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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther
Neunzehnte Homilie.

II.

Denn wenn in einem Hause Mann und Weib zanken, so ist das Haus nicht besser daran als ein vom Sturme [S. 307] umhergeiriebenes Schiff, dessen Steuermann und Untersteuermann uneinig sind. Darum sagt er: „Entziehet euch einander nicht, es sei denn mit gegenseitiger Einwilligung auf kurze Zeit, um euch dem Fasten und dem Gebete zu widmen.“ Er spricht hier von einem ganz vorzüglich eifrigen Gebete. Denn wie könnte er fordern, daß man ohne Unterlaß bete, wenn er den Eheleuten das Beten versagte? Man darf also mit einem Weibe leben und doch beten; aber durch Enthaltsamkeit wird das Gebet vollkommener. Denn er sagt nicht einfach: daß ihr betet, sondern: „daß ihr euch dem Gebete widmet,“ und stellt so die Sache nicht als eine Verunreinigung, sondern bloß als ein Hinderniß dar. „Dann aber kommt wieder zusammen, damit der Satan euch nicht versuche!“ Damit nämlich Dieses nicht als eine gesetzliche Vorschrift erscheine, gibt er den Grund an. Und was ist das für einer? „Damit der Satan euch nicht versuche.“ Und damit du einsehest, daß nicht der Teufel allein die Ursache des Ehebruches sei, setzt er hinzu: „Wegen eurer Unenthaltsamkeit.“

6. 7. Dieß aber sage ich als Zugeständnis, nicht als Befehl. Denn ich wünsche, daß alle Menschen so seien wie ich, nämlich in der Enthaltsamkeit.

Oft führt er sich selber an, wenn er Beschwerliches rathet, und sagt: „Seid meine Nachahmer!“1 „Allein Jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott; der Eine so, der Andere so.“ Weil er sich aber gegen sie hart geäussert hatte mit den Worten: „wegen eurer Unenthaltsamkeit,“ so tröstet er sie wieder, indem er sagt: „Jeder hat seine Gnadengabe von Gott.“ Da- [S. 308] durch will er nicht sagen, daß unsere Mitwirkung zur Tugend nicht erforderlich sei, sondern er will sie, wie ich oben gesagt, nur ermuntern. Wenn diese Tugend bloß eine Gnade ist, und der Mensch Nichts dazu beiträgt, warum fügt er Folgendes bei?

8. 9. Den Nichtvermählten und Wittwen rathe ich, daß sie wohl thun, so zu bleiben wie ich. Können sie sich aber nicht enthalten, so mögen sie Heirathen.

Siehst du, wie weise der Apostel verfährt, indem er der Enthaltsamkeit den Vorzug einräumt, aber Demjenigen, der sie nicht erreichen kann, keinen Zwang auferlegt, damit er etwa nicht falle? „Denn es ist besser, heirathen, als Brunst leiden.“ Damit zeigt er die Tyrannei der Begierlichkeit an. Er will damit sagen: Leidest du heftige Angriffe und Brunst, so befreie dich von Kampf und Anstrengung, damit du nicht überwältiget werdest!

10. Den Vermählten aber gebiete nicht ich, sondern der Herr.

Weil er ihnen ein von Christus gegebenes Gesetz vortragen will, daß man nämlich ausser dem Falle des Ehebruches sein Weib nicht entlassen dürfe, so sagt er: „Nicht ich“. Das früher Gesagte, wenn es auch nicht so ausdrücklich gesagt ist, war seine Ansicht; hier aber drückt er es deutlich aus; also bietet Jenes: „ich“ und: „nicht ich“ diesen Unterschied dar. Damit man aber seine Ansicht nicht für bloßes Menschenwort halte, sagt er auch: „Ich meine aber, daß auch ich den Geist Gottes habe.“ Was gebietet also der Herr den Vermählten? „Daß das Weib sich vom Manne nicht scheide.“

[S. 309] 11. Wenn sie sich aber scheidet, so bleibe sie unverheirathet oder söhne sich mit dem Mann wieder aus; auch der Mann soll sich vom Weibe nicht trennen!

Da aber Trennungen sowohl der Enthaltsamkeit willen als auch aus andern Vorwänden und geringfügigen Ursachen vorkamen, so sagt er, es wäre ursprünglich besser gewesen, wenn sie nicht stattgehabt hätten; sei aber die Trennung einmal geschehen, so solle das Weib, wenn auch von Tisch und Bett geschieden, dennoch insoferne mit dem Manne verbunden bleiben, daß sie keinen andern heirathen dürfe.

12. 13. Den Übrigen aber sage ich, nicht der Herr: Wenn ein Bruder eine Nichtchristin zur Frau hat und sie zufrieden ist, ihm beizuwohnen, so scheide er sich nicht von ihr! Auch wenn eine Christin einen Nichtchristen zum Manne hat und er zufrieden ist, ihr beizuwohnen, so scheide sie sich nicht von ihm!

Sowie nämlich Paulus, wo er über die Absonderung von den Unzüchtigen sprach, durch eine Einschränkung die Sache erschwerte: „Nicht schlechthin mit den Buhlern dieser Welt“, so hat er hier dieselbe fürsorglich bedeutend erleichtert, indem er spricht: Hat Jemand, Weib oder Mann, eine ungläubige Ehehälfte, so scheide er sich von ihr nicht! Was sagst du? Wenn er ein Ungläubiger ist, soll er sich von seinem Weibe nicht trennen? Ist er aber ein Unzüchtiger, dann soll Dieses geschehen? Die Unzucht ist doch eine geringere Sünde als der Unglaube? Wohl ist die Unzucht eine kleinere Sünde; Gott aber geht mit den Seinigen gar schonend um. Das thut er ja auch bei der Opfergabe, indem er spricht: „Laß deine Gabe und versöhne dich mit deinem Bruder!“ Dasselbe thut er bei Dem, welcher die zehntausend Talente schuldet. Denn er strafte Diesen [S. 310] nicht, weil er ihm zehntausend Talente schuldete, sondern weil er von seinem Mitknechte die hundert Denare einforderte. Damit aber das Weib sich durch den ehelichen Umgang nicht für unrein erachte, sagt er:

14. Denn geheiligt ist der nichtchristliche Mann durch das (christliche) Weib und geheiligt das nichtchristliche Weib durch den (christlichen) Mann.

Und doch, wenn Derjenige, der einer Hure anhängt, ein Leib mit ihr wird, ist es offenbar, daß Diejenige, die einem Götzendiener anhängt, ein Leib mit ihm wird. Wohl wird sie ein Leib, aber nicht unrein; denn die Reinheit des Weibes überwindet die Unreinheit des Mannes, und die Reinheit des christlichen Mannes überwindet die Unreinheit des nichtchristlichen Weibes.

1: I. Kor. 4, 16.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger