Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther
Neunzehnte Homilie.

III.

Warum aber wird hier das Unreine besiegt und das Beiwohnen erlaubt, während doch der Mann nicht getadelt wird, der im Falle des Ehebruches von Seite des Weibes dasselbe verstößt? Weil hier zu hoffen ist, daß der verlorene Theil durch die Ehe gerettet werde, dort hingegen die Ehe schon aufgehoben ist; dort werden beide Theile verderbt, hier aber trägt nur ein Theil die Schuld. Ich gebe ein Beispiel. Eine Gewohnheitshure ist offenbar unrein. Wenn nun, wer dieser Hure anhängt, ein Leib mit ihr ist, so wird auch Derjenige, welcher ihr beiwohnt, unrein: die ganze Reinheit geht dadurch verloren. Hier aber verhält sich die Sache nicht also, sondern wie? Der Götzendiener ist unrein, das Weib aber rein. Wenn sie mit ihm Gemeinschaft pflegte in Dem, worin er unrein ist, nämlich im Götzendienste, so würde auch sie unrein; nun aber ist der Mann als Götzendiener in einer andern Beziehung unrein; in Bezug auf eheliche Gemeinschaft und eheliche Pflicht aber ist er nicht unrein. Ferner ist hier Hoffnung vorhanden, daß der Mann durch das Weib gewonnen werde, denn sie ist ja keine vertraute Freundin; dort aber dürfte Das [S. 311] nicht leicht der Fall sein. Denn wie sollte das Weib, das den eigenen Mann verschmähte, die Gesetze der Ehe verletzte und sich einem Andern hingab, den Beleidigten, der ihr nun auch fremd geworden, wieder zu gewinnen vermögen? Nachdem sie die Ehe gebrochen, ist der Mann nicht mehr ihr Mann; hier aber verliert die Frau, obgleich sie Götzendienerin ist, die Ansprüche auf ihren Mann nicht. Auch wohnt sie nicht unbedingt mit dem nichtchristlichen Manne zusammen, sondern wenn er es gestattet: darum sagt der Apostel: „Wenn er zufrieden ist, ihr beizuwohnen.“ Denn, sage mir, was sollte es schaden, falls die Religion unberührt bleibt und gute Hoffnung da ist, den ungläubigen Theil zu bekehren, wenn die einmal Verbundenen so bleiben und nicht Anlaß geboten wird zu überflüssigem Zwist? Er redet nämlich hier nicht von Denen, die noch nicht verheirathet sind, sondern von den schon wirklich Vermählten. Denn er sagt nicht: Wenn Jemand eine Nichtchristin heirathen will, sondern: „Wenn Jemand eine Nichtchristin (zur Frau) hat;“ z. B. wenn Jemand, der schon eine Ehe geschlossen, den wahren Glauben annimmt, die andere Ehehälfte aber im Heidenthume verharret, jedoch die Ehe noch wünscht, so soll sie nicht getrennt werden: „Denn,“ heißt es, „der nichtchristliche Mann wird geheiligt durch die christliche Frau.“ So groß ist der Vorrath deiner Reinheit. Wie? Ist denn der Heide nun heilig? Keineswegs; denn es heißt nicht: Er ist heilig, sondern er wird geheiligt durch die (christliche) Frau. Das aber sagt der Apostel nicht, um den Mann als heilig hinzustellen, sondern um dem Weibe die Furcht zu benehmen und dem Manne ein Verlangen nach dem Christenthume einzuflößen. Denn das Unreine bezieht sich nicht auf die körperliche Vermischung, sondern auf den freien Willen der Seele. Darauf folgt der Beweis: Wenn du unrein würdest und so ein Kind zur Welt brächtest, so wäre dieses, da es nicht von dir allein ist, auch unrein oder doch nur halb rein; nun ist es aber nicht unrein. Daher fügt er bei: „Sonst würden euere Kinder unrein sein; [S. 312] nun aber sind sie heilig,“ d. h. nicht unrein. Er nennt sie aber „heilig“, um durch diesen kräftigen Ausdruck jede Furcht und Besorgniß zu heben.

13. Will sich aber der Nichtchristliche trennen, so mag er es thun.

Denn hier ist es kein Ehebruch. Was heißt aber Das: „Will sich der Nichtchristliche trennen“? Es heißt: Verlangt er, daß du den Götzen opferst, daß du, als seine Frau, dich an seinen heidnischen Gebräuchen betheiligst oder das Haus verlassest, so ist es besser, daß die Ehe aufgehoben werde als die Religion. Darum fügt er bei: „Denn nicht geknechtet ist der Bruder oder die Schwester in diesem Falle.“ Er will damit sagen: Wenn er täglich neckt und zankt, so ist es besser, sich zu trennen: denn Das deutet er an mit den Worten: „Zum Frieden aber hat Gott uns berufen.“ In diesem Falle gibt der Ungläubige wie beim Ehebruche Ursache zur Trennung.

16. Denn wie weißt du, Frau, ob du den Mann zum Heile führest?

Das bezieht sich auf das oben Gesagte: „Sie scheide sich nicht von ihm“; d. h. wenn er nicht zankt, so bleibe bei ihm: denn er zieht daraus Nutzen: bleibe und ermahne, rathe und überrede; denn kein Lehrer wird so viel erreichen als eine Gattin, doch legt er ihr keinen Zwang auf und fordert es nicht unbedingt, um nicht neuerdings eine Last aufzulegen, macht sie aber auch nicht muthlos, sondern läßt die Sache ob des unsicheren Ausganges im Zweifel, da er spricht: „Denn wie weißt du, Frau, ob du den Mann zum Heile führest? Oder wie weißt du, Mann, ob du die Frau zum Heile bringest?“ Und wieder: [S. 313] 17. 18. 19. 20. 2l. Wenn nicht, so bleibe ein Jeder, wie es ihm der Herr zugetheilet hat, und wie einen Jeden Gott berufen hat, so wandle er! Ist Einer als beschnitten berufen, so ziehe er sich keine Vorhaut; ist Einer als unbeschnitten berufen, so lasse er sich nicht beschneiden! Die Beschneidung ist Nichts und die Vorhaut ist Nichts, sondern die Beobachtung der Gebote Gottes. Ein Jeder bleibe in dem Berufe, in dem er berufen ward! Bist du als Sklave berufen, so laß dich’s nicht kümmern!

Dieses, sagt er, trägt zum Glauben Nichts bei; zanke also nicht und laß dich darob nicht verwirren: denn der Glaube hat Das alles beseitigt!1 „Ein Jeder bleibe in dem Berufe, in dem er berufen ward!“ Bist du berufen worden und hast eine nichtchristliche Frau? Behalte sie bei; verstoße sie nicht wegen des Glaubens! Bist du als Sklave berufen worden? Sei darum unbekümmert und bleibe Sklave! Wurdest du als Unbeschnittener berufen? Bleibe unbeschnitten! Hast du als Beschnittener geglaubt? Bleibe beschnitten! Denn Das besagen die Worte: „Ein Jeder bleibe, wie es ihm Gott zugetheilt hat!“ Dieß alles legt der Religion kein Hinderniß in den Weg. Du wurdest als Sklave berufen, ein Anderer als Solcher, der ein nichtchristliches Weib hatte, und ein Anderer als Beschnittener!

1: D. h. der Glaube hat jenen Unterschied aufgehoben.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis

Navigation
. Mehr
. Elfte Homilie.
. Zwölfte Homilie.
. Dreizehnte Homilie. ...
. VierzehnteHomilie. ...
. Fünfzehnte Homilie. ...
. Sechzehnte Homilie. ...
. Siebenzehnte Homilie. ...
. Achtzehnte Homilie. ...
. Neunzehnte Homilie. ...
. . I.
. . II.
. . III.
. . IV.
. . V.
. . VI.
. Zwanzigste Homilie. ...
. Einundzwanzigste Homilie. ...
. Zweiundzwanzigste Homi...
. Dreiundzwanzigste Homi...
. Vierundzwanzigste Homi...
. Fünfundzwanzigste ...
. Sechsundzwanzigste ...
. Siebenundzwanzigste ...
. Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger