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Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther
Achtzehnte Homilie.

IV.

Nun Das geschieht wohl auch letzt noch. Auch jetzt noch gibt es einen König des babylonischen Glutofens; auch jetzt schürt derselbe ein Feuer, das schrecklicher ist als jenes; auch jetzt noch befiehlt er, jenes Bild anzubeten. Satrapen und Kriegsheere und bezaubernde Musik stehen ihm zu Gebote. Viele staunen dieses bunte, gewaltige Bild an. Ein solches Bild ist nämlich der Geiz, ein Bild wie jenes, zusammengesetzt aus ungleichartigen Stoffen, und der Geiz befiehlt, daß man Alles bewundere — Erz, Eisen und was noch viel geringeren Werth hat. Sowie aber noch jetzt das Bild dasteht, so gibt es auch jetzt noch Nachahmer jener Jünglinge, die da sprechen: „Deinen Göttern dienen wir nicht, und dein Bild beten wir nicht an,“1 sondern wir ertragen den Glutofen der Armuth und jedes andere Mühsal um Gottes willen. Diejenigen, die Vieles besitzen, beten jetzt wie damals die Menge oft das Bild an und werden von der Flamme verzehrt; die aber Nichts besitzen, verachten dasselbe und leben in Armuth, genießen aber eine größere Erquickung als Diejenigen, die im Überfluß schwel- [S. 300] gen; wie auch damals Diejenigen, welche die Jünglinge in die Flammen hineinwarfen, verbrannten, die sich aber mitten im Pfuhle befanden, wie von Thauregen Kühlung empfingen. Damals trug der Tyrann in sich eine heftigere Glut — das gewaltige Feuer des Zornes — als jene Jünglinge; denn ihnen konnte die Flamme nicht einmal die Spitzen der Haare versengen; im Herzen des Königs hingegen loderte der Zorn ärger als Feuer. Denn bedenke, was Das sagen wollte, im Angesichte so vieler Menschen von gefangenen Knaben verachtet zu werden! Da zeigte es sich, daß er ihre Stadt nicht durch seine Tapferkeit erobert, sondern wegen der Sünden des Volkes. Denn wenn er sie, die da gebunden im Ofen lagen, nicht zu besiegen vermochte, wie hätte er sie im Kriege überwinden können, wären sie alle solche Männer gewesen? So ist es klar, daß die Sünden des Volkes die Stadt zum Falle gebracht. Sieh’ aber, wie ferne von eiteler Ruhmsucht die Jünglinge waren! Denn sie sprangen nicht selbst in die Flamme, sondern befolgten lange vorher Christi Befehl, der da spricht: „Betet, auf daß ihr nicht in Versuchung gerathet!“2 Aber sie flohen auch nicht, als sie hingeschleppt wurden, sondern sie standen tapfer da, unbekümmert um das Schweigen des Königs, furchtlos ob seines Befehls, kühn, zu Allem bereit und voll edler Freimüthigkeit. Hören wir nun auch, was sie sagen, um daraus ihre Weisheit3 kennen zu lernen: „Es ist ein Gott im Himmel, der uns erretten kann.“4 Sie sind nicht ihretwegen besorgt, sondern wenn auch dem Feuertode geweiht, liegt ihnen die Ehre Gottes am Herzen. Damit du, sagen sie, unsern Gott, wenn wir verbrennen sollten, nicht der Ohnmacht beschuldigst, so wollen wir dir unsern ganzen Glauben verkünden: „Es ist ein Gott im Himmel,“ [S. 301] nicht ein solcher, wie dieses Bild hier auf Erden, leblos und stumm, sondern ein Gott, der uns mitten aus dem brennenden Ofen zu retten vermag. Halte ihn darum nicht für ohnmächtig, weil er es zuläßt, daß wir hineingeworfen werden; denn er ist mächtig genug, uns wieder aus den Flammen zu retten: „Und wenn auch nicht, so wisse, o König, daß wir deinen Göttern nicht dienen, und das goldene Bild, das du aufgestellt hast, nicht anbeten!“5 Nach einem weisen Rathschlusse war ihnen der Ausgang verborgen. Denn hätten sie denselben vorher gewußt, so verdienten sie ob ihrer That keine Bewunderung; denn was Wunder, wenn sie, ihrer Rettung versichert, dem schrecklichen Leiden muthig entgegengingen? Dann wurde zwar Gott verherrlicht, der sie der Flamme entreissen konnte, sie selber aber verdienten keine Bewunderung, weil sie sich ja selbst keiner Gefahr ausgesetzt hätten. Darum hat ihnen Gott die Zukunft verborgen, um ihnen desto größeren Ruhm zu verschaffen. Und gleichwie sie den König schützten, Gott, falls sie verbrennen würden, der Ohnmacht zu zeihen, so that Gott ein Zweifaches: er bewies seine eigene Macht und verherrlichte der Jünglinge Muth. Warum schwankten sie denn und vertrauten nicht so ganz fest auf ihre Rettung? Weil sie sich für gar zu gering und einer solchen Wohlthat für unwürdig schätzten. Dieses ist nicht etwa eine bloße Vermuthung von mir; denn als sie in die Flamme geworfen wurden, klagten sie und sprachen: „Wir haben gesündigt, wir haben Unrecht gethan; wir dürfen unsern Mund nicht öffnen.“ Darum sagten sie: „Und wenn auch nicht.“ Wundere dich nicht, wenn sie nicht klar und vollständig sagen: „Gott ist mächtig, uns zu befreien; befreit er uns aber nicht, so thut er Dieses ob unserer Sünden;“ denn es hätte sonst den Anschein gehabt, als wollten sie durch diesen Vorwand die Schwäche Gottes verdecken. Darum sprechen sie nur von seiner Macht, verschweigen [S. 302] aber den Grund. Übrigens wußten sie gar wohl, daß man über Gottes Rathschlüsse nicht grübeln soll. Nachdem sie Dieses gesprochen, gingen sie in’s Feuer, ohne den König zu lästern oder die Bildsäule umzustürzen. Denn so muß der wackere Mann beschaffen sein: bescheiden und sanft, besonders in den Gefahren, damit es nicht scheine, als treibe ihn Kühnheit und Ruhmsucht in den Kampf, sondern Mannhaftigkeit und Mäßigung. Denn wer nur schimpft, macht sich der ihm zur Last gelegten Verbrechen verdächtig; wer aber gelassen und nur wie gezwungen und mit Mäßigung den Kampf unternimmt, der verdient nicht nur wegen seiner Tapferkeit, sondern auch wegen seiner Bescheidenheit und Mäßigung bewundert zu werden. So haben es Jene gemacht, indem sie Muth und große Gelassenheit zeigten und Nichts unternahmen aus Hoffnung auf Lohn und Wudervergeltung. „Und wenn er uns auch nicht erretten will,“ sagen sie, „so dienen wir deinen Göttern doch nicht; denn es ist uns schon Lohnes genug, daß wir gewürdiget wurden, vom Götzendienste bewahrt zu sein, und daß deßhalb unsere Leiber verbrannt werden.“

Auch wir sind schon belohnt; denn wir sind gewürdiget worden, Gott zu erkennen und Christi Glieder zu sein. Darum wollen wir sie nicht zu Gliedern einer Buhlerin machen. Mit diesem so schrecklichen Spruche wollen wir die Rede beschließen, damit die Furcht vor diesen Drohungen uns recht lebhaft erfasse und wir uns durch dieselbe reiner, wie Gold ist, bewahren. Denn so werden wir, fern von aller Unzucht, Christum schauen; ja, möchten wir alle am Tag des Gerichtes ihn mit Zuversicht schauen durch die Gnade und Menschenfreundlichkeit unseres Herrn Jesus Christus, dem mit dem Vater und dem heiligen Geiste sei Ruhm, Ehre und Herrschaft jetzt und allezeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

[S. 303]

1: Dan. 3, 18.
2: Matth. 26, 41.
3: Φιλόσοφον φρόνημα; eine andere Lesart ist: φιλόθεον φρόνημα — den gottliebenden Sinn.
4: Dan. 3, 17.
5: Dan. 3, 18.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger