, mit ihren noch nicht abgelegten Begriffen von den Götzen, essen es als Götzenopfer,“ das heißt mit derselben Überzeugung, die sie früher hatten; „und ihr Gewissen, weil es schwach ist, wird befleckt,“ da es dieselben noch nicht zu verachten und ganz zu verlachen vermag, sondern immer noch einen Unterschied macht, wie wenn Jemand aus jüdischer Gewohnheit sich durch die Berührung eines Todten zu verunreinigen glaubte und nun, da er Andere die Todten mit freiem Gewissen berühren sieht, Dasselbe wagte, aber mit zweifelhaftem Gewissen, und so sein Gewissen verletzte. Nicht ohne Grund sagt er: „Mit ihren noch nicht abgelegten Begriffen;“ denn er will ihnen zeigen, daß sie jenen Mitbrüdern Nichts genützt hätten, da sie sich ihnen nicht nachbequemten. Das war nicht die rechte Art, sie zu gewinnen; durch Belehrung und Überzeugung hätte Dieß geschehen sollen. „Und ihr Gewissen, weil es schwach ist, wird befleckt.“ [S. 335] Die Natur der Sache berührt er noch nicht, sondern spricht immer und überall von dem Gewissen Desjenigen, der (von den Opferspeisen) genießt; denn er besorgt, indem er den Schwachen zurechtweist, den Starken zu verletzen und auch ihn schwach zu machen. Er schont also des Einen so gut wie des Andern; auch will er nicht, daß man so Etwas vermuthe; er sucht vielmehr diesem Wahne in weitläufiger Rede entgegen zu treten.

8. Speise aber empfiehlt uns nicht bei Gott; denn weder wenn wir essen, werden wir Etwas voraushaben, noch auch werden wir, wenn wir nicht essen, verkürzt sein.

Siehst du, wie er neuerdings ihren Hochmuth dämpft? Nachdem er gesagt, daß nicht sie allein, sondern wir alle Kenntniß haben, und daß Keiner so erkenne, wie seine Erkenntniß beschaffen sein soll, und daß das Wissen stolz mache; nachdem er sie dann wieder getröstet und gesagt hatte, daß diese Einsicht nicht Alle besitzen und Diese darum ihr schwaches Gewissen beflecken: so begegnet er dem möglichen Einwurf von Seite der Andern: „Was geht Das uns an, wenn nicht Alle diese Einsicht besitzen? Warum hat Dieser und Jener sie nicht? Warum ist er schwach?“ Damit sie nicht Solches entgegnen möchten, beginnt er nicht sogleich mit dem Beweise, daß sie wegen des Ärgernisses der Schwachen sich zu enthalten die Pflicht hätten, sondern er wagt erst einen leichten Angriff und dann erst stellt er ihnen einen gewichtigeren Grund dar. Was ist das für einer? „Wenn auch Niemand sich daran ärgerte und der Nächste dadurch nicht dem Verderben verfiele, so dürfte man Solches dennoch nicht thun; denn es wäre ein thörichtes Bestreben.“ Denn wer da vernimmt, daß ein Anderer Schaden leide, er selbst aber Gewinn davon trage, der wird sich nicht leicht umlenken lassen; eher würde er Dieses thun, wenn er hörte, daß ihm die Sache Nichts nütze. Deßwegen setzt er Die-es zuerst, indem er sagt: „Speise aber empfiehlt [S. 336] uns nicht bei Gott.“ Siehst du, wie gering er Das anschlägt, was eine Wirkung vollendeter Kenntniß zu sein schien? „Denn weder wenn wir essen, werden wir Etwas voraushaben,“ d. h. Gott wohlgefällig werden, als hätten wir etwas Gutes oder Großes gethan; „noch auch werden wir, wenn wir nicht essen, verkürzt sein,“ d. h. weniger haben.

1: II. Kor. 13, 13.
2: I. Kor. 12, 4—6.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger