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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther

Achtzehnte Homilie.

I.

15. Wisset ihr nicht, daß eure Leiber Glieder Christi sind? Darf ich nun die Glieder Christi nehmen und daraus Glieder einer Buhlerin machen? Das sei ferne!

I. Nachdem er sich vom Unzüchtigen gegen den Geizhals gewandt, kommt er wieder auf jenen zurück, ohne jedoch an ihn die Rede zu richten, sondern er redet zu Andern, die sich dieser Sünde nicht schuldig gemacht; diese befestigt er nun, damit sie nicht der gleichen Sünde verfallen, wodurch er doch wieder den Blutschänder trifft. Denn der Sünder fühlt den Stachel, falls du die Rede auch an einen Andern richtest, da ihn sein Gewissen wecket und geißelt. Zwar genügte schon die Furcht, sie in der Zucht zu erhalten; da er sie aber nicht durch die Furcht allein bessern will, so fügt er auch Drohungen und Gründe hinzu. Dort hatte er die Sünde genannt und die Strafe bezeichnet und gezeigt, welcher Nachtheil für Alle aus dem Umgange mit dem Unzüchtigen entstehe; und dabei ließ er es bewenden; dann ging er auf den Geiz über und beschloß die Rede damit, daß er den Habsüchtigen und Allen, die er dort auf- [S. 291] gezählt hat, den Verlust des Himmelreichs droht; hier aber bedient er sich viel schärferer Worte. Wer nur von der Strafe der Sünde redet, ohne zugleich das Verwerfliche derselben vor Augen zu stellen, der wird durch die Erwähnung der Strafe wenig erreichen; und wer bloß das Schmachvolle der Sünde erwähnt, ohne mit der Strafe zu schrecken, der wird auf die Gefühllosen wenig Eindruck machen. Darum thut Paulus Beides; er beschämt die Sünder mit den Worten: „Wisset ihr nicht, daß wir über Engel richten werden?“ Und er schreckt sie durch die Worte: „Wisset ihr nicht, daß die Geizigen das Reich Gottes nicht erben werden?“ Ebenso spricht er gegen den Unzüchtigen. Nachdem er ihn durch das früher Gesagte in Schrecken gesetzt und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen und dem Satan übergeben und an den Tag des Gerichtes erinnert hat, spricht er abermals beschämend: „Wisset ihr nicht, daß euere Leiber Christi Glieder sind?“ Er redet dann mit ihnen wie mit Kindern edler Abkunft. Denn weil er gesagt hatte: „Der Leib ist für den Herrn da,“ erklärt er Dieses jetzt deutlicher. Auch anderswo thut er Dasselbe mit den Worten: „Ihr aber seid Christi Leib und Glieder antheilmäßig.“1 An vielen Stellen bedient er sich des nämlichen Beispiels, jedoch zu verschiedenem Zwecke, bald um die Liebe zu zeigen, bald um die Furcht zu vermehren, hier aber Furcht und Schrecken erregend: „Soll ich die Glieder Christi nehmen und sie zu Gliedern einer Buhlerin machen? Das sei ferne!“ Das sind furchtbare Worte. Und er sagt nicht: Soll ich die Glieder Christi nehmen und sie an eine Bublerin schließen? sondern was? „Soll ich sie zu Gliedern einer Buhlerin machen?“ Das machte gewiß, einen größern [S. 292] Eindruck. Darauf zeigt er, wie Derjenige, der solche Unzucht treibt, seine Glieder zu Gliedern der Buhlerin macht, indem er sagt:

16. 17. Wisset ihr nicht, daß, wer der Buhlerin anhängt, (mit ihr) ein Leib wird? Woraus erhellet Das? Denn sie werden, spricht er, Zwei sein in einem Fleische. Wer aber dem Herrn anhängt, ist (mit ihm) ein Geist.

Denn der Beischlaf gestattet es nicht, daß Zwei Zwei seien, sondern macht die Zwei zu Einem.

18. Fliehet die Unzucht!

Er sagt nicht: Enthaltet euch der Unzucht, sondern: „fliehet“ sie, d. h. bestrebet euch, daß ihr von diesem Übel befreit werdet! „Jede Versündigung, welche der Mensch je vollbringt, ist ausserhalb des Leibes; wer aber Unzucht begeht, sündigt wider den eigenen Leib.“ Zwar ist Dieses nicht so stark als das Vohergehende; weil er aber von der Unzucht redet, so sucht er die Abscheulichkeit dieses Lasters sowohl durch das Große als durch das Kleine zu zeigen. Ersteres gilt den schon vollkommeneren Christen, Letzteres den schwächeren. So Pflegt Paulus weislich das Kleine und das Große, wie auch das Schändliche und Unanständige zu benutzen, um die Sünde zu beschämen.

Wie aber, fragt man, befleckt denn der Mörder nicht auch seine Hand? Und der Habsüchtige und der Räuber? Das ist ganz klar. Allein weil er nicht behaupten konnte, es gebe nichts Ruchloseres als die Unzucht, so steigert er dieses Verbrechen auf andere Weise, indem er sagt, durch die Hurerei werde der ganze Körper häßlich entweiht. Denn er wird also beschmutzt, als wäre er in einen Behälter von [S. 293] Unrath ganz eingetaucht worden. Das ist ja auch bei uns die gewöhnliche Sitte: von einem begangenen Raub und Betrug geht Niemand in’s Bad, sondern geht gleichgiltig nach Hause; aber nach dem Beischlaf mit einer Hure eilt er in’s Bad, als wär’ er ganz unrein; so fühlt das Gewissen selbst bei dieser Sünde eine größere Schande. Sicher sind beide — Geiz und Hurerei — schwere Sünden und führen zur Hölle; doch weil der Apostel Alles klug und weise benutzt, so stellt er die Verwerflichkeit der Unzucht dar durch alle ihm zu Gebote stehenden Mittel.

1: I. Kor. 12, 27. Glieder dem Antheile nach (antheilmäßig), d. h. Jeder als Glied des Ganzen mit seinem eigenthümlichen Antheile an Gaben und Berufsart: vgl. Röm. 12, 5. Reischl.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger